Frage von Ravenmania, 55

Wie wird die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bei einem Schichtplan geregelt?

Hallo!

Ich bin grade ziemlich wütend, weil ich gerade meine Kontoauszüge gecheckt habe und sah, dass mit die Hälfte meinem erwartetem Lohn fehlt. Da ich mich aber nicht unnötig aufregen möchte, hier jetzt die Situation:

Anfang des Monats war ich aufgrund psychischer Belastung für 2 Wochen krank geschrieben, bis zum 18.10.2016. Auf Rat des Arztes habe ich auch in der Zeit gekündigt, sodass ich zum 18.10.2016 offiziell nicht mehr bei meinem Arbeitgeber eingestellt bin. Soweit so gut, würde den halben Lohn natürlich rechtfertigen. Wäre ich auch nicht sauer. Nur jetzt kommt der Plottwist, wo sich bei mir die Fragen und die Wut auf tun:

Ich hätte in der Zeit laut offiziellen Dienstplan (ich habe dort in Schichten gearbeitet) genug Stunden gearbeitet, so dass ich auf die Stunden gekommen wäre, die im Vertrag feststehen. Denn ich war diesen Oktober so eingeplant, dass ich das Doppelte meiner regulären Arbeitszeit hätte arbeiten müssen und soweit ich mich erinnere, wurde mir mal mitgeteilt, dass die Arbeitsstunden, die auf dem Dienstplan schwarz weiß stehen und genehmigt sind, ausgezahlt werden müssen.

Daher meine Wut, mein Unverständnis. Und die Kirsche auf der Torte kommt noch, denn der Betrieb hat mir die fälligen 60 Überstunden vom September ebenfalls noch nicht ausgezahlt (Und die müssen mir das auszahlen, das steht fest, habe mich erkundigt bei Anwalt, anderer Chefin, Betriebsvertrag).

Ich hoffe mir kann da jemand Licht ins Dunkeln bringen, bevor ich mich da komplett zum Affen mache oder mich den Tricks der Leitung entgegenstellen muss bzw. einen Gespräch und komplett unvorbereitet.

Nochmal die Fakten: - Ich war bis zum 18.10 krank geschrieben und bin ab dem 18.10 gekündigt.

  • Laut Vertrag arbeite ich im Monat 80 Stunden. Laut Dienstplan hätte ich bis zum 18.10 bereits die 80 Stunden erreicht. Mir wurde aber nicht mal die Hälfte meines Lohnes ausgezahlt?

  • Mir wurden meine Überstunden auch nicht ausgezahlt seit mittlerweile 2 Monaten.

  • Ich bin sauer. :D

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit, Arbeitsrecht, Kündigung, 40

Dein Arbeitgeber muss Dir nach § 4 Entgeltfortzahlungsgesetz die Stunden bezahlen, die Du ohne Krankheit hättest arbeiten müssen. Das nennt sich Lohn- oder Entgeltausfallprinzip.

Prof. Dr. Peter Wedde schreibt dazu im Arbeitsrechtkommentar u.a.:

"Bemessungsgrundlage ist das Entgelt, das AN in der für sie maßgebenden regelmäßigen Arbeitszeit zugestanden hätte. Es ist insoweit auf die individuelle Arbeitszeitsituation abzustellen (BAG 26.6.2002, DB 02,2439).

Konkret ist die Arbeitszeit zu berücksichtigen, die sich aus den individuellen Verhältnissen ableitet, die für einzelne AN gelten, nicht aber die regelmäßige betriebliche Arbeitszeit, die allgemein für die Belegschaft gilt.

Der Anspruch besteht auch für Schichten, zu denen der AN ohne die Erkrankung eingeteilt worden wäre (LAG Köln 27.4.2009 - 5 Sa 1362/08)."

Wenn Deine Überstunden nicht ausgezahlt wurden, musst Du den AG abmahnen, bevor Du diese beim Arbeitsgericht einklagen kannst.

