Frage von jan0510, 231

Wiederbelebung bei Suizid? Eure Meinung?

Wenn ich sehe, dass eine Person einen Suizid begeht, ist es okay, sie dann zu retten? Eventuell Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen?

Und falls diese Person bei erfolgreicher Wiederbelebung körperlich sehr geschädigt ist, gibt es da rechtliche Folgen?

Wie steht ihr moralisch zum Hindern eines bereits begonnenen Suizidversuches?

Ich freue mich schon auf eure Antworten.

LG Jan.

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von greulinchen, 121

Du musst diese Person sogar retten. Ein Suizid ist nicht strafbar, selbst dabei zu sein ist okay, aber unterlassene Hilfeleistung ist es nicht.
Du kannst also ganz krass gesagt, dabei sein wenn jemand mit der Schlinge um den Hals vom Stuhl springt, aber sobald die Person bewusstlos/hilflos ist musst du Hilfe leisten. (Sprich herunter holen und Erste Hilfe leisten)
Für Folgeschäden bist du genauso verantwortlich wie bei jeder anderen Ersthelfer Situation auch.

Moralisch ist es richtig einen Suizid zu verhindern, wenn dieser aus einer psychischen Erkrankung oder einer psychischen Ausnahmesituation entsteht. (Depressionen, Lebenskrise etc) - immer und ohne Ausnahme. Und das so frühzeitig wie irgendwie möglich. Diese Menschen würden sich, in aller Regel, für das Leben entscheiden, wenn ihre Sicht auf ihr Leben und ihre Zukunft nicht durch die Erkrankung oder Zustand beeinträchtigt wäre. Die meisten sind im Zuge der Genesung sogar sehr dankbar für die Rettung.

Einen Suizid nicht mehr aufzuhalten oder zu unterbinden ist dann für mich okay, wenn die Betroffene Person an einer unheilbaren Krankheit leidet und sich so das finale Leiden ersparen will. Also sein Leben selbstbestimmt beenden möchte und lang und breit damit auseinander gesetzt hat, sämtliche Informationen und Alternativen durchgespielt hat und fest davon überzeugt ist, dass dies der richtige Schritt für diesen Menschen ist.

Kommentar von Lalala1718 ,

Wie ist man denn für Folgeschäden verantwortlich ?
Haftet man wenn man bei wiederbelebungsmaßnahmem dem anderen die Rippen bricht ? Oder wenn durch Sauerstoffmangel das Gehirn Schäden nimmt ?
Das heißt wenn mein gegenüber sich was antut komme ich vor Gericht ?😳

Kommentar von derdorfbengel ,

"Haftet man wenn man bei wiederbelebungsmaßnahmem dem anderen die Rippen
bricht ? Oder wenn durch Sauerstoffmangel das Gehirn Schäden nimmt ? "

Quatsch!

Kommentar von greulinchen ,

Nein du haftest als Ersthelfer nur dann, wenn du nicht für Dinge oder Schäden, die im Rahm der Hilfe geschehen. Wenn zb. bei der Reanimation eine Rippe bricht, Kleidung zerstört werden muss, sogar wenn dunzb. zu schnell fahren solltest um zb. ins KH zu kommen und dann geblitzt wirst bleibst du straffrei und kannst nicht dafür haftbar gemacht werden. Hirnschäden entstehen eher durch eine andauernde Mangelversorgung, wenn du also reanimierst verminderst du eher das Risiko. Du bist schließlich Laienhelfer und niemand kann dir daher vorwerfen, etwas falsches zu machen oder gemacht zu haben. Nur nichts machen ist das einzige, was man falsch machen kann, denn einzig und allein die unterlassene Hilfeleistung ist strafbar. Auch das Absetzen eines Noteufs ist eine Hilfeleistung, und oft können dich die Menschen in der Leitstelle anleiten, was du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes noch tun kannst. Also keine Sorge, wenn es notwendig ist leiste Hilfe wie es erforderlich ist, du bist da immer auf der rechtlich sicheren Seite.

Kommentar von Lalala1718 ,

In Ordnung Danke
Hatte schon bedenken das man haftet wenn man dem ne Rippe bricht o.ä.

Antwort
von Hasenmann81, 77

Wenn man es juristisch betrachtet, so muss man sagen, dass das eigene Leben nach ständiger Rechtsprechung nicht disponibel ist, das heißt, dass man nicht selbst darüber verfügen kann.

Das wiederum bedeutet, dass Du Dich möglicherweise einer unterlassenen Hilfeleistung strafbar machst, wenn Du so etwas mit ansiehst, aber nicht einschreitest, obwohl Dir dies zumutbar gewesen wäre.

