Frage von caudaliie, 23

Wieder offener werden?

Hallo zusammen

Ich (w/20) bin privat ein offener und aufgestellter Mensch. Ich habe einen super Freundeskreis (enge Freunde, die ich seit Kindheit kenne) und auch mit meiner Familie ein sehr gutes Verhältnis. Es ist nur so, dass ich schon oft von „Menschen“ enttäuscht wurde und in den letzten Jahren sehr misstrauisch gegenüber „Fremden“ wurde. Es fällt mir extrem schwer, neuen Kontakten zu vertrauen und eine „richtige“ Freundschaft aufzubauen. Dies belastet mich sehr, weil ich ja „eigentlich“ ein offener Mensch bin/war, der gerne mit neuen Menschen in Kontakt kam.

Besonders bei der Arbeit belastet mich dies. (Ich arbeite seit zwei Monaten in einer neuen Firma). Hier fällt es mir ebenso schwer, mich in das Team einzugliedern bzw. habe ich ständig das Gefühl, nicht akzeptiert / gemocht zu werden. Ich gebe mich zwar kommunikativ und es sind auch alle nett zu mir, doch habe ich ständig das Gefühl, dass sie hinter meinem Rücken reden – oder, wenn ich mal mit einer Person alleine bin, habe ich ständig das Gefühl etwas erzählen zu müssen, sonst denken sie, ich sei komisch / ruhig. (Dabei ist das mit ziemlicher Sicherheit alles nur meine eigene dumme Einbildung..). Aber es lässt sich nicht abschalten. Ich weiss auch selber, dass ich nicht wirklich selbstbewusst bin und das spielt sicher auch eine Rolle. Leute die mich rein optisch und oberflächlich kennen, würden nie im Leben denken, dass ich so unsicher bin (da ich – wirklich ohne arrogant wirken zu wollen – von vielen als sehr gutaussehend bezeichnet werde).

Und eben, solange ich unter meinen Freunden / Familie bin, verspüre ich dies nicht und bin ein komplett anderer Mensch (oder bessergesagt so, wie ich eigentlich auch bin und früher allgemein war.)

Hoffe ihr kommt nach, was / wie ich es meine? Ich will wieder meine alte „Art“ zurück.. Geht das überhaupt? Und wenn ja, wie schaffe ich dies? Sollte ich in eine Therapie oder zum Psychologen? (Denn ich habe echt ein paar Enttäuschungen und negative Erlebnisse in meinen jungen Leben mit mir am rumtragen, kann aber nicht direkt sagen, ob dies zusammenhängt.)

Vielen Dank für eure Zeit und Tipps.

Antwort
von Dahika, 6

Naja, ich denke, dass ein Teil des "Weniger Offen Werdens" auch mit dem Erwachsen-Werden zu tun hat. Je älter man wird, um so schwerer fällt es, "richtige" Freundschaften aufzubauen. Meist beläßt man es auch bei Bekanntschaften. Gute Freunde, wirkliche Freunde, hat man sowieso nur sehr wenige im Leben. Die kann man an einer Hand abzählen.

Und dass du in der Familie und unter alten Freunden ein anderer Mensch bist, ist völlig normal. Da bist du mit vertrauten Menschen zusammen.

Du solltest dich also hüten, ein normales Verhalten als nicht normal zu werten. Deine alte Art wirst du nicht mehr zurückbekommen, da du einfach älter geworden und um Lebenserfahrungen reicher bis. Du bist halt kein harmloses, unbedarftes Kind, Jugendliche, mehr.

Was deine Arbeit angeht: auch die Eingliederung in ein Team geht nicht so schnell. Die Kollegen sind vorsichtiger, du selbst bist es auch. Es wäre gut, wenn du dir Zeit erlauben würdest.
Das Gefühl, dass alle gegen dich sind, solltest du allerdings als das werten, was es ist: dein eigenes Gefühl. Diese "dumme Einbildung", wie du sie nennst, geht auch nicht unbedingt schnell weg. Aber es hilft sehr, wenn man sich sagt: wenn sich die Anderen komisch verhalten, bin ich das nicht, die das hervorruft. Hüte dich vor schnellen Unterstellungen!

Und wenn du dich traust, ist es hilfreich, auch mal zu fragen: Ist das so?

Antwort
von Empalogics, 2

Das Misstrauen kann natürlich mit der Vergangenheit zusammenhängen und dann eine gewisse Unsicherheit hervorrufen. Du sagst zum Beispiel, Du hast das Gefühl, dass andere über Dich reden.
Das Problem welches nun entsteht ist, dass man wenn man diesen Eindruck hat sein eigenes Verhalten verändert und dem anpasst. 

Die Energie folgt hier der Aufmerksamkeit. Du denkst Dir dann vielleicht: "Reden die über mich? Warum reden die über mich?" Dies hat dann eine Verhaltensänderung deinerseits zur Folge haben, welche dann dazu führen, dass man über Dich redet aufgrund dieser Veränderung obwohl man das vorher nicht getan hat.

Wie kannst Du dem entgegenwirken?

Stell Dir vor, dass jeder Mensch eine Art "Vertrauenskonto" bei Dir besitzt. Dieses verfügt zunächst einmal über ein Startkapital, welche sich Durch positive Handlungen Dir gegenüber erhöht und durch negative verringert.

So kannst Du Dein Gegenüber dauerhaft besser und neutraler einschätzen, was Dir wiederum mehr Sicherheit und Selbstvertrauen gibt. 

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfen und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem neu gewonnenen Selbstvertrauen :)

Antwort
von Glueckskeks01, 4

Wenn man enttäuscht wurde, dann ist man vorsichtiger. Das ist ja auch gut so. Wer will schon ständig enttäuscht werden, nur weil man zu gutgläubig ist. Mir ist es ähnlich ergangen. Inzwischen lasse ich mir sehr viel Zeit und lerne Menschen erst einmal in Ruhe kennen. Trotzdem habe ich damit keine Probleme. Man kann ja trotzdem kommunikativ sein. Es muss ja nicht immer das super private Gespräch werden. Gibt doch genug Smal-Talk-Themen. Sei doch einfach etwas entspannter und denk nicht über alles so viel nach, dann wird das schon von ganz allein. Und nein, du wirst dich sicher nicht wieder zurückverwandeln, weil du etwas dazugelernt und dich deshalb verändert hast.

Antwort
von MiriPsychadelia, 10

Mir geht's so wie dir. Leider heilen Wunden nicht. Du kannst  nur versuchen mehr selbstbewussts ein aufzubauen und die Menschen erstmal kennenlernen bevor du urteilSt. Du solltest auch nicht sofort vertrauen, denn das führt wieder dazu sofort verletzt zu werden. Dein misstrauen ist eine Schutzschicht

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