Frage von cbecks, 93

Wie wird Tötungsabsicht an einer bereits verstorbenen Person gewertet?

Eine Crime-Sendung brachte mich auf folgenden fiktiven Fall: Person A und Person B sind verheiratet. Es läuft nicht gut. A schläft im Ehebett, B auf der Couch. A findet zudem heraus, dass B eine Affäre hat. A beschließt aus Rache B zu ermorden. Eines Nachts greift A zu einem Messer, schleicht sich an die Couch und rammt B das Messer ins Herz. Bei der Autopsie stellt sich heraus, dass B kurz vor der Messerattacke im Schlaf eines natürlichen Todes erlegen ist. Welcher Straftat hat sich A nun schuldig gemacht?

Bin gespannt auf die Antworten.

Antwort
von whabifan, 44

Das ist ein sogenannter "Untauglicher Versuch". Der Untagliche Versuch ist beispielsweise wenn man jemanden vergiften will mit Pillen von denen man fälschlicherweise davon ausgeht dass sie die Person töten, aber in Wirklichkeit vollkommen harmlos sind. Oder eben dieser Fall. 

A hätte sich in diesem Fall dem versuchten Mord strafbar gemacht. 

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 22

Das ist ein an sich taugliches Handeln am untauglichem Objekt, wird im Ganzen als untauglicher Versuch gewertet. Die kriminelle Energie, die zum Handeln führte, ist aber bei tauglichen wie beim untauglichen Versuch gleich. Und darum geht es letztlich. 

In dem Fall wird es als Mordversuch gewertet und entsprechend bestraft, die Strafe kann gemildert werden oder es kann komplett auf eine Strafe verzichtet werden (§ 23 Abs. 3 StGB).

Meiner Einschätzung nach dürfte der Leichenmörder/die Leichenmörderin mit einer mehrjährigen Haftstrafe bedacht werden. 

Antwort
von Ronox, 39

In der Kurzfassung würde das zumindest in Deutschland als versuchter Mord oder Totschlag gewertet werden (sog. "untauglicher Versuch", Umkehrschluss aus § 23 III StGB).

Antwort
von DrDralle, 40

Strafgesetzbuch (StGB)
§ 168 Störung der Totenruhe

(1) Wer unbefugt

aus dem Gewahrsam des Berechtigten den Körper oder Teile des Körpers

eines verstorbenen Menschen, eine tote Leibesfrucht, Teile einer solchen

oder die Asche eines verstorbenen Menschen wegnimmt oder wer daran

beschimpfenden Unfug verübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren

oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso

wird bestraft, wer eine Aufbahrungsstätte, Beisetzungsstätte oder

öffentliche Totengedenkstätte zerstört oder beschädigt oder wer dort

beschimpfenden Unfug verübt.

(3) Der Versuch ist strafbar.

Ansonsten wird nichts passieren.

Antwort
von ViopadosHD, 33

es kann eine anklage wegen versuchten mordes aufkommen die mit 50 Jahren bestraft wird

Kommentar von vitus64 ,

Es ist schlimm, was ich hier wieder lesen muss. Versuchter Mord an einer Leiche? Das geht wohl nicht.

50 Jahre Haft. Für Mord gibt es in der Regel lebenslänglich, was praktisch ca.15 Jahre bedeutet

Kommentar von ViopadosHD ,

A wusste nicht das B tot ist und wollte ihn umbringen aber er war schon tot also wahr es versuchter mord der wird in der EU mit 50 jahren bestraft

Kommentar von Scaver ,

Es gilt aber DE und nicht EU Recht. In DE Recht gibt es keine maximale Dauer von lebenslänglich... zumindest noch nicht. Es mag eine Vorgabe der EU bzw. eine Richtlinie geben, die ist aber noch nicht umgesetzt.

Ein verurteilter müsste als nach Ablauf der 50 Jahre erst mal darauf klagen. Und das jeder Einzelne.

Antwort
von Dontknow0815, 52

Es ist Leichenschändung wenn man einen toten ein Messer in das Herz rammt.

Kommentar von vitus64 ,

Da bin ich mir nicht sicher. Der Täter wusste nicht, dass das Opfer tot ist. Er wusste also nichts vom Tatbestand 'tote Person'. Da liegt also grundsätzlich ein Tatbestandsirrtum vor. Da Störung der Totenruhe nur vorsätzlich begangen werden kann, liegt diesbezüglich bei einem solchen Irrtum keine Straftat vor.

Da natürlich Vorsatz bezüglich der geplanten Tat vorgelegen hat, bin ich mir nicht sicher.

Mir fällt da ein Fall aus meiner Heimat ein als jemand einen Killer angeheuert hat, der aber den falschen erschossen  hat.

Kommentar von Scaver ,

Nein ist es nicht.
Störung der Totenruhe muss vorsätzlich geschehen und der Leichnahm muss sich schon in Obhut des Bestatters, im Grab, Gruft, Urne etc. befinden.

Kommentar von Dontknow0815 ,

Gut zu wissen aber wenn man niemanden umbringen will wohl irrelevant:D

Antwort
von Scaver, 31

Da A nicht wusste, dass B bereits tot ist, gilt es als versuchter Mord.

Versuchter Mord, weil die Tötungsabsicht bestand, aber mit der Tat der Tot nicht herbeigeführt wurde.

Nur wenn A gewusste hätte oder hätte wissen können, dass B bereits tot ist, wäre der versuchte Mord nicht anwendbar. Ggf. kämen dann andere Tatbestände in Frage, aber das würde von der Situation wieder abhängen.

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