Expertenantwort
von Kajjo, Community-Experte für Medizin, 67
  • Rein rechtlich gesehen ist es uneingeschränkt richtig und sogar notwendig, Hilfe zu leisten. Im Gegenteil wäre es sonst Unterlassung von Hilfeleistung, wenn man nicht nach besten Möglichkeiten helfen würde.
  • Ersthelfer sind außerdem rein rechtlich sehr gut geschützt und weder bei ungewollten noch bei ungeschickten Hilfeleistungen kann der Ersthelfer belangt werden, solange er nach besten Wissen und Gewissen handelt. Du gehst da also gar kein Risiko ein, wenn du jemandem hilfst, egal wie es ausgeht.
  • Rein moralisch sehe ich die Sachlage aber anders und dass das gesunde Rechtsempfinden von der tatsächlichen Rechtlage abweicht, ist ja keine Seltenheit. Hier hat gewiss jeder seine eigenen Ansichten und Wertvorstellungen.
  • Persönlich denke ich, dass es moralisch gesehen vor allem darauf ankommt, ob man weiß, dass der andere Suizid begehen möchte und ob dieser Suizid nüchtern betrachtet nicht die legitime, vertretbare Wahl desjenigen ist. Dies kann z.B. bei unheilbarer Krankheit durchaus nachvollziehbar sein und wenn jemand nach reiflicher Überlegung und mit nachvollziehbaren Argumenten aus dem Leben scheiden will, so kann ich sowohl die Sterbehilfe-Diskussion verstehen als auch passive Unterlassung von Hilfe nachvollziehen.
  • Anders sieht es natürlich aus, wenn psychologisch motivierte Verzweiflungstaten vorliegen und nüchtern betrachtet gar kein Grund für Suizid vorliegt. Da ist Hilfe fast immer geboten und richtig.
Antwort
von Whitecheetah, 63

Das meiste hat greuelinchen bereits gesagt. Ich für meinen Teil stimme bei ihr in dem Punkt nicht überrein, dass nur Menschen mit einer Unheilbarenkrankheit das recht zum Selbsttod ohne Kopfschütteln habem. Ich kenne ein paar Schiksale, wo es mich nicht verwundert, dass man sich da das Leben nimmt.

1. Eine Mädchen wurde erst zwangsverheiratet und ist dann von ihrem ursprungsland mit mama und bruder nach Griechenland abgehauen. Im ursprungsland hat ihr "Mann" ne andere Frau getötet und deren Mann dachte, er macht das selbe & ist der mittlerweile 19 jährigen nach griechenland gefolgt. Hat die Familie aufgespürt und geschossen. Die mutter und der Bruder kamen ums Leben und sie kam ins Krankenhaus. Ein grosser Teil der Lunge wurde enfernt, ein Teil des Darms & man hat ihr gesagt sie sei unfruchtbar. Dann kam sie in die schweiz, wurde schwanger (wohl doch ned unfruhtbar). Die männer von damals verfolgten sie auch dahin, wurden aber nicht ins Land gelassen. Der Frau mit ihrem Baby wurde das Asylrecht verwehrt. Sie hat Revision eingereicht und zu uns gesagt, wenn sie abgewiesen wird, bringt sie sich um, dann kann wenigstens ihr Sohn hier aufwachsen.

2. Eine Frau wurde als Kind vom Vater vergewaltigt und von der Mutter teils Tage eingesperrt. Is iwann abgehauen und wuchs im heim auf. Ihr erster Freund hat sie geprügelt, worauf sie beschloss kein Freund mehr zu haben. Anfangs 30 fand sie dann ihre grosse Liebe und bekam ein Kind mit ihm. Eines Tages ging die Familie spazieren und das Kind lief auf die Strasse... es wurde überfahren. Das Paar hatte sehr viel Mühe damit. Wäre das nicht schon schlimm genug, ging die Frau ein paar Tage später einkaufen und als sie zurück kam hing ihr Mann in der Wohnung.

Antwort
von Hardware02, 52

Ich finde, es sollte ein verbrieftes Recht geben, sein eigenes Leben zu beenden, wenn man das möchte. Man könnte es so machen, dass man diesen Wunsch z.B. drei Mal im Abstand von je vier Wochen (oder was auch immer die Psychologen hier für am besten halten) geäußert werden muss, und dann die entsprechenden Medikamente zur Verfügung gestellt bekommt.

Dann gäbe es nämlich dein moralisches Dilemma gar nicht, weil es keinen solchen "begonnenen Suizidversuch" mehr gäbe. 

Antwort
von AuroraRich, 81

Ich finde es legitim. Ganz offensichtlich wollte die Person, dass andere mitbekommen und Hilfe bekommen.

