Frage von Slamist, 103

Wie wird man ein Buddhist?

Expertenantwort
von Enzylexikon, Community-Experte für Buddhismus & Religion, 51

Ich bin Buddhist und helfe dir diesbezüglich gerne weiter.

Bürokratie

Der Buddhismus ist in Deutschland keine anerkannte Religion im Sinne einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es gibt also keinen registrierten Betritt mit Eintrag in irgendwelche offiziellen Dokumente.

Überzeugung

Von buddhistischer Sichtweise aus, ist die Grundlage das Vertrauen in den Buddha, dessen Lehre (Dharma) und die buddhistische Gemeinschaft (Sangha). Dies wird "dreifache Zufluchtnahme" genannt.

Man beschließt also, diese dreifache Zuflucht zu nehmen, die Lehre der vier edlen Wahrheiten und den edlen achtfachen Pfad zu akzeptieren, also auch Meditation zu üben und die fünf Sittlichkeitsgelübde (panchasila) einzuhalten.

Das ist letztlich alles, dessen es bedarf.

Zeremonie

In Asien haben sich natürlich nicht nur verschiedene buddhistische Traditionen und Schulen mit unterschiedlichen Lehren entwickelt, sondern auch entsprechende Zeremonien.

Je nach buddhistischer Tradition und dem Land, gibt es unterschiedliche Gebräuche bei dieser Zeremonie.

Meist erklärt man vor seinem Lehrer und in Anwesenheit der Gemeinschaft, die Zuflucht zu nehmen und die Regeln der jeweiligen Tradition einzuhalten. Dies wird auf Japanisch "Jukai" genannt - das Empfangen der Gelübde.

Verbreitet ist auch die Verleihung eines buddhistischen "Dharma-Namens" durch den Lehrer, meist in jener asiatischen Sprache, die in der Gemeinschaft für rituelle Zwecke genutzt wird - Chinesisch, Tibetisch, Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch usw.

Im Zen-Buddhismus erhält man zudem einen Stofflatz überreicht, den man in den Monaten zuvor unter Anleitung selbst zusammengenäht hat und das Gewand des Buddha symbolisiert. Auf Japanisch heißt dies "Rakusu".

Wie du siehst, sind diese Rituale eigentlich nur relevant, wenn man formell einer bestimmten Gemeinschaft angehören will - ansonsten beruht das "Buddhist sein" auf der persönlichen Überzeugung und buddhistischen Praxis.

Sonstiges

Bevor man leichtfertig erklärt, man sei nun Buddhist, oder bei einem Lehrer in die Schulung geht, sollte man seine Motive für diesen Schritt klären.

Das Bedürfnis nach Weltflucht, oder der Wunsch nach Exotik sind beispielsweise schlechte Motivationen.

Außerdem sollte einem klar sein, dass es viele verschiedene Traditionen gibt und man sich zunächst mit dem Buddhismus befassen muss, um überhaupt zu erkennen, welcher Tradition man sich zugehörig empfindet.

Außerdem bricht der Buddhismus mit einigen Vorstellungen, die man aus dem Christentum gewohnt ist - beispielsweise die "Vergebung der Sünden".

Im Buddhismus gibt es keine "Erbsünde" oder ähnliches - allerdings auch keine Vergebung und man ist vollständig selbst für sein Handeln und die daraus entstehenden Konsequenzen verantwortlich.

Man sollte sich also fragen, ob man mit dieser Verantwortung leben kann.

Antwort
von ArbeitsFreude, 39

Enzyklexikon hat das schon besser beantwortet, als ich es könnte, lieber Slamist,

deshalb aus meiner Warte nur ergänzend:

Es gibt buddhistische, als gemeinnützig anerkannte Vereine wie bspw. die Soka Gakai International - Deutschland: www.sgi-d.org.

Wenn Du da Mitglied wirst, bist Du "pro forma" Buddhist - ob Du es dann wirklich bist, kannst nur Du selbst entscheiden...

Angenommen, Du würdest ein "Nichiren-Buddhist" werden wollen - dann müsstest Du zuvor einen Antrag auf Mitgliedschaft in der SGI-D stellen und dich auf deren Satzung verpflichten (das ist nix weiter
als eine verkürzte Version der allgemeinen Deklaration der
Menschenrechte)

Dann kriegst Du bei einer Versammlung der Nichiren-Buddhisten, die in
Deiner Region wohnen, den "Gohonson", die Schriftrolle der
Nichiren-Buddhisten überreicht (natürlich nur in Kopie), die auf
Altjapanisch die Zusammenfassung des Lotus-Sutras darstellt - von einem
irgendwie leitenden Mitglied überreicht.

Dann sprichst Du Dich mit den Mitgliedern ab, wann man bei Dir diese
Schriftrolle "einschreinen" wird: D.h. Du brauchst ein sicheres
Behältnis für die ausgerollt aufgestellte Schriftrolle in Deiner Wohnung
- eine Art Mini-Altar.

Wenn Du das hast und einen Platz dafür gefunden, kommen die
Mitglieder, die Zeit und Lust haben zur Einschreinung in Deine Wohnung,
machen dort mit Dir das übliche Gongyo (Abend- oder Morgengebet der
Nichiren-Buddhisten) - wirklicher  "Nichiren-Buddhist" bist Du aber nur, wenn Du das ganze auch lebst und praktizierst...

Kommentar von quarklabor ,

hallo,

ich kenne deinen Hintergrund nicht, aber du solltest wissen, dass Soka Gakkai in Japan aufgrund ihrer "sektenhaften" Zügen stark umstritten ist. Das sollte man wissen, bevor man dort beitritt.

Kommentar von ArbeitsFreude ,

"stark umstritten" stimm auf jeden Fall - Das liegt daran, dass sich die SGI in Japan (i. Ggs. zu Deutschland) auch politisch positioniert - v.a. gegen die Wiederbewaffnung Japans, gegen die Verherrlichung der in Japan immer noch üblichen Kriegsverbrecherlegenden (Präsident Abe ist bspw. Enkel eines Kriegsverbrechers) und gegen Atomkraft - DA macht man sich natürlich in Japan keine Freunde...

Bzgl. "sektenhafter Züge" würde mich interessieren, was Du da meinst, liebe(r) Quarklabor...   ?

- Ich habe die Charakteristiken mal durchgeschaut, was so üblicherweise Sekten ausmacht. unter http://www.infosekta.ch/was-ist-eine-sekte/sektenmerkmale/

Da fällt mir als möglicherweise zutreffend lediglich der "Absolutheitsanspruch" ein, der gemeint sein könnte. - meintest Du das?

in Deutschland ist die SGI jedenfalls vom Vorwurf der "Sektenhaftigkeit" offiziell "freigesprochen" worden...

Antwort
von NewKemroy, 37

Buddhadasa Bhikkhu ein buddhistischer Mönch und wichtige Persönlichkeit des Theravada-Buddhismus in Thailand (Waldtradition) sagte es einmal so: "Wenn euch der Buddhismus in irgendeiner Weise nützt, werdet ihr von selbst zu Buddhisten. Ob ihr konvertiert oder nicht, ist ohne Belang. Was allein zählt, ist die Antwort auf die Frage, ob euch der Buddhismus irgendeinen Nutzen bringt."

Antwort
von PinguinPingi007, 51

In dem du gläubig wirst und beitretest.

Das heißt erstmal mit dem Glauben befassen.

Antwort
von Spuky7, 33

Zuflucht nehmen. Zu Buddha, Dharma, Sangha und Lama.

Antwort
von Sakurami, 42

Fasse dich zuerst damit auseinander und dann Sachen kaufen und so

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