Wie würde nach Kants kategorischen Imperativ diese Entscheidung ausfallen und was wäre nach ihm richtig?

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3 Antworten

Ich fürchte, dass der kategorische Imperativ sich nicht zur Lösung dieses Problems eignet.

In Volkssprache kann man in banalisieren zum Spruch: "Was du nicht willst, was man dir tu', das füg auch keinem andern zu."

Wenn du von der Polizei festgenommen worden wärest, würdest du dann gerne gefoltert werden? Nein, natürlich nicht. Also sollte man als Polizist auch keinen anderen Menschen foltern.

Foltern wird allgemein als unethisch und als ungeeignete Methode zur Erlangung ermittlungstechnischer Erkenntnisse angesehen.

Eine andere Umschreibung des kategorischen Imperativs lautet: Handle stets so, dass deine Handlungsweise Grundlage einer allgemeinen Maxime für alle Menschen sein könnte. Also stell dir vor, was passieren würde, wenn sich alle Leute so verhalten würden wie du. Denk nicht, "das macht ja nichts aus, wenn nur ich so handele, das bisschen Schaden fällt gar nicht auf".

Wenn also die Folterung des Terroristen in Ordnung wäre, würde gemäß dem kategorischen Imperativ folgen, dass Foltern auch ganz allgemein in Ordnung wäre. Das kann natürlich nicht sein.

Das moralische Dilemma bleibt aber dennoch erhalten. Die Frage ist hier:

Darf ich einem Menschen, der höchstwahrscheinlich oder ganz sicher ein schlimmer Bösewicht ist, ein wenig Schaden oder Schmerzen zufügen, um damit das Leben von ganz vielen unschuldigen Menschen zu retten?

Ein so gelagertes Dilemma (aber nur mit einem Opfer) gab es im Entführungsfall Jakob von Metzler:

https://de.wikipedia.org/wiki/Daschner-Prozess

Wenn es aber einmal einreißt, dass Foltern im Falle von schlimmen Verbrechern und Terroristen OK sei, dann bekommen wir solche Verhältnisse wie in Guantanamo oder unter diversen Diktatoren, die ihre sämtlichen Gegner einfach als Terroristen abstempeln.

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Kommentar von user87231
27.11.2016, 03:37

Dank dir für die informative Antwort 

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Ich stimme Paguangare zu - und habe selbst einmal nachgeschaut; dabei habe ich in dem sehr guten Wikipedia-Artikel eine gute Definition und 8 (acht!) verschiedene, teils sehr ähnliche kategorische Imperative Kants gefunden:

Der Kategorische Imperativ "gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen und damit allen Menschen, ihre Handlungen darauf zu prüfen, ob sie einer für alle, jederzeit und ohne Ausnahme geltenden Maxime folgen und ob dabei das Recht aller betroffenen Menschen, auch als Selbstzweck, also nicht als bloßes Mittel zu einem anderen Zweck behandelt zu werden, berücksichtigt wird."

    „Handle nach der Maxime, die sich selbst zugleich zum allgemeinen Gesetze machen kann.“ AA IV, 436
    „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ AA V, 30„
    [Handle so], dass der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.“ AA IV, 434
    „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“  AA IV, 429
    „Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, dass jedes derselben sich selbst und alle andere niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle.“ AA IV, 433
    „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte.“ AA IV, 421
    „Handle nach Maximen, die sich selbst zugleich als allgemeine Naturgesetze zum Gegenstande haben können.“ AA IV, 437

„AA“ = Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff

Hiernach (vor allem Nummer 5) ist die Entscheidung klar: Nicht folltern.

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Da der Kantsche Imperativ nur fordert, dass alle gleich behandelt werde (mit dir als Referenzpunkt) lässt sich die Frage nicht beantworten, solange man nicht weiß, was du akzeptierst.

Halte dich hier besser an den Utilitarismus. Der prinzipielle Utilitarismus (ohne weitere Überlgungen zur Verbesserung und Pragmatisierung des ziemlich radikalen Systems) würde eine Folterung verlangen, denn was wiegt schon der Schmerz einer Einzelnen Person gegenüber dem leid das durch einen Anschlag verursacht wird?

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