Frage von Minajaan123, 91

Wiederholter Ladendiebstahl innerhalb geringem Zeitraums?

Guten Tag liebe Mitmenschen,

In einer vorherigen Frage hatte ich von einer 17 jährigem Freundin berichtet, mit der ich bei Kaufland war und sie etwas für 4,59 mitgehen ließ, ich der Mittäterschaft bezichtigt wurde, jedoch meine Unschuld beweisen konnte. Meine Freundin jedoch bekam nach 4 Wochen einen Brief nach Hause, dass das Verfahren aufgrund geringer Schuld wahrscheinlich eingestellt werden würde, dies hat jedoch allein die Staatsanwaltschaft zu entscheiden. Mitsamt dem Brief gab es natürlich ordentlichen Ärger von der Familie.

Anscheinend hat meine Freundin nicht daraus gelernt und hat nach nur knapp 2 bzw 1,5 Monaten bei Douglas im Wert von 33€ zwei Kosmetikartikel mitgehen lassen. Sie ist immer noch 17. Das ein Brief ankommt, ist ihr klar. Sie spekuliert aber noch über die möglichen Maßnahmen, ihr ist klar, das sie als wiederholungstäterin nicht ungeschoren davonkommt, Jedoch ist sie sich unsicher was für Strafen folgen, wie zB sozialstunden, oder ob ihre Eltern doch den Polizeieinsatz bezahlen müssen. Zudem hat sie ein Hausverbot im Einkaufszentrum, in dem das Verbrechen stattfand, sowie in allen Douglas Filialen in Deutschland. Bei missachten des Hausverbots droht ihr natürlich eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Sie hatte leider vergessen, nachzufragen, ob sie den Hausverbot auch schriftlich per Post bekommt.

Bitte beantwortet nur die Fragen, was innerhalb dieser schnell anrückenden wiederholungstat ihr im Alter von 17 droht, und ob sie den Hausverbot auch per Post geschickt bekommt, denn bei Kaufland war dies nicht der Fall, Douglas und ein Einkaufszentrum sind aber noch etwas anderes. Aussagen wie "ihre eigene Schuld" , "hat sie Pech gehabt" sind im vornherein klar und bringen sie nicht viel weiter.

Mit freundlichen Grüßen

Antwort
von TheGrow, 46

Hallo Minajaan123,

zunächst einmal hat die Polizei gegen Deine Freundin ein Strafverfahren nach folgender Rechtsgrundlage eingeleitet:

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§ 242 StGB - Diebstahl

(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Der Versuch ist strafbar.

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Das die Staatsanwaltschaft das Verfahren auch beim zweiten Diebstahl wegen:

  • § 153 StPO wegen Geringfügigkeit oder
  • § 153a StPO gegen Auflagen

einstellt halte ich auch für sehr unwahrscheinlich.

Wahrscheinlich wird sich Deine Freundin in einer Gerichtsverhandlung vor einem Richter verantworten müssen, der am Ende der Verhandlung das Urteil spricht.

Mit 17 fällt Deine Freundin noch unter das Jugendstrafrecht kann weder zu der im Gesetz angeführten Freiheitsstrafe, noch zu einer  Geldstrafe verurteilt werden, sondern muss "nur" mit einer Erziehungsmaßregel rechnen. In Der Regel wird diese in Form von Sozialstunden verhängt.

Diese Erziehungsmaßregel steht übrigens nicht mit im Führungszeugnis mit drin.

Zu den Kosten die auf sie zukommen können.

Seitens den Unternehmens wird voraussichtlich eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von bis zu 60 Euro verlangt.

Seitens des  Staates wird:

  • keine Polizeikostenrechnung folgen und es werden auch
  • keine Verfahrenskosten bei Jugendlichen erhoben, aber
  • insofern sie einen Rechtsanwalt nimmt, muss sie dessen Kosten selber tragen. Da hier keine Notwendigkeit zur Pflichtverteidigung besteht, kann sie auch keine Beihilfe beim Staat beantragen.

Schöne Grüße
TheGrow

Kommentar von Minajaan123 ,

Vielen Dank für diese präzise Antwort!
Eine Frage hätte ich da noch, falls Sie vielleicht eine Ahnung haben: könnte sich diejenige, die sich strafbar gemacht hatte und somit vor Gericht muss, selbst verteidigen bei so einer - verhältnismäßig - "milden" Straftat oder ist ein Anwalt in solch einem Fall unverzichtbar bzw selbstverständlich und vorgesehen?

Mit freundlichen Grüßen!

Kommentar von TheGrow ,

Ja, man könnte sich selbst verteidigen.

Ein Rechtsanwalt ist nur in folgenden Fällen notwendig:

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§ 140 StPO - Notwendige Verteidigung

(1) Die Mitwirkung eines Verteidigers ist notwendig, wenn

  1. die Hauptverhandlung im ersten Rechtszug vor dem Oberlandesgericht oder dem Landgericht stattfindet;
  2. dem Beschuldigten ein Verbrechen zur Last gelegt wird;
  3. das Verfahren zu einem Berufsverbot führen kann;
  4. gegen einen Beschuldigten Untersuchungshaft nach den §§ 112, 112a oder einstweilige Unterbringung nach § 126a oder § 275a Absatz 6 vollstreckt wird;
  5. der Beschuldigte sich mindestens drei Monate auf Grund richterlicher Anordnung oder mit richterlicher Genehmigung in einer Anstalt befunden hat und nicht mindestens zwei Wochen vor Beginn der Hauptverhandlung entlassen wird;
  6. zur Vorbereitung eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Beschuldigten seine Unterbringung nach § 81 in Frage kommt;
  7. ein Sicherungsverfahren durchgeführt wird;
  8. der bisherige Verteidiger durch eine Entscheidung von der Mitwirkung in dem Verfahren ausgeschlossen ist;
  9. dem Verletzten nach den §§ 397a und 406h Absatz 3 und 4 ein Rechtsanwalt beigeordnet worden ist.

