Wie würde Anarchie in echt aussehen?

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9 Antworten

Eine anarchische bzw. akephale Gesellschaft muss sich, glaube ich, aus kleinen Zellen heraus entwickeln. Man kann nicht einfach großflächig denen, die Machtmissbrauch und Ausbeutung gewohnt sind, ihre Herrscher bzw. Gewaltmonopole wegnehmen und hoffen, dass dann keine neue Gewalt und Machtmissbrauch entsteht.

Um anarchisch, also herrschaftsfrei, zu leben, bedarf es einer Menge Grundvoraussetzungen. Vor allem gute Beziehungen zu seinen Mitmenschen, die von Vertrauen geprägt sind. In der jetzigen Gesellschaft, wo das Vertrauen noch ziemlich unterrepräsentiert ist, würde kaum jemand auf den Schutz durch den Staat verzichten wollen.

Zudem müsste die Mehrzahl der Menschen bereits verstanden haben, dass es sich lohnt, respektvoll und sorgsam mit sich, seinen Mitmenschen und seiner restlichen Umwelt umzugehen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie die Landschaft aussehen würde, wenn es hier keine Natur- und Artenschutzschutzgesetze gäbe, deren Einhaltung durch staatliche Instrumente kontrolliert würde.

Deswegen werden es wohl vorerst immer nur kleine Zellen bleiben, die ein herrschaftsfreies Leben leben wollen und können. Vielleicht schaffen das noch größere Dörfer. Aber ich kann mir noch nicht vorstellen, dass das in größeren Städten oder gar auf Länder- oder Bundesebene funktionieren würde.

Dazu sind die Menschen hier viel zu kaputt (psychisch geschädigt) und an den falschen Dingen interessiert, als dass sie sich auf diese Freiheit und Verantwortung einlassen könnten/ wöllten. Aber wer weiß, wo wir noch hingelangen können...ich denke da ist viel Potenzial.

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Es gibt ja immer einen Grund, daß so etwas beginnt:

Wenn das System zusammenbrechen würde, dann würde z.B. der Staat seine Aufgaben nicht mehr erfüllen können. 

Also alle, die auf Staatskosten wohnen und leben würden beispielsweise kein Geld mehr bekommen. also entweder verhungern oder sich selbst was besorgen. Denkst du, das geschieht friedlich oder durch Diebstahl?

Würde sich der Bestohlene das dann friedlich gefallen lassen,? - ist ja nur einer, der seine Lebensmittel mitnimmt, ohne zu zahlen, dann 2, 4,8,16,32, und so weiter? Wie lange, bis er sich mit einem Knüppel bewaffnet?

Was würden die Menschen machen, wenn es kein Geld mehr aus dem Automaten gibt - und nicht nur für drei Tage wie in Griechenland, sondern länger? Dort haben die Geschäfte keine EC oder Kreditkarten mehr angenommen, die wollten plötzlich Bares.

Was macht nun der, der kein "Bares" hat - verhungern oder stehlen? - Wie soll er sein Auto auftanken? - Wird derjenige, von dem er Sprit abzapft das  ganz friedlich hinnhehmen , ist ja nur einer, 2,4,8,16 und so weiter..?

Auch der Arbeitslohn könnten nichtmehr ausgezahlt werden, würden die Leute dann noch in die Arbeit ehen, wenn Sie danach nicht an Ihr Geld kommen? - welche Arbeitgeber könnten auf "Lohntüte" und "Cash" umsteigen? wie lange gibt es dann noch Strom oder  Wasser, wenn die Arbeiter nicht mehr zur Arbeit kommen in den Stromwerken, wasserwerken

Und so weiter - Was Ich damit aufzeigen will ist, daß auch ganz normale Leute plötzlich vor die Entscheidung gestellt sind, sich unsozial zu verhalten - was,  wenn das teure Medikament für die totkranke Tochter bei der Apotheke nicht herausgegeben wird, weil man kein Bargeld hat? Was wird der brave Vater machen? betteln? .schimpfen? - oder kommt er irgendwann mit einem Messer  zurück, wenn seine Tochter kein insulin mehr hat und sterben wird?

In den Städten besonders schlimm, auf dem Land ist die Bevölkerungsdichte geringer und es gibts noch die "Selbstversorger" - also welche, die selbst Hühner und Schweine haben, damit  Eier und Fleisch, selbst gebackenes Brot. Das können sie untereinander tauschen oder an Dritte gegen Tauschware abgeben. Da entstehen dann Nebenwährungen, also z.b. Zigaretten, oder Silbermünzen, also Dinge, die immer einen Wert haben werden.

Das Chaos entsteht von selbst, dazu braucht es gar keine "bösen" Menschen und das hält auch keiner auf, am wenigsten die paar Polizisten. Polizisten haben Waffen und sind damit für Verweifelte interessant, denn mit deren Waffen kann man viel mehr ausrichten als mit einem Knüppel oder einem Messer...


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Kommentar von Imago8
04.05.2016, 11:54

Dein Szenario verabschaulicht gut, dass man ein auf Herrschaftsverhältnisse aufgebautes System nicht einfach so von jetzt auf gleich anarchisch organisieren kann. Natürlich würde das in Chaos münden. Wenn, dann müssen herrschaftsfreie Verhältnisse nach und nach aufgebaut werden. Die Menschen müssen ja auch die Chance haben, zu verstehen, wozu das gut sein soll, und was sie für einen Vorteil haben, wenn sie sich nicht mehr beherrschen, ausbeuten und sich Gewalt antun lassen.

