Frage von Mirallas, 47

Wie wurde Hitler in der Nachkriegszeit betrachtet?

Halli Hallo,

Für einen Aufsatz muss ich mich mit der oben genannten Frage beschäftigen, wie die Person A. Hitler in der Nachkriegszeit sowohl in BRD/DDR als auch generell in den beiden Blöcken betrachtet und behandelt wurde. Ein wenig Input/Anregung wäre supi!

Danke Leute

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Haldor, 21

Ich bin in der BRD groß geworden, kann also nur aus der Sicht eines BRD-Menschen urteilen. Die Erwachsenen, die den furchtbaren Krieg mitgemacht haben, hatten nur das Bedürfnis, die Ereignisse der Hitler-Zeit zu verdrängen. Das aufkommende Wirtschaftswunder, die „Fress- und Reisewelle“ der Fünfziger Jahre, ermöglichten es ihnen, ins Vergessen einzutauchen. Soweit von den Verbrechen der Nazis die Rede war, äußerten die meisten Unverständnis, oder sie glaubten nicht daran, dass so etwas Furchtbares geschehen ist. Viele versuchten mit Juden- und Hitlerwitzen das Grauen „wegzulachen“. Manche auch sagten: „Wenn das der Führer gewusst hätte, hätte er.....“ usw.
Viele sahen in den Eroberungszügen der Hitler-Truppen auch etwas Heroisches: Immerhin standen „wir“ vor Moskau, am Polarmeer, in Afrika, auf dem Balkan, im Kaukasus; wir hatten Frankreich besiegt... Verloren hatten wir nur, weil die Amerikaner ihr ungeheures Material „über den Teich“ gebracht hatten; dem waren unsere tapferen Soldaten nicht mehr gewachsen..... u.a.m. -

Ich als Jugendlicher hielt zunächst die Verbrechen der Nazis für Gräuelpropaganda der Siegermächte (wie im 1. Weltkrieg die Mär von den abgehackten Kinderhänden). Ich konnte mir als naiver Jugendlicher einfach nicht vorstellen, dass Menschen zu solch ungeheuren Verbrechen überhaupt fähig sind. Der Mensch hat eine Seele – sagte ich mir – er ist nicht nur rein Tier, das gegenüber schwächeren Kreaturen, den Beutetieren, erbarmungs- und mitleidlos handelt. Mitleid und Erbarmen sind doch spezifisch menschliche Eigenschaften. Wie kann da ein „Führer“ den Befehl geben, Millionen Menschen in die Gaskammern und Verbrennungsöfen zu schicken?

So dachte ich – damals. Als ich dann Geschichte studierte, musste ich mich eines Besseren belehren lassen.

Kommentar von Mirallas ,

Sehr interessanter Einblick, definitiv hilfreich, danke!

Antwort
von komplex, 16

Unseres Erachtens geht es es eher darum wie Deutschland insgesamtin der Nachkriegszeit gesehen wurde - immerhin waren über 8 Millionen Deutsche Mitglieder in Hitlers NSDAP gewesen.

Im Potsdamer Abkommen von 1945 beschlossen die Alliierten (Westmächte) die sogenannte "Entnazifizierung". Januar 1946 trat eine erste "Entnazifizierungsdirektive" in Kraft, wonach Hitleranhänger in 4 Kategorien (Hauptschuldige, Belastete, Minderbelastete und Mitläufer)eingeteilt und der Prozess gemacht wurde.

In der sowjetisch besetzten Zone (späteren DDR) wurde nach Meinung der dort politisch Verantwortlichen die Entnazifizierung konsequenter durchgeführt. So wurden im Oktober 1946 dort eigene Richtlinien zur Bestrafung der „Naziverbrecher“ entwickelt.

Das spätere DDR-Regime sah sich als sozialistischen und antifaschistischen Staat. Die Bunderepublik Deutschland wurde von der DDR-Führung weiterhin als faschistisches System mit unbewältigter Vergangenheit eingestuft. Die damaligen Staatsoberhäupter der Bundesrepublik Deutschland hingegen verglichen die Einheitspartei der DDR ("SED") mit der NS-Diktatur.

Ein Phänomen des sich später etablierenden "Kalten Krieges" - einer militärischen Ost-West-Blockbildung unter der Führung der damaligen Sowjetunion und der USA.

Mehr zur "Entnazifizierung" und zum "Kalten Krieg" auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung.

Kommentar von Mirallas ,

Über das Schicksal Deutschlands als Staat nach '45 weiß ich schon genug, nur geht es in dem Aufsatz speziell um die Person Adolf Hitlers und die Auseinandersetzung mit ihr nach dem Krieg. Trotzdem danke!

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