Frage von schweizerr, 276

Wieso behaupten Muslime, die Bibel wurde verfälscht?

Ich kann diese Behauptung einfach nicht nachvollziehen, da die Bibel aus den Hebräischen, Armänischen und Griechischen Schriften genau übersetzt wird (kenne selber jemand, der an Übersetzungen arbeitet).

Antwort
von oelbart, 136

Es gibt von den Geschichten des alten Testaments mittlerweile einige Handschriften (hebräisch), die in Details voneinander abweichen. Wenn man sich die Texte ansieht und den Stil vergleicht, kann man außerdem ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass das nicht von einem einzigen Autoren kommt. Die Texte sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden und wurden wohl auch immer wieder abgewandelt. (vgl zb den Namen Gottes)

Beim Neuen Testament war der Zeitraum nicht ganz so lang, aber trotzdem: Man geht davon aus, dass die meisten Evangelien zumindest nach der Zerstörung des Tempels (in den 70ern n Chr) entstanden sind. In der Zeit können ebenfalls viele Änderungen durch "Flüsterpost" entstanden sein...

Der Koran behauptet, Jesus sei ein Prophet gewesen - aber um dann die Abweichungen zum Gesetz Mohammeds zu erklären, muss es halt entweder verfälscht worden sein oder aber es müsste irgendwie unvollständig gewesen sein.

Antwort
von JTKirk2000, 32

Wer übersetzt, kann meist nur Sinn oder Worte übersetzen, aber selten beides gleichzeitig - vor allem wenn es um Sprachen geht, die einem jeweils anderen Sprachenstamm angehören oder in ihrer Entwicklung zumindest ein paar Jahrhunderte auseinander liegen.

Zudem wurden bei der Sammlung der Schriften zu Bibel viele Schriften, die eigentlich dazu gehört hätten, aus dem Kanon der Bibel ausgeschlossen. Diese werden als apokryphe Schriften oder Apokryphen bezeichnet.

Antwort
von arevo, 52

Darüber wurde hier bei gutefrage.net schon sehr oft debattiert und hat auch schon zu sehr heftigen Ausbrüchen geführt.

Ein sicherlich wichtiger Punkt ist einfach der, dass Moslems dies behaupten müssen, um ihren Überlegenheitsanspruch gegenüber dem Christentum aufrecht erhalten zu können.Denn in der Realtität sieht es natürlich ganz anders aus.

Vorbild des Koran ist das AT mit Moses, der häufiger genannt wird als Mohammed, ein weiteres das NT, allerdings mit einer vollkommen verzerrten Interpretation von Jesus/Isa und Maria/Mariam und dem Kreuzestod.

Diese ständige Behauptung der Verfälschung der Bibel seitens der Moslems ist auch als ein Zeichen der Intoleranz zu werten.


Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Religion, 36

Die Herabwürdigung anderer Ansichten dient praktisch immer dazu, den eigenen Standpunkt als überlegen darzustellen.

Dies geht besonders gut, wenn die Quelle der anderen Ansicht diskreditiert und als unglaubwürdig dargestellt wird.

Wenn man eine neue Lehre verbreiten will, ist es hilfreich, sich als Legitimation auf bereits anerkannte Autoritäten zu berufen.

Das ist aus meiner Sicht alles schon geschehen:

Zunächst gab es das Alte Testament. Dort gibt es zahlreiche Erzählungen über Propheten wie Abraham und Moses, die unmittelbar Gottes Wort erhalten haben sollen.

Das Neue Testament legitimiert sich, indem behauptet wird, Jesus entspreche den Kriterien für den angekündigten Erlöser - zB die Herkunft aus dem Stamme Davids.

Jesus wird somit als bereits angekündigter Erlöser ledigitmiert und zudem als Gottes Sohn präsentiert. Damit hat er einen besonderen Status.

Wer jetzt eine neue Religion gründen wollte und sich dabei auf diese etablierten Schriften berufen wollte, hatte ein Legitimationsproblem.

Wenn jetzt nicht Gottvater persönlich als Verkünder erschien, konnte die Autorität der neuen Schriften angefochten werden.

Wer könnte sich schließlich anmaßen, das Wort Gottes, dass durch seinen eigenen Sohn verkündet wurde, nachträglich zu korrigieren?

Also griff man beim Legitimationsproblem des Islam auf ein naheliegendes Argumentationsmodell zurück:

Man betonte einfach die Abweichungen zwischen verschiedenen Übersetzungen und behauptete, dies sei ein Beweis für die Verfälschung der ursprünglichen Lehre.

Es war also nun möglich sich einerseits durch die alten Schriften zu legitimieren, indem man religiöse Gestalten wie Moses und Jesus in den Quran aufnahm - und zugleich die "Vervollkommnung", also die Korrektur, der angeblich verfälschten Gotteslehre zu behaupten.