Also entweder man bringt sich so um, dass es niemand mitbekommt und niemand mit reingezogen wird. Oder man lässt es eben bleiben.


Antwort
von pewdiecuts, 68

Also zunächst zur Rechtslage: ich bin zwar keine Anwältin allerdings dürfte jedem bekannt sein, dass es rechtliche folgen gäbe wenn du die Hilfestellung unterlässt. Zur moralischen Frage: wenn man diesen Menschen nicht kennt, kann man auch schlecht sagen weshalb er sich das leben nehmen möchte. So oder so muss etwas vorgefallen sein. Auch wenn derjenige sterben möchte, würde ich ihn dennoch wiederbeleben, da man denjenigen helfen kann. Selbstmord scheint wie der letzte Ausweg, ist es aber nicht. Zusammengefasst heißt das, ich würde immer versuchen jemanden wiederzubeleben. Jeder hat da eine andere Ansicht.

Antwort
von LGTipps, 19

In irgendeinem Land steht/stand auf Suizid -nattürlich nur für den Fall des Misslingens- die Todesstrafe...

Abgesehen davon, machtst du dich tatsächlich nur strafbar, wenn du befähigt bist Erste Hilfe zu leisten (als Ersthelfer oder weitergehend mit medizinischen Kenntnissen) und dies unterlässt- das wäre unterlassene Hilfeleistung.

Natürlich muss der Rahmen der Hilfeleistung zumutbar sein- niemand verlangt vom Normalbürger, dass er einen Menschen mit z.B. komplett zerstörtem Unterkörper versorgt (sofern dies überhaupt noch möglich und sinnvoll wäre). Beim Suizid gilt hier die gleiche gesetzliche Grundlage wie bei Unfällen oder sonstigen Verletzungsursachen.

Moralisch halte ich den Suizid für nicht vertretbar (wenngleich sich mir natürlich erschließt, wie Menschen in eine psychische Lage kommen können, in denen dieser "Ausweg" eine Option darstellt), weswegen das Verhindern eines Suizides logischerweise moralisch richtig ist (und das Unterlassen desselbigen unter Umständen moralisch falsch sein kann)- nichtsdestotrotz darf bzw. muss Leib und Leben anderer und eines selbst dabei nicht riskiert werden.

So sehe ich das. :)

Antwort
von WastedYout, 56

Wenn du es nicht verhinderst machst du dich strafbar aber ich würde ihm nicht wiederbeleben oder Hilfe erst im nach hinein holen denn es könnte sein das wenn ich ihn rette das er danach schwer behindert ist und dafür will ich nicht verantwortlich sein

Antwort
von Omnivore11, 21

Wenn ich sehe, dass eine Person einen Suizid begeht, ist es okay, sie
dann zu retten? Eventuell Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen?

Du bist sogar dazu gesetzlich verpflichtet das zu tun. Du kannst einem Menschen beim Suizid helfen. Du kannst ihm ein Strick basteln und den Stuhl hinstellen. Du darfst aber nicht aktiv an der Tötung teilnehmen. Und wenn er sich dann selbst tötet MUSST du sogar helfen. Jedenfalls rechtlich.

Und moralisch würde ich das auch begrüßen, denn wer weiß was der Mensch für Probleme hat, die man doch auch mit professioneller Hilfe lösen könnte.

Und falls diese Person bei erfolgreicher Wiederbelebung körperlich sehr geschädigt ist, gibt es da rechtliche Folgen?

Ganz klar: NEIN! Das Rechtsgut Leben steht über der Gesundheit des Menschen. Diese Abwägungen sind auch Grundlage für den "rechtfertigenden Notstand" nach §34 StGB

Antwort
von MercedesGerman, 74

Rette einen Menschen so gut, wie du kannst.

Antwort
von LittleMistery, 66

Man muss helfen, sonst macht man sich der unterlassenen Hilfeleistung strafbar.

Antwort
von exxonvaldez, 52

Rechtliche Folgen gibt es nur bei unterlassener Hilfeleistung.

Kommentar von SigridP ,

Die Hilfeleistung muss zumutbar sein, ansonsten es genügt ein Anruf bei 112 oder 110 um seiner Plicht ausreichend nachzukommen. 

Antwort
von Conder2, 14

Ich schätze mal du weißt dass es vom Gesetz her pflicht ist.

Aber nur weil ein Paar Leute so mal entschieden haben muss es nicht das Richtige sein. Wenn ein Mensch sterben will, wie können wir da von Moral sprechen ihn zu hindern, wenn (ich bin nicht gläubsich) Gott uns einen Freien Willen geschenkt hat.

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