Frage von 98rubi, 40

Wie wurde dieses Cover so gut abgemischt?

Hallo, wie bereits oben beschrieben, wundere ich mich, wie bei diesem Lied hier: https://www.youtube.com/watch?v=vlZ9kjCrGJw

Die Stimme so gut abgemischt ist. Es klingt richtig klar und kräftig, ich weiß nicht, wie ich es sonst ausdrücken soll. Das an manchen Stellen Autotune verwendet wurde, sei mal dahergestellt. Wäre nett, wenn mir jemand die im Video verwendeten Komponente nennen könnte und eventuell auch einige Tipps & Tricks, wie ich so eine Qualität zustande bringe.

LG Ruben

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von WalterLutz, 15

Offensichtlich ist da Profi-Equipment im Einsatz! Was man mit den zwei Mikrofonen (ein Kleinmembran-Kondensator-Mikrofon mit Einsprache von der Seite und ein Großmembran-Kondensatormikrofon) bezweckt, ist mir nicht ganz klar. Evtl. ist eine Art Stereoeffekt beabsichtigt. Aber wesentlich sind die nicht sichtbaren Mikrofonvorverstärker, wobei es sich nach der Kurvenform des Signals um Röhrenvorverstärker handelt, oder gar um FET-Vorverstärker, die aber immer noch unbezahlbar sind. Nur so ist eine saubere Signalform erreichbar. Möglicherweise ist ein Röhrenbegrenzer mit im Spiel. Ein leichter Hall scheint mir das einzige zu sein, was angewendet wurde.

Digitalmixer sind im Studio nur bedingt anwendbar. Die Signalverzögerung ist oft störend, wenn ein Playback oder nur das eigene Signal des Sängers ins Studio eingespielt wird. Analoge Mixer mit digitaler Steuerung sind zu bevorzugen.

Woran erkennt man Wort- oder Gesangsaufnahmen, die nicht mit Röhren-Mikrofon-Vorverstärkern aufgenommen wurden? Ganz einfach: Die Kurvenform ist nicht symmetrisch! Warum? Bipolartransistoren - ob diskret aufgebaut oder innerhalb eines ICs - haben eine interne Signallaufzeit, die zwar nur pro Transistor einige Pikosekunden beträgt, aber wegen mehrerer Stufen des Verstärkers sich schon mal zu Mikrosekunden vervielfachen kann. Da heutige "moderne" Verstärker eine hohe Leerlaufverstärkung haben und die Gegenkopplung (GK) "über alles" die Betriebsdaten des Verstärkers bestimmen, kommt es zu unangenehmen Transientenverzerrungen (nichtlineare Verzerrungen). Da die Gegenkopplung wegen der internen Laufzeit zu spät einsetzt, wird eine erste scharfe Signalflanke mit der Leerlaufverstärkung verstärkt, weil die GK noch nichts von dem Signal weiß! Dadurch wird das - ohne GK - zu starke Signal spätestens in der dritten oder vierten Verstärkerstufe hart begrenzt durch die endliche Betriebsspannung. Dieses verzerrte Signal erreicht wenige Piko- oder Millisekunden später den Verstärkerausgang, wo die GK nun merkt, dass das Signal viel zu groß ist und das Signal am Eingang "duckt". Dadurch wird es zu klein, ein Momentchen später ist das zu kleine Signal wieder am Ausgang und die GK wird zurückgenommen. Das Ganze passiert so schnell, dass es einem kurzzeitigen Breitbandrauschen ähnelt, das ich nach scharfen Signalflanken nachweisen konnte.
Bei den übersteuerten Verstärkerstufen werden zudem die Transistoren in die Sättigung gefahren. Dadurch verlängert sich die Erholzeit um Zehnerpotenzen!
"Der analoge Klang!?!" Es näselt, klingt verzerrt, gequetscht, als ob man den Sprechern den Hals zudreht usw. Und das hat mit der Aufnahmetechnik garnichts zu tun! Ob ich das auf Tonband oder digital aufzeichne, ob das Signal im Mischpult analog oder digtal verarbeitet wird, spielt keine Rolle mehr.

Auschließlich der Mikrofonvorverstärker muß gut sein (siehe oben), also symmetrische Wellenformen, die nur die Röhre oder der FET bieten. Was ab dem Linepegel passiert, ist nicht mehr kritisch.


Expertenantwort
von Monster1965, Community-Experte für Mikrofon, 32

Wie so eine Qualität zustande kommt? Da sitzen gelernte Leute viele Stunden dran mit extrem teurer Technik. Das ist nichts, was man mal eben in einem Video oder einem Forum mit ein paar Tipps erreichen kann. Das ist nicht ohne Grund eine Ausbildung, bzw. ein Studium.

Kommentar von 98rubi ,

Das dachte ich mir schon, aber es wäre eben nicht schlecht, wenn man das ganze "Semiprofesionell" Zuhause machen könnte :)

Aber trotzdem danke.

Kommentar von Monster1965 ,

Natürlich kann man auch semiprof. was zuhause machen. Wird halt nicht so gut. Kann da auch gerne helfen, was zusammen zu suchen.

Antwort
von nutsnbolts, 40

Das ist gar nicht schwer und heutzutage auch gar nicht mehr so teuer.

Dazu brauchst Du ein gutes Mikrofon wie z. B. das Rode NT1-A, einen Digitalmixer wie z. B. das Behringer X32 Rack mit Phantomspannung, Compresser, Reverb, Cross Delay etc. und für den Autotune Effekt einen Voice Processor wie den hier...

http://www.thomann.de/de/tchelicon_voicelive_touch_2.htm?gclid=CKrj5a7ZnckCFcFuG...

Der Rest ist Übungssache.

Kommentar von 98rubi ,

Vielen dank, ist ja dann doch einiges :D
Wollte demnächst auch anfangen Cover auf YouTube zu stelle, deshalb frage ich :)

Kommentar von nutsnbolts ,

Beim Mikro und dem Voiceprocessor würde ich nicht sparen. Aber Du kannst ja erst mal mit einem kleinen Analog-Mischpult anfangen wie z. B. dem hier...

http://www.thomann.de/de/behringer_xenyx_x1204_usb.htm

Dann erzeugst Du einen der beiden Effekte (Reverb oder Delay) mit dem Voicelive Touch und den anderen Effekt mit dem Mischpult.

P.S.:
Wenn Du die Teile gebraucht kaufst (z. B. bei Ebay), kannst Du auch einiges sparen. Aber bitte dann nur per Paypal bezahlen, damit Du geschützt bist, wenn man versucht, Dir "Müll" anzudrehen.

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