Frage von valvernakes, 18

Wie wirkt sich Industrie 4.0 auf das deutsche Sozialsystem aus?

Wie wirkt sich Industrie 4.0 auf das deutsche Sozialsystem aus?

Antwort
von suziesext10, 10

ich denke, es wirkt sich nicht primär aufs Sozialssystem aus, sondern auf den traditionellen sozialen Zusammenhalt: es wird ja nicht das Privatkapital in Frage gestellt, sondern alle Produktionsfaktoren gleichwertig aufeinander bezogen und optimiert vernetzt, wobei der Mensch eben dann auch nur noch einer von mehreren Produktionsfaktoren ist: das kommt dem Traum des Kapitalisten sehr entgegen: der Traum von der Rundumverfügbarkeit des verwertbaren+ ausbeutbaren Menschenmaterials, Individuen ohne Privatleben, ohne soziale Beziehungen, heuern und feuern. Also werden sich auch die Arbeitsbedingungen drastisch verschlechtern, ungefähr so wie in Callcentern, jeder gegen jeden, keinerlei Interessenvertretung der Mitarbeiter, während die Unternehmer auf der Gegenseite sehr wohl und immer effektiver organisiert sind.

Industrie 4.0 in der Hand dieser Asozial-Romantiker Merkel/Gabriel ist Klassenkampf von oben pur, während sie uns synchron zusätzlich ein neues Lumpenproletariat, eine bildungsferne industrielle Reservearmee in Millionenstärke ins Land importieren.

Kommentar von suziesext10 ,

das beinhaltet auch die völlig unproblematische Austauschbarkeit etwa der Sachbearbeiter in Behörden. Früher hatte zb der Arbeitsvermittler nen Karteikasten und einen Stamm von Arbeitslosen, die er persönlich kannte, beriet und vermittelte. Jetzt sind Sachbearbeiter bloß noch Dienstboten des PCnetzes, die niemanden beraten können nach Einzelfall, sondern einfach bloß ihre Softwareformulare ausfüllen. Das ist natürlich Absicht.

Kommentar von HansH41 ,

Eines deiner Worte beschreibt es perfekt: der Mensch wird zum Material. Er wird so behandelt wie ein Arbeitsgerät.

Den Befürwortern dieser Arbeitswelt ist entgangen, dass der soziale Frieden in Deutschland darauf beruhte, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer ein Gespann bildeten, sich gegenseitig förderten. Speziell in mittelständischen Betrieben war man eine Familie.

Das braucht es anscheinend nicht mehr. Schade.

Kommentar von suziesext10 ,

ja, ist schon eigenartig. Die eine Seite ist hoch optimiert organisiert global mit ihren Interessen, in Wirtschaft und Politik, und die andere Seite ist atomisiert.

Mein Opa hat mir erzählt, wie früher Kommunisten, Sozi und Gewerkschafter konkret agiert hatten. Das ist wie Märchenstunde. Jetzt haben die Arbeitsmenschen nüscht mehr, keine politische Partei, keine Gewerkschaft, keine Zeitung, alles nur korrupte Gaunerbanden. Die systemkritischen Fragen, die früher die Linken gestellt hatten, nach Springerpresse und so und nach der Hochfinanz, da mußte in ne Veranstaltung der AfD gehn, um mal was kritisches zu hören, oder hörste ne Rede von Sahra Wagenknecht, und siehste dann, dass ihre eigenen Parteigenossen, wenn sie mal ne gute Idee spricht, ihr ne ALDI Torte ins Gesichte schmeissen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community