Frage von seniorix, 20

Wie wurde die Aufteilung des asiatischen Teils des osmanischen Reiches (1920/1923) völkerrechtlich begründet?

In dem geheimen Abkommen über Konstantinopel und die Meerengen (1915) und dem Sykes-Picot-Abkommen (1916) wurden die noch nicht eroberten Gebiete schon aufgeteilt. Durch den Vertrag von Sèvres vom 10. August 1920 und den Vertrag von Lausanne vom 24. Juli 1923 verlor das Osmanische Reich alle Rechte und alle staatliche Souveränität an diesen Territorien.

Ging es eigentlich nur um die wirtschaftlichen und kolonialen Interessen der „Großmächte“, die eine willkürliche Teilung ermöglichte?

Oder wurden auch die Interessen der Bevölkerung demokratisch unterstützt? Könnte diese Zerschlagung nach heutigem Völkerrecht auch noch passieren?

Ich freue mich besonders über Quellen, die die Aussagen belegen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jurasuppe, 20

Hi seniorix,

ich kann zwar nur zur dritten Frage Stellung beziehen, aber vielleicht ist das ein Anfang.

Nach dem heutigen Völkerrecht könnte eine solche Zerschlagung nicht mehr geschehen. Das hat vielschichtige Gründe:

Zum einen gibt es heute allgemein kein "Recht zum Krieg", es bedarf einer besonderen Rechtfertigung (Art. 51 UN-Ch). Das Gewaltverbot ein ein Grundprinzip des Völkerrechts welches in Art. 2 Nr. 4 UN-Ch niedergelegt ist. Der UN, insb. dem Sicherheitsrat ist die Aufgabe anvertraut über den Weltfrieden zu wachen und diesen bewahren bzw. wiederherzustellen. Natürlich sind auch andere Prinzipien hierfür relevant, die hiermit eng verbunden sind, so etwa das Prinzip der Souveränen Gleichheit von Staaten.

Das trifft allerdings die Frage eigentlich noch nicht umfassend, denn hier geht es eigentlich um Krieg und Annexion als Erwerbstitel (legale Methode des Gebeitserwerbs). Das war in der Vergangenheit möglich. 1890 wurde von der ersten panamerikanischen Konferenz die Annexion als Erwerbstitel verworfen.

Näher dazu Herdegen Völkerrecht, Entwicklingslinien des VR und Staatensukzession.

Aber auch Wikipedia verleiht einen Überblick  unter Annexion; völkerrechtliches Verbot von Annexion.

Das ist nun natürlich keine erschöpfende Antwort. Aber vertiefende Fragen können mit dem Ansatz evtl. beantwortet werden. Solche Fragen gehören eigentlich dem juristischen Schwerpunktstudium an, ich halte sie für eine reguläre Hausaufgabe für ziemlich überzogen.

Viele Grüße, JS

Antwort
von wfwbinder, 12

Das Osmanische Reich hatte große Ausmaße (die gesamte arabische Halbinsel, Palästina) und viele Völker.

Die Briten und Franzosen hatten Interessen in der Gegend (Öl, Suezkanal). Die Aufteilung erfolgte dann rein willkürlich, wie man an den zum Teil mit dem Lineal gezogenen Grenzen sehen kann.

Dabei wurden z.B. Stammesgrenzen, oder auch die FRage Sunniten/Schiiten leider völlig ausßer Acht gelassen, was eine Reihe von Konflikten vorprogrammierte.

Wenn die Aufteilung nicht nach den Interessen der FRanzosen und Briten erfolgt wäre, sondern nach denen der betroffenen Bevölkerung, wäre eine Rechtfertigung gegeben gewesen.

Antwort
von phalangit, 15

Keine Kolonialmacht hat Gebiete erobert und dabei auf die Interessen der Gebiete geachtet Britisch empire wollte einen landweg nach Indien und die ölquellen in Südirak und Frankreich den Erdöl im Nordirak und einen landzugang dafür also Syrien

Antwort
von robi187, 10

Osmanische Reich hatte auch nur kolonialen Interessen?

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