Frage von GeneralCroatia, 17

Wie würdet ihr die Lehren des Machiavelli mit jenen von Nietzsche vergleichen?

Anscheinend soll Friedrich Nietzsche ein Bewunderer Niccolò machiavellis gewssn sein. Welchen Einfluss hatte Machiavelli auf die Schriften von Nietzsche?

Vielen Dank Der General

Antwort
von berkersheim, 6

„Gerade zu Beginn der Neuzeit ist Machiavelli einer der ersten, der begreift, dass die Todesstunde für ein transzendentes Weltverständnis zur Legitimierung des Machtanspruchs (Macht durch Gott gegeben) bereits geschlagen hat. (Bei Nietzsche: Gott ist tot) In einer solchen Welt muss sich Macht behaupten und zwar ohne Hilfe durch eine höhere Gewalt und gegen die stets volatilen Einzelinteressen der Beteiligten. Der Fürst ist nun der Vielzahl an Perspektiven ausgesetzt und muss den Blicken des Publikums standhalten. Für diese Zwecke muss sich der Herrscher der Ästhetik der Macht bedienen. Der damit inszenierte Schein wird zur Grundlage jeder realistischen Politik.

Friedrich Nietzsche greift gute 350 Jahre später einige Aspekte des Florentiners auf und entwickelt sie in seiner Theorie vom Übermenschen weiter. Freilich: ihm geht es weniger um das Wissen um die Macht als vielmehr um den oft zitierten Willen zur Macht, der gewissermaßen als tief greifender Instinkt dem Menschen inne wohnt.“

Aus www.robert-bauer.eu/machiavelli.php (Text in Klammern von mir)

Ein Satz aus „Der Fürst“ – zitiert in Wikipedia „Machiavelli“ sticht ins Auge, in dem Machiavelli unbedingt einzuhaltende Regeln eines erfolgreichen Fürsten notiert:

„Du sollst dich nicht an den Gütern deiner Untertanen gütlich tun; du sollst dich nicht an ihren Frauen vergreifen; du sollst nicht einfach aus Spaß töten.“

Drehen wir die Empfehlung mal um als Beschreibung der Verhältnisse seiner Zeit, z.B. eines Zeitgenossen Cesare Borgia: Sie haben sich an den Gütern der Untertanen vergriffen, sich über deren Frauen und Töchter hergemacht und teils einfach aus Spaß getötet. Wer „Der Fürst“ liest sollte also immer vor Augen haben, in welchen Verhältnissen das geschrieben wurde und dass Machiavelli nahe genug an den Mächtigen seiner Zeit war, das alles aus nächster Nähe zu beobachten.

Für Nietzsche ist Machiavellis unverstellter Blick lehrreich, dass Macht immer von Menschen gewollt ist und nicht einfach so aus dem Nichts kommt. Anders als die Kirchen verkünden, kommt sie auch nicht aus dem Himmel, dafür ist sie viel zu schmutzig. Wer Welt verändern will, muss sich auf das Spiel der Macht einlassen und Machiavellis Forderung an einen „guten Fürsten“ ist schon „hohe Moral“, die nicht mal ein Herr Goethe in Weimar eingehalten hat, wenn er mit seinem Grafen hinter den Bauernmädchen her war.

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