Würden Muslime die Theorie von der Unverfälschtheit der Bibel anerkennen, wäre die gesamte Legitimation für den Quran flöten.

Denn wenn die Bibel Gottes Wort und Jesus Gottes Sohn ist - dann bedarf es keiner neuen Religion, um angebliche Verfehlungen zu korrigieren.

Damit gäbe es überhaupt keinen Grund für die zahlreichen Gebote des Islam, denn  wo es keine Verfälschung gibt, braucht es auch keine Korrektur.

Aus diesem Grund wird in der islamischen Welt mit zwei Argumentationssträngen gearbeitet:

Den ersten habe ich schon genannt - man führt die Verfälschung der Bibel als Grund für die Aktualisierung und Schaffung des Quran an.

Die zweite greift das gleiche Muster auf, wie es bereits zuvor das Christentum beim Judentum genutzt hatte:

Islamische Gelehrte interpretieren in Bibelstellen einfach Hinweise darauf hinein, dass Jesus einen letzten Propheten nach ihm angekündigt habe.

Durch diesen Kunstgriff wird der Prophet Mohammed also gleich noch durch Jesus legitimiert und als letzter Prophet eingeführt.

Ich denke, das sollte die Frage beantworten.

Antwort
von OnkelSchorsch, 92

Wie alle Heiligen Bücher, so wurde auch die Bibel im Laufe der Zeit verändert. Genau wie auch der Koran, auch wenn das von Moslems fälschlicherweise  stets anders dargestellt wird.

Antwort
von hummel3, 61

Ganz einfach, würden Muslime nicht behaupten, die Bibel sei gefälscht, wäre noch offenbarer, dass der Inhalt des Koran, bei welchem der jüdische Tanach und das christliche Neue Testament Pate gestanden haben, nicht übereinstimmen.

Die ältere Bibel widerspricht mit diversen Inhalten dem viel späteren Koran. 

Meiner Meinung nach haben die Schreiber des Koran schlecht recherchiert. Oder schon Mohammed hat einiges falsch verstanden, was er für die Offenbarung Allahs hielt oder weitergegeben hat.

Kommentar von Zicke52 ,

"Meiner Meinung nach haben die Schreiber des Koran schlecht recherchiert".

Meiner Meinung nach auch, aber das ist nur eine Komponente. Ich glaube, gewisse Aspekte wurden auch absichtlich geändert, schliesslich wollten die Herausgeber des Koran eine neue Religion gründen, und das konnten sie nur, indem sie die ursprüngliche Version änderten.

Kommentar von hummel3 ,

Damit hast du natürlich recht! - Danke für deine Ergänzung.

Antwort
von robi187, 80

alle religionen sagen kritische menschen sind verfälscht voralle die einen absolut anspruch haben und keine kritik zulassen?

aber schaue mal was der Abdel-Samed schreibt, der er kennt seine religion auch sehr gut?

Antwort
von fricktorel, 63

Leider sind nicht alle Übersetzungen richtig, z.B. Luther 1912, der "Passa" (die Leidenszeit Christi) im Neuen Testament mit "Ostern" (einem heidnischen Feiertag der Fruchbarkeitsgöttin Ostera) übersetzt.

Aber das ist nicht unser Problem, sondern Sache der Übersetzer (Offb.22,18-19).

Wir sollten der Schrift (nach Vergleich mit anderen Übersetzungen) glauben, denn "Gottes Wort ist Wahrheit" (Joh.17,17).

Antwort
von josef050153, 23

Das geht auf Mohammed selbst zurück. Jeder Blinde kann ja mit dem Stock ertasten, dass der Koran an vielen Stellen der Bibel eindeutig widerspricht. Da sich aber Mohammed für einen Propheten hielt, kann natürlich seine selbsterfundene Offenbarung nicht falsch sein. Also muss der Fehler in der Bibel (bzw. ihrer Überlieferung) liegen. Dafür fehlt zwar jeder Beweis, aber im Islam geht es nie um Wahrheit, sondern um Rechthaberei.

Antwort
von kdd1945, 46

Hallo schweizerr!

Es ist offensichtlich, dass der oder die Verfasser des Koran die Bibel kannten. Der Prophet Mohammed rezitierte die letzten Verse kurz vor seinem Tod im Jahr 632 n. Chr., das jüngste Bibelbuch, das Evangelium nach Johannes wurde um das Jahr 98 n. Chr. fertiggestellt.

Recht viele Verse des Koran bestätigen, dass zumindest die Thora und das Evangelium von Gott / Allah gegeben waren. Beispiel:

5.46. Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium.

Der Koran bezeichnet also die Bibel  als echt und gottgegeben, so wie sie in Thora und Evangelium aufgezeichnet, und wie sie um das Jahr 632 n. Chr. durch eine Vielzahl von Manuskripten dokumentiert war.

