Frage von IsmailB, 30

Wie wurden die Ämter im Römischen Reich gewählt zu der Zeit?

Antwort
von MarkusKapunkt, 9

Von allen Vollbürgern mit dem Bürgerrecht, allerdings hatten nur Männer das Wahlrecht.

Die Kandidaten (das Wort Kandidat leiter sich übrigens von der toga candida her, der Weißen Toga, in welcher die Kandidaten auftraten) lieferten sich ähnlich wie Politiker heute einen kostspieligen Wahlkampf, in dem sie sich oft verschulden mussten. Da die Ämter nicht bezahlt wurden, also Ehrenämter waren, konnten sich nur die reichsten der Reichen eine politische Karriere überhaupt leisten. Jedes Amt hatte eine beschränkte Amtszeit von nur einem Jahr (Annuitätsprinzip).

Im alten Rom gab es eine Ämterlaufbahn (cursus honorum), die man als Politiker durchlaufen musste. Das erste Amt war das Amt des Quaestors (zuständig für Finanzverwaltung, auch und vor allem in den Provinzen), dann mit einem Jahr Pause konnte man Aedil werden (örtliche Verwaltung mit besonderen Aufgaben, wie zum Beispiel Wasserversorgung), wieder ein Jahr später Praetor (Richteramt, für Zivilprozesse zuständig) und als höchstes Amt erwartete einen zuletzt das Amt des Consul (Mächtigster Mann im Staat mit Vetorecht im Senat und vielen anderen Vollmachten). 

Ein altgedienter Praetor oder Consul erhielt nach seiner Amtszeit meist die Statthalterschaft über eine Provinz, wo er Steuern und Abgaben erheben durfte und die Gelegenheit hatte, sein Privatvermögen wieder zu sanieren. Manche Propraetoren un Prokonsule nutzten dies allerdings schamlos und zum großen Leidwesen ihrer Untergebenen aus, so dass es oft zu Anklagen gegen sie kam (Repetundenprozesse). Während einer Amtsausübung genoss der Amtsträger Immunität und konnte erst nach Ablauf der Amtszeit angeklagt werden.

Jeder Amtsträger hatte mindestens einen Amtskollegen, damit man seine Amt nicht ausnutzen konnte. Außerdem gab es für jedes Amt ein Mindestalter.

Wie gesagt war die politische Karriere sehr teuer. Die Kandidaten richteten teure Arenakämpfe oder Wagenrennnen aus, verteilten Geschenke und versuchten so, sich die Gunst der Wähler zu sichern (oder besser gesagt sie sich zu erschleichen).

Besondere Ämter außerhalb des cursus honorum waren noch das Amt des Volkstribuns, das in der Zeit der Republik allerdings mal mit mehr, mal mit weniger Macht verbunden war, und das des Censors, meist ein altgedienter Konsul, der eine Art Aufseherfunktion hatte.

Ich hoffe, ich konnte dir einen kurzen Überblick verschaffen.

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