Frage von PtVPtV, 41

Wieder schärfer sehen, wenn man sich anstrengt einen bestimmten Punkt zu sehen (ohne Brille)?

Ich habe eine Brille und vermute, dass ich wegen meinem Handy kurzsichtig geworden bin.(das geht)

Ich habe die Hoffnung, wieder scharf sehen zu können, wenn ich ohne Brille in die Weite gucke.

Wenn ich im Zimmer bin und raus gucke, sehe ich vieles unscharf und versuche zu fokussieren.

Könnte es i.wann mal klappen, dass ich wieder schärfer sehe, wenn ich sowas oft mache?

Antwort
von aseven79, 33

Du bist nicht wegen den Handy kurzsichtig, das ist ein Mythos. Du hast auch keinerlei Einfluss auf deine Korrekturwerte, genausowenig wie auf deine Schuhgrösse. Sowas wie Augentraining gibt es nicht, und der Kurzsichtige kann auch nichts "zurechtzoomen". Du kannst ne Brille tragen und dadurch besser sehen, oder Brille nicht tragen und weniger gut sehen. Die natürlichen Korrekturveränderungen kannst du weder mit noch ohne Brille beeinflussen

Kommentar von Yogi243 ,

Leider nicht ganz korrekt:

In einer gross angelegten Studie wurden von 2007 bis 2012 mehr als 15000 Personen aus einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe erstmalig untersucht. Auch ein eingehender augenärztlicher Check gehörte zu diesen Untersuchungen. Die gesundheitliche Entwicklung und der Verlauf aufgetretener Erkrankungen der Teilnehmer werden aktuell weiterhin erfasst.

Erste Ergebnisse zeigen, dass 86,4% der Bevölkerung zwischen 35 und 74 Jahren Brillenträger sind.

35,1% der Untersuchten sind kurzsichtig (myop),
31,8% weitsichtig (hyperop) und bei
32,3% liegt eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) vor, letztere meist in Kombination mit einer Kurz- oder Weitsichtigkeit.

Ganz klar zeigt sich ein Zusammenhang zwischen der Länge der schulischen und/oder universitären Ausbildung und der Kurzsichtigkeit: Je höher der Schul- beziehungsweise Studien- und Berufsabschluss ist, desto höher ist das Risiko, kurzsichtig zu werden.

Die Augenmuskulatur wird durch "Erlernen" angesteuert, d.h. die Sysapsen, müssen eine gewisse Reizschwelle an Botenstoffen übermitteln und für diese affin sein. Durch einen Dauerreiz wird diese Reizschwelle auf einen erhöhtes Level angehoben. Dadurch nimmt die Muskulatur eine erhöhtes Spannungslevel als "normal" an. Dadurch wird das Auge mit der Zeit kurzsichtiger. Nicht ausser acht lassen darf man auch den genetischen Anteil, der dazu führt, dass eine Veranlagung zur Myopie (Längen- und/ oder  Brechtkraftfehler) Myopie als dominater Anteil mit vererbt wird.
War bei Menschen vor 10.000 Jahren eine hohe Myopie noch ein Selektionskriterium für das Aussterben, so ist dieses heute eben nicht mehr der Fall.

Zum Thema Augentraining: da das Gehirn ein vorgeschobenes Teil des Gehirnes ist und unmittelbar mit den lateralen Kniehöckern verschaltet ist, ist eine Training nur in gerimgem Maße möglich. Die Hauptveränderungen durch Sehtraining liegen im Bereich der Verbesserung der Bildverarbeitung im präfrontalen Cortex als in einer Verbesserung der Ansteuerung der Augenmuskulatur.

Wissenschaftlich ist eines allerdings erwiesen: Augenmuskulatur (und schon gar nicht die Ziliarmuskulatur) ist nicht trainierbar.

Kommentar von aseven79 ,

Ich kenne diese Studie, doch diese Ergebnisse sind mit grosser Vorsicht zu geniessen und dürfen nicht in einen falschen Zusammenhang gebracht werden. Da beisst sich die Katze in den Schwanz.

Grundätzlich kann man sagen, dass so ziemlich jeder eine Fehlsichtigkeit hat, wenn man die Ausprägung ausser acht lässt. Jeder Optiker wird bestätigen, dass der perfekte "Null-Wert" eine sehr seltene Ausnahme ist. Daher kann man mit getrost behaupten, dass 86,4% Brillenträger nicht gleichzustellen ist wie 86.4% Fehlsichtiger. Streng genommen würde ich die Fehlsichtigen nahe 100% einstufen, was natürlich die meisten wohl "rein gefühlsmässig" abstreiten würden. Ich habe selbst 1000de Augen vermessen und kenne die Korrekturentwicklungen der Menschen seit etwa 20 Jahren.