(2) In anderen Fällen bestellt der Vorsitzende auf Antrag oder von Amts wegen einen Verteidiger, wenn wegen der Schwere der Tat oder wegen der Schwierigkeit der Sach- oder Rechtslage die Mitwirkung eines Verteidigers geboten erscheint oder wenn ersichtlich ist, daß sich der Beschuldigte nicht selbst verteidigen kann. Dem Antrag eines hör- oder sprachbehinderten Beschuldigten ist zu entsprechen.

(3) Die Bestellung eines Verteidigers nach Absatz 1 Nr. 5 kann aufgehoben werden, wenn der Beschuldigte mindestens zwei Wochen vor Beginn der Hauptverhandlung aus der Anstalt entlassen wird. Die Bestellung des Verteidigers nach Absatz 1 Nr. 4 bleibt unter den in Absatz 1 Nr. 5 bezeichneten Voraussetzungen für das weitere Verfahren wirksam, wenn nicht ein anderer Verteidiger bestellt wird.

Antwort
von maggylein, 45

Hab da keine Erfahrung aber vom rein logischem Denken her..
1. die Frage war Polizei vor Ort?
2. wenn ja... geben die dann nicht direkt den Eltern Bescheid? Bzw. bringen sie dann nachhause oder lassen sie von den Eltern abholen wenn man minderjährig ist?
3. Wenn Douglas ein Hausverbot in allen Filialen androht wie wollen die das umsetzen.
Glaube irgendwie nicht dass das auf einer mündlichen Aussage hin Wirkung hat bzw. rechtlichen Wert hat ohne was schriftliches

Kommentar von Minajaan123 ,

1. im ersten Fall bei Kaufland nicht, beim letzten Fall bei Douglas schon 

2. ihr wurde anfangs von den Ladendetektiven angedroht, nach Hause gefahren zu werden, aber letztendlich durfte sie alleine nach Hause gehen, die Polizisten gaben ihr mit, das sie auf jedenfall einen Brief erwarten wird.

3. also bist du der Meinung, dass die einen Brief mit Hausverbotserklärung schicken?

Kommentar von maggylein ,

wie gesagt hab keine Erfahrung damit aber wäre für mich logische Folge

Antwort
von Onlylaw, 35

Hallo Minajaan123!

TheGrow hat schon viel Richtiges gesagt. Was aber das vorgehen der Staatsanwaltschaft im Vorverfahren angeht, sind einige grundlegende Ergänzungen notwendig:

Wie bereits gesagt, können Straftaten von 14-21 Jährigen nach den abweichenden Regelungen des JGG behandelt werden. Für das von TheGrow angespochene Vorverfahren bedeutet das, dass nicht die §§ 153ff StPO für eine Einstellung (mit oder ohne Auflagen oder Weisungen) herangezogen werden, sondern die §§ 45 (von der Staatsanwaltschaft) bzw. 47 JGG (durch den Richter). Dabei orientiert sich § 45 I JGG allerdings inhaltlich an § 153 StPO. Nach § 45 II JGG kann die Staatsanwaltschaft jedoch auch dann von einer strafrechtlichen Verfolgung absehen, wenn erzieherische Maßnahmen eingeleitet werden oder bereits durchgeführt wurden. Ein normvedeutlichendes Gespräch der Eltern mit dem Kind oder eine sonstige Bestrafung dieser (z.B Verhängung eines Hausarrestes, Entschuldigung beim Geschädigten oder Taschengeldentzug) kann also grundsätzlich zu einer Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft führen.
Einer erzieherischen Maßnahme steht übrigens nach § 45 II S 2 JGG das Bemühen des Jugendlichen, einen Ausgleich mit dem Verletzten zu erreichen, gleich.

Verfahrenseinstellungen nach den §§ 45, 47 JGG werden allerdings in das Erziehungsregister eingetragen.

Zu dem Umstand, dass deine Freundin nun schon mehrfach durch Ladendiebstähle in Erscheinung getreten ist, lässt sich sagen, dass Rechtsbrüche durch Jugendliche im allgemeinen, und bei Ladendiebstählen im besonderen, nichts außergewöhnliches sind, und daher unter kriminologischen Gesichtspunkten eine formelle Bestrafung (also die Durchführung eines Strafverfahrens) nicht immer geboten ist und in Anbetracht der stetigen Überlastungen der Justiz auch selten durchgeführt wird. 

Dies ist meine persönlich Meinung, ich hoffe ich konnte dir damit weiterhelfen!

Die Welt ist ungerecht, Onlylaw kann helfen!

Kommentar von Minajaan123 ,

Vielen Dank, dass du dich damit so gut befasst hast und mir weiterhelfen konntest! :)

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