Die Dokumente liegen heute noch vor, die in jener Zeit den / die Verfasser des Koran zur Anerkennung der biblischen Zeugnisse veranlassten, die Gott / Allah in seiner Allmacht und Liebe gab.

Vergleicht man diese alten Manuskripte mit den heute gelesenen gedruckten Texten, erkennt man, dass Gott / Allah sein Wort, die Bibel, unverfälscht bewahrt hat. - Hätte jemand daran zweifeln wollen?

4:136. ...Und wer nicht an Allah und Seine Engel und Seine Bücher und Seine Gesandten und an den Jüngsten Tag glaubt, der ist wahrlich weit irregegangen.

Und so kann ich zum Schluss nur Deinen Worten ganz zu Anfang zustimmen: 

Wieso behaupten Muslime die Bibel wurde verfälscht?
Ich kann diese Behauptung einfach nicht nachvollziehen.



Grüße, kdd

Antwort
von Abundumzu, 32

Hallo schweizerr

Wieso man im Islam den Eindruck hat die Bibel sei gefälscht, hat einen ganz einfachen und nachvollziehbaren Grund,  der übrigens von „Christen“  selbst verursacht wurde.

Zum besseren Verständnis hole ich etwas weiter aus:

Wie die Bibel es vorhergesagt hatte,  haben  nach dem Tode der letzten Apostel Männer von sich Reden gemacht,  die anfingen das Wort Gottes zu verdrehen.  Wörtlich kann man in der Apostelgeschichte 20:29, 30 lesen:  
„ . . .Ich weiß, dass nach meinem [des Apostel Paulus] Weggang
bedrückende Wölfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen werden,  und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen und verdrehte Dinge reden, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen.“

Dabei handelte es sich allerdings nicht um Muhamad, denn die  Vorausgesagten  sollte „aus eurer eigenen Mitte“  -  aus der Mitte christlicher Religionsvertreter also,  aufstehen.  Und in der Tat begannen  christliche Religionsführer schon im zweiten Jahrhundert damit,  sogenannte Glaubensbekenntnisse zu formulieren, in denen Lehren verankert wurden, die mit der biblische Lehre nicht übereinstimmten.

Allen voran die völlig unbiblische Lehre von einem dreieinigen Gott.

Als dann Muhamad rund 500 Jahre nach der Vollendung der Bibel seinen Koran niederschrieb, bemerkte er zu Recht, dass die Christenheit mit Ihrem Dogma von einem dreieinigen Gott von der ursprünglichen biblischen Lehre abgewichen war. Man kann ihm allenfalls vorhalten,  nicht differenziert zu haben  zwischen dem Worte Gottes  und einem menschliches
Glaubensbekenntnis.

Er hatte daher aus seiner Sicht  gute Gründe, darauf hinzuweisen, dass Gott
(Allah) ein monotheistischer Gott ist.  Über die Einzigartigkeit Gottes heißt es deshalb  im Qurʼān: „Glaubet also an Allah und Seine Gesandten, und saget nicht: ‚Drei.‘ Lasset ab — ist besser für euch. Allah ist nur ein Einiger Gott“ (Sure 4:172, HA).

Diese Aussage  stimmt völlig mit der Bibel überein!

Hier ein paar Zitate:

5. Mose 6:4 „. . .Höre, o Israel: Jehova, unser Gott, ist  e i n Jehova. . .“

Markus 12:29 „Jesus antwortete: „Das erste ist: ‚Höre, o Israel: Jehova, unser Gott, ist e i n Jehova“

1. Korinther 8:6: „so gibt es für uns tatsächlich  e i n e n GOTT, den Vater, aus dem alle Dinge sind und wir für ihn; und es gibt  e i n e n Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“

Wenn daher heute Muslime argumentieren, die Bibel sei gefälscht, dann machen sie den gleichen Fehler, wie  er Muhamad unterlaufen ist:  Sie verwechseln Bibel und Glaubensbekenntnis.

Faktum ist:  nicht die Bibel wurde gefälscht wurde  sondern menschliches Beiwerk  erzeugte die Irrtümer, die solche Missverständnisse auslösten.

Möchtest Du Jesu Meinung dazu hören?   „Jesaja hat treffend . . . prophezeit:
‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist weit entfernt von
mir. Vergeblich bringen sie mir fortwährend Anbetung dar, weil sie als Lehren Menschengebote lehren.‘ Ihr gebt das Gebot Gottes auf und haltet an der Überlieferung der Menschen fest.“ (Markus 7:6-8)

Wenn es auch an der schwere des Irrtums nicht ändert, verursacht haben dieses Durcheinander „Christen“ selbst  -  und zwar „Christen“ in Anführungsstrichen.

Vielleicht helfen Dir diese Hinweise weiter.

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Kommentar von Sturmwolke ,

DH!

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