wieso baut man androiden?

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1 Antwort

Mir fällt als Vergleich dazu immer das SETI-Projekt ein, bei dem es darum geht, Signale außerirdischer Zivilisationen aufzuspüren. Oft wird das so ausgedrückt, daß man herausfinden wolle, "ob wir alleine sind".

These 1: Vielleicht ist es ein tiefsitzendes Gefühl von Einsamkeit, das die Androidenbauer antreibt.

Die SETI-Forscherin Ellie Arroway, deren Team in dem Film "Contact"
Signale auffängt, hat als Mädchen ihren Vater verloren und er ist es, in
dessen Gestalt einer der Außerirdischen dann auf dem Exoplaneten, zu
dem sie reist, mit ihr zusammentrifft.

In Steven Spielbergs Film "AI" ist es ein kinderloses Ehepaar, daß sich einen kleinen Roboterjungen als Sohn anschafft. In diesem Film sind die Androiden so perfekt, daß man sie nicht so leicht von Menschen unterscheiden kann. Sie werden ja auch von menschlichen Schauspielern dargestellt, deren Kunst hierbei darin besteht, ein kleines bißchen Künstlichkeit zu zeigen.

These 2: Man will Androiden bauen, um sie als Arbeitskräfte dort einzusetzen, wo "Menschlichkeit" wichtig ist, z.B. als Pflegekräfte oder zur Kinderbetreuung.

Ob man solche lebensechten Androiden einmal wirklich bauen kann, kann ich nicht beantworten, aber ich bin ziemlich sicher, daß man nicht damit aufhören wird, es zu versuchen.  Etwas daran scheint die, die es machen, zu faszinieren. Aber schon das mögliche Geschäft mit solchen Maschinen ist Motivation dafür.

These 3: Beim Kontakt zwischen Android und Mensch lassen sich psychologische Zusammenhänge erforschen.

Für den praktischen Einsatz der Androiden ist es wichtig zu wissen, was der Mensch als natürlich und was er als künstlich wahrnimmt, und wie er darauf reagiert. Dieses Wissen könnte vielleicht auch dabei helfen, Probleme in der Selbstwahrnehmung des Menschen zu verstehen. Manche Menschen empfinden ihren eigenen Körper als fremd und fühlen sich in ihm nicht zuhause.

These 4: Vielleicht ist der Androide ein symbolischer Ausdruck der Künstlichkeit, die die Menschen an sich selbst wahrnehmen

Menschen in der Zivilisation werden von Geburt an fremdbestimmt. Sie werden geschult, belohnt, bestraft, geradezu programmiert, um so zu werden, wie andere sie haben wollen. Karl Marx schrieb von der Entfremdung, die den Menschen im Kapitalismus von dem trennt, was er tut. Sigmund Freud und andere Psychotherapeuten haben beschrieben, wie fremd einem Menschen das eigene Innenleben und Verhalten werden kann, so daß er Hilfe benötigt, um mit sich selbst identisch werden und sein Leben unter eigene Kontrolle bekommen zu können. Der Roboterbau könnte vor diesem Hintergrund als eine künstlerische Disziplin verstanden werden: Er schafft ein Selbstporträt des entfremdeten Menschen.

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