Dummerweise werden solche Vorstellungen immer als erstes mit dem Wort Anarchie verknüpft und der Faden garnicht weitergesponnen. Dabei liegt meines Erachtens sehr viel Potenzial im Denken und Ersinnen von herrschaftsfreien Lebensmodellen bzw. weniger ausbeuterischen und gewaltreichen Systemen.

Die Dimensionen und Möglichkeiten, die darin liegen, sieht kaum einer. Zu fremd ist die Idee den Meisten und zu angstbesetzt die Vorstellungen, die sich fast automatisch einstellen, sobald man das Wort "Anarchie" hört. Wenn nicht Chaos, Blut und Gewalt, dann mindestens stinkende Dreckspunks...auf jeden Fall nichts gutes...

Aber dass es anarchische Gesellschaften gab und immernoch gibt, weiß kaum einer. Dabei braucht man nur mal schauen, was allein schon bei Wikipedia über Anarchie steht...

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Stell dir vor, der Yellowstone Supervulkan bricht aus und wirft so viel Asche in die Atmosphäre, so dass kein Sonnenlicht mehr auf der Erde ankommt. Von diesem Moment an ist Landwirtschaft auf dem Feld nicht mehr möglich. Das heißt wiederum, dass alle Geschäfte noch am gleichen Tag ausverkauft sind und von von da an beginnt das Hauen und Stechen. Polizisten brauchen auch etwas zu essen und sie werden wohl kaum für Ordnung sorgen, wenn sie dadurch selbst nichts abbekommen. Einige werden ihre Waffe einsetzen um den anderen Leuten zuvor zu kommen. Jeder ist sich selbst der Nächste und das für die nächsten zehn Jahre. Wie überlebt man 10 Jahre in Kälte und Dunkelheit? Wohl kaum indem man immer schön friedlich ist. 

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Es wäre nicht friedlich. Wenn du ohne Strafe deinen Nachbarn erschlagen kannst der dir seit 10 Jahren auf den Nerv geht. Wenn du im Supermarkt einfach alles mitnimmst ohne bestraft zu werden. Wenn es kein Problem ist mal alle Autos der Straße einzuschlagen.

Es gäbe auch kein Geld weil sich niemand auf den Wert von Papierscheinen festlegt. Und damit würden auch die meisten Berufe wegfallen.

Wie Anarchie aussieht kannst du wunderbar in Kriegsgebieten und 3. Welt Ländern in einigen Bereichen sehen.

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Wie das in Deutschland aussehen würde? Wenn Dich das wirklich interessiert, kannst du mal aus Jux die Parteiwerbevideos der APPD angucken. Das ist sowas von unrealistisch. Das Problem ist ja, dass Anarchie als Staatsform nicht funktionieren kann. Anarchie lehnt sich ja gegen bestehende Staatssysteme auf. Wir reden jetzt nicht zwingend von autonomen Gruppen, die quasi autark und unabhängig leben wollen. Die sind ja friedlich. Aber die Punk Kultur in Deutschland ist ja leider nicht wie in anderen Ländern in erster Linie bezogen auf Musik und Mode, sondern auf den Zecken-Lifestyle. Das ist also das anarchische Leben in Deutschland. Aber das funktioniert nur, weil Anarchie eben nicht Staatsform ist. Das ist jetzt übrigens nicht die ultimative Wahrheit, sondern nur meine persönliche Meinung.

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Anarchie wäre,wenn z.B. die Königin von Holland ohne andere Minister arbeiten würde ,also in der Politik .

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Kommentar von Vekokxx
04.05.2016, 07:46

Ehm ich glaub das wäre Monarchie ^^

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Anarchie hat mit dem von Dir beschriebenen Zustand nichts gemein, was Du meinst ist Anomie. Anarchie beschreibt nur das fehlen einer Führung von oben.


Quelle zum Nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchie

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Kommentar von FragaAntworta
04.05.2016, 08:23

Egal was einige hier meinen, und dabei die Begriffe verwechseln, zu denen sage ich, frei nach Immanuel Kant Anarchie ist als „Gesetz und Freiheit ohne Gewalt“ zu definieren!

Man sollte nicht denken, dass ein Staat in einer aufgeklärten Welt unbedingt Kanzler und Regierung braucht, aber eine Regierung nur mit Volk funktioniert, dass sich alles gefallen lässt.

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Eine komplette Anarchie kann es nicht geben, da selbst in einer Welt ohne Regeln gewisse Regeln herrschen müssen. Allein schon deshalb, da nur so ein friedliches zusammenleben gewährleistet werden kann.

In einem Anarchischen Deutschland würde Selbstjustiz an der Tagesordnung stehen. 

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Kommentar von Imago8
04.05.2016, 11:35

Anarchie heißt übrigens nicht "ohne Regeln", sondern "ohne Herrschaft".

Regeln und Normen sind immer wichtig. Der Unterschied liegt im Umgang mit Regelbrechern...

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Erst einmal: Anarchie bezeichnet eine einen Zustand, in dem es keine Herrschaft gibt. Da würden dann z.B. Hippies dazugehören, die autonom in einem Wald leben und jeder macht was er will (wobei auch hier keine vollständige Anarchie erreicht ist). 

Wenn du ein Land nimmst und die Regierung abschaffst, bilden sich in kürzester Zeit andere Institutionen, die herrschen, etwa Banden. Wie genau das aussieht, hängt von den Umständen ab. Wenn sich zwei Supermächte bekriegt haben und nur wenige Menschen überlebt haben sähe es anders aus, als bei einer Zombieakokalypse.

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