Die wohl wichtigste Erkentnis aus meiner Berufserfahrung ist, dass eine Brille nur so gut ist, wie sie zu den Bedürfnissen passt. Und hier wird die Studie aus einer falschen Perspektive dargestellt. Nicht der hohe Bildungsstand verursacht eine abnorme Ametropie, sondern die bestehende oder sich entwickelnde Fehlsichtigkeit wird mit den hohen Sehanforderungen störend und korrekturbedürftig. Und die Durchschnittsaugen der Bevölkerung werden auch nicht schlechter, sondern in Zeiten von HD, DVD, 3D, Retinadisplays usw werden die Sehansprüche höher. Der Landwirt und der Informatiker sind da nicht zu vergleichen, bei gleichen Werten wird der eine auf die Brille verzichten, der andere nicht ohne auskommen. Gerne wird den PC-Usern auch nachgesagt, dass sie sich ihre Augen kaputt machen, und dass sich deshalb unter informatikern so viele Brillenträger tummeln. Mal abgesehen von den +45jährigen, die wegen der Alterssichtigkeit den Job ohne Brille nicht ausüben könnten, tragen viele Informatiker die Brille wegen der Entlastung.

Wie du richtig erwähnst spielt die Veranlagung eine grosse (wohl sogar die grösste) Rolle. Bei zwei myopen Elternteilen beträgt die Wahrscheinlichkeit etwas über 60%, dass das Kind auch kurzsichtig wird. Wenn die Eltern nun einen gewissen Bildungsstand haben ist es nur wahrscheinlich, dass das Kind auch einen höheren Abschluss anstreben wird. Folglich finden sich an den Universitäten viele Myope, was aber aber auch nur indirekt mit den Sehanforderungen zu tun hat. Eine genetisch bedingte Myopie entwickelt sich üblicherweise bis etwa Mitte 20, was den falschen Eindruck erweckt, dass "je höher der Bildungsstand, desto höher die Myopie" sei. Es entwickelt sich nunmal zufälligerweise im gleichen Zeitraum wie das Studium.

Zum Thema Augenmuskulatur: Einzige auf die Optik wirksame Muskulatur ist der Ziliarmuskel, der für die Akkommodation zuständig ist (streng genommen vielleicht noch der Pupillensphincter und-Dilatator), aber ansonsten findet sich keinerlei Muskulatur am Auge, die irgendwie auf den Visus einen Einflüss hätte. Bei stark Myopen ist die "Ruhelage" des Ziliarmuskels tatsächlich immer etwas im positiven Bereich, also angespannt. Das führt dazu, dass Prüflinge bei der Refraktion subjektiv schnell zu starke Minusgläser annehmen, und man bei Unachtsamkeit des Prüfers mit jeder neuen Brille eine noch stärkere Myopie "heranzüchtet". Dadurch verlieren aber die Betroffenen erwiesenermassen unnatürlich schnell an Akkommodationsbreite, weil die Augenlinse sich nur bis zu einem bestimmten Betrag kugeln kann, was beweist, dass eine "echte" beeinflussung der Dioptrien nicht stattfinden kann. Einen sehr viel stärkeren Einfluss auf die Korrekturwerte haben Brechwertschwankungen von Gewebe, Tränenflüssigkeit und Kammerwasser (siehe bspw Diabetiker). Daneben erscheinen die von dir beschriebenen möglichen "Spannungsleveleinflüsse" vernachlässigbar gering.

Ich will damit nur das Märchen entzaubern, dass man sich seine Dioptriewerte einfach so wegtrainieren könnte, wie das gerne von Anbietern solcher Seminare behauptet wird. Vermeintliche Erfolge sind immer nur wie du richtig sagst physiologischer, aber niemals physischer Natur. Und Handys braucht man ebensowenig zu verteufeln, denn so wie der Gebrauch von Handys in den letzten Jahren explodiert ist, haben sich die Kurzsichtigkeiten keineswegs proportional dazu entwickelt

Antwort
von xXRiseOfBloodXx, 41

Ich kann dir nur raten eine Brille zu tragen. Mit etwas Glück wird es dadurch irgendwann wieder besser, ich kenne Menschen die haben mithilfe von einer Brille auch wieder scharf sehen können (Nach einigen Monaten/Jahren).

Kommentar von PtVPtV ,

Ich denke eben, dass ich wegen der Brille sowieso nicht mehr scharf sehen werde, weil sie ja für mein Auge "zoomt" und nicht mein Auge selbst.

Kommentar von Yogi243 ,

Nein nicht korrekt. Eine Brille zoomt nicht, da es ein "Objekltiv" mit einer Festbrennweite ist. Das was "zoomen" kann, ist Deine Augenlinse (und das ist auch gut so ;-)

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