Frage von unbekanntekarto, 34

Wieso änderte sich das geschichtliche Denken ab der Industrialisierung 1700?

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von berkersheim, 11

Ich sehe es umgekehrt: Die Industriealisierung ist die Folge der Änderung des Denkens. Das beginnt bereits in der Renaissance und der Ausdruck "Kopernikanische Wende" ist nur ein Stichwort dazu. Ein wichtige Rolle spielt Nikolaus von Kues, der in seiner Philosophie Anstöße gibt, wissenschaftlich zu forschen, Grenzen des Unendlichen auszuloten. In dieser Zeit wird von Lukrez das Gedicht "De rerum natura" entdeckt und die epikureische Philosophie wurde dann aufgegriffen u.a. vom Humanisten Lorenzo Valla mit seiner Schrift „Über die Lust“ (De voluptate). Wikipedia: "Eine maßgebliche Rolle spielte dabei die Rehabilitierung der epikureischen Philosophie durch den französischen Philosophen Pierre Gassendi. In seinem Kampf gegen die Autorität des Aristoteles griff Gassendi auf Epikurs Atomtheorie zurück;"

Die Dominanz der Scholastik wird abgeschüttelt und ein Hype bricht aus, wissenschaftlich zu forschen und zu experimentieren. Das wird dann die Zeit der Aufklärung in Frankreich (Enzyklopädisten) und England (Hobbes, Hume). Auch in Deutschland arbeitet der Aufklärer I. Kant erst als Naturwissenschaftler. Zentrale Figur wird Isaac Newton. Dieser wissenschaftliche Aufbruch nach der Befreiung aus den Fesseln der Religion (Scholastik) ist die Grundlage, wissenschaftliche Erkenntnisse in Anwendung zu bringen und Basis der beginnenden Industrialisierung. Politisch wird der Feudalismus abgeschüttelt und ökonomisch seine Schranken gebrochen zu mehr Wettbewerb (Adam Smith: Wohlstand der Nationen). Vermögende Bürger und Adel investieren in aufbrechende Industrie als Umsetzung erfinderischer Umsetzung der Naturforschung. Es ist insgesamt eine Zeit des Aufbruchs.

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