Wie wird Leistung aus christlicher Perspektive verstanden?

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6 Antworten

Es geht bei den Gleichnissen nicht um Leistung, sondern um Beziehung.

Der ältere Sohn im Gleichnis vom barmherzigen Vater und den zwei(!) verlorenen Söhnen hat genau das nicht verstanden. Eigentlich sehnt er sich nach Anerkennung durch den Vater (= Gott), aber er will sich diese Anerkennung durch Arbeit/Dienst verdienen. Das verstellt im den Blick darauf, dass er die Anerkennung des Vaters schon hat ("Alles, was mein ist, ist auch dein").

Die Abkehr vom Leistungsprinzip und die Hinwendung zum Prinzip der Anerkennung und der Liebe bestimmt die Grundethik des Christentums. Nicht die Leistung entscheidet, sondern die bedingungslose Hinwendung zum Menschen, sowohl durch Gott selbst wie auch durch die Menschen untereinander. Deswegen haben auch nicht "Leistungsfähige" im herkömmlichen Sinne, also Kranke, Behinderte, Alte, Kinder und auch "Versager" (jüngerer Sohn im Gleichnis) oder sonstwie Benachteiligte (die letzten Arbeiter) im christlichen Sinne die gleiche Würde und die gleichen Anrechte wie Gesunde und "Leistungsträger" der Gesellschaft.

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Kommentar von weghdh
14.06.2016, 14:47

Erstmal Danke für die Antwort. Deine Argumenatation erscheint schlüssig, sie stellt auch den Gegensatz zwischen menschlicher und göttlicher Gerechtigkeitsvorstellung dar. Das Leistunsprinzip ist ein Maßstab für menschliche Gerechtigkeit. Gottes Gerechtigkeit zielt darauf ab, Benachteiligten die gleiche Würde und Anerkennung entegegenzubringen wie Leistunsträgern ("Alle sind vor Gott gleich"). Diesen Anspruch hält ein nach dem Leistungsprinzip denkender als ungerecht (siehe Gleichnisse). Aber muss man nicht dennoch anerkennen, dass Leistung ein wichtiger Teil des Lebens darstellt? Schließlich ist Leistung unabdingbar für das Überleben. Und wie lässt sich dieser Anspruch für einen Gläubigen auslegen? Hat er damit das Recht nur das nötigste zu leisten?

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(Mt. 6,25) Darum sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist
nicht das Leben mehr denn Speise? und der Leib mehr denn die Kleidung?

Na wenn das nicht eine Absage an die Leistungsgesellschaft ist?

Ich denke das Leistungsdenken ist, wenn überhaupt christlich beeinflusst, dann durch den Calvinismus geprägt. So ist wohl ein Mensch in dessen Herz Jesus Christus wohnt deutlich leistungsfähiger. Dies hatte wohl den Umkehrschluss zu Folge, wenn einer von morgens bis abends ohne viel Lohn und ohne sich zu beklagen sehr emsig arbeitet, dann müsse er wohl sehr in Gottes Gunst stehen. Und als Folge dieser falschen These, hat sich dann ein Wetteifern ergeben aus der unsre heutige Arbeitsmoral entstand.

https://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus#Calvinistische_Arbeitsethik

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"tut euer äußerstes....." so rat Petrus in 2. Petrus, Kapitel 14 in einem seiner Briefe an die ersten Christen.

Das  "Äußerste" ist naturgemäß bei jedem etwas anderes. Kranke, Gesunde, Depressive, Behinderte - jeder hat eine unterschiedliche Leistungsfähigkeit.

Der Schöpfergott JHWH (Jehova) möchte, daß wir uns mit allen unseren Kräften für ihn einsetzen. Dabei berücksichtigt er unsere persönlichen Umstände.

Ähnlich sieht es Jesus Christus. In seinem Bericht über das Schärflein der Witwe (Lukas 21). Obwohl sie nur einen ganz geringen Betrag spenden konnte, hat sie ihre ganze Habe gegeben, aus einem Herzen voller hingebungsvollem Glauben. Das zählt bei JHWH. 

Alle Dinge gehören ohnehin dem Schöpfer der Erde, er hat nicht nötig, irgendjemanden um irgend etwas zu bitten.

Der Leistungsgedanke, wie wir ihn in unserem gegenwärtigen System kennen, ist in Gottes Augen ungerecht und absurd.

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Also so, wie ich dieses Gleichnis verstehe, geht es darum, dass jemand sein Leben in den Dienst Gottes stellt.

Wenn das nun jemand im Alter von 20 tut.. und bis zum Ende beibehält... oder bspw. erst mit 60... und dies bis zu seinem Ende beibehält...

... so erhält der eine denselben "Lohn" wie der andere.... zum Beispiel Vergebung der Sünden und ewiges Leben.

...

egal ob er sich seit 50 Jahren oder nur seit 1 Jahr zum Herrn bekannt hat... bzw. früher oder später zum Glauben gekommen ist.

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Gottes Gedanken sind anders als unsere (Jes.55,8) und Seine Belohnung betrifft den "Glauben" (Mk.2,5).

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Der Begriff "Leistung" passt überhaupt nicht in die christliche Ethik weshalb auch jede "Sicht" dazu daneben ist.
Du selbst hast dies wohl richtig erkannt - du findest nichts dazu in der Schrift.
Passend dazu Luk.21,1-4 = Mt.12,41-44

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