Du schreibst ihm einen Brief und forderst ihn auf, den Dir zustehenden Betrag bis zum (Frist von 7-10 Tagen setzen) ....zu überweisen. Schreib dazu dass Du, sollte bis zum angegebenen Termin kein Zahlungseingang zu verzeichnen sein, Klage beim Arbeitsgericht erhebst. Oft reicht das um den AG zur Zahlung zu bewegen.

Bezahlt er nicht, reicht ein Anwalt für Dich Klage ein wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast oder Gewerkschaftsmitglied bist. Du kannst aber auch selbst zur Rechtsantragstelle des Arbeitsgerichts gehen. Dort wird Dir bei der Klageformulierung geholfen und das ist kostenlos.

Kommentar von Ravenmania ,

Bevor ich etwas falsch verstehe:
Mein Ärger war berechtigt und mir "müssen" die Stunden ausgezahlt werden, die auf dem Dienstplan stehen? 

Und das mit den Überstunden wusste ich nicht! Mein AG meinte, ich soll ihn anrufen, wenn das Geld noch nicht da ist, deshalb wollte ich erstmal das tun, bevor ich mit Briefen o.a. komme.

Eine Versicherung habe ich nicht. Jedoch ist jemand aus meiner Familie Anwalt.

Kommentar von Hexle2 ,

Bevor ich etwas falsch verstehe:
Mein Ärger war berechtigt und mir "müssen" die Stunden ausgezahlt werden, die auf dem Dienstplan stehen? 

Das hast Du schon richtig verstanden. Hier gilt das "Entgeltausfallprinzip".

Der Schichtplan stand ja schon fest, bevor Du arbeitsunfähig geworden bist. Deshalb muss der AG Dich bis zum letzten Tag der Betriebszugehörigkeit (du warst ja bis dort krank geschrieben) so bezahlen wie Du ohne die Krankheit gearbeitet hättest.

Wegen der Überstunden kannst Du Deinen ehemaligen Arbeitgeber ja noch einmal anrufen. Wenn er Dich aber wieder vertrösten will, solltest Du den Brief schreiben.

Vielleicht hast Du im Arbeitsvertrag eine Klausel die besagt dass z.B. nach drei Monaten sämtliche Ansprüche verfallen sind. Wenn Du nicht rechtzeitig reagierst, ist die Kohle weg. Ausschlussfristen können durch Vertrag durchaus verkürzt werden. Ohne einzelvertragliche oder tarifvertragliche Regelung beträgt die Frist drei Jahre.

Kommentar von Ravenmania ,

Danke, danke! Wenn ich das mal so sagen darf, du hast mir meinen *rsch gerettet! :)

Ich kenn mich damit gar nicht aus.

Kommentar von Hexle2 ,

Freut mich, wenn ich Dir helfen konnte.

Darf ich mal fragen, was für ein Anwalt da in der Familie ist? Wenn es ein Anwalt für Arbeitsrecht ist, bekommst Du dort ja auch Infos.

Kommentar von Ravenmania ,

Ich weiß das leider nicht genau... mir wurde aber auf jeden Fall Hilfe zugesichert und die Mutter meiner besten Freundin ist ebenfalls Chefin bei eine Tankstelle, wo es auch Dienstpläne mit Schichten gibt, und hilft mir da auch aus.

Ich habe da heute angerufen. Der Chef ist im Urlaub. Habe ihm jetzt bei wa geschrieben.

Kommentar von Hexle2 ,

Alles Gute für Dich. Du hast auf alle Fälle Anspruch auf Dein Geld so wie ich es Dir geschrieben habe.

Kommentar von Ravenmania ,

Danke danke!
Fühle mich nur so unsicher, weil ich das noch nie gemacht habe. :D

Kommentar von Hexle2 ,

Da bist Du nicht allein. 

Leider sind es noch viel zu viele Menschen, die sich von ihren (Ex-)Arbeitgebern viel zu viel gefallen lassen obwohl sie im Recht sind.

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