Frage von Franz577, 25

Wie wird das Pfand umverteilt?

Da ja jeder Einzelhandel verpflichtet ist, Mehrweggebinde anzunehmen, auch wenn diese nicht bei ihm gekauft wurden, frage ich mich, ob da auch ein Ausgleich stattfindet.

Möglich, daß es sich vielleicht von selbst in etwa ausgleicht, aber es könnte ja sein, daß beim einen Supermarkt unterm Strich ein Minus und beim anderen ein Plus durch das Mehrwegpfand entsteht.

Gibt es da interne Regelungen, um sowas zu vermeiden?

Antwort
von Traveller24, 3

Beim  Mehrweg gibt der Einzelhandel die Flaschen und Kisten an die Grosshändler weiter und die dann an die Hersteller, der benutzt die dann weiter. Wenn Du also eine Kiste beim lokalen Händler abgibst, dann reicht der die weiter und bekommt das Pfand dann wieder.

Ebenso ist es auf dem "Hinweg". Der Einzelhandel hat für die Kisten auch Pfand beim Grosshandel / Hersteller bezahlt.

Antwort
von Cokedose, 24

Eine Rücknahmepflicht für Mehrweg gibt es nicht. Das gilt nur für Einweg.

Das Pfand für zurückgenommenes Mehrweg bekommt der Händler vom Hersteller oder Zwischenhändler an den er wiederum das Mehrweg zurück gibt, je nach dem wie er beliefert wird.

Den Pfandausgleich für Einweg regelt die die Deutsche Pfandsystem GmbH (DPG) deren Logo sich auf allen pfandpflichtigen Einwegpackungen über dem Strichcode befindet. Die jeweiligen Gebinde werden hier entweder direkt durch den Automaten erfasst (bei denen wo sie kompaktiert werden) oder in einem Zählzentrum (bei Automaten ohne Kompaktierer).

Kommentar von Franz577 ,

Ok, wenn es keine Mehrweg-Rücknahmepflicht gibt, heißt das, daß jeder Supermarkt oder Getränkemarkt nur das zurücknehmen muß, was er selbst verkauft, oder? In der Praxis sieht es doch aber so aus, daß man z.B. das Pfand für Träger mit Standardflaschen so gut wie überall einlösen kann, wo entweder dieselbe Marke oder dieselbe Flaschenart verkauft wird.

Kommentar von Cokedose ,

Streng genommen noch nicht einmal das. Aber in der Praxis wird es so gehandhabt, dass die Läden diese Art von Mehrweg zurücknehmen die sie auch verkaufen, weil sie eben auch nur diese an ihre Lieferanten zurückgeben können.

Es müssen dann also Flaschen derselben Größe, From und Farbe sein. Das Etikett bzw. die Marke spielt hierbei keine Rolle. Kästen müssen dieselbe Größe haben und von denselben Marken sein die der Laden verkauft.

Beispielsweise kannst du keinen Oettinger Kasten dort zurück geben wo kein Oettinger verkauft wird, weil dieser Markt nicht von Oettinger beliefert wird und er somit den Kasten selbst nicht mehr loswird. Es sei denn er wird von einem Getränkegroßhändler beliefert der selbst andere Märkte mit Oettinger beliefert. Die Oettinger Flaschen könntest du hingegen dort abgeben wenn der Laden auch braune 0,5L NRW-Flaschen verkauft.

Kommentar von Franz577 ,
Streng genommen noch nicht einmal das.

Ja, nur wäre das ja sehr praxisfremd, denn wer würde dort noch kaufen, wenn sie ihren Kunden sagen würden, daß sie die Kästen direkt beim Hersteller abgeben müßten? Und der Hersteller hätte so irgendwann auch mal ein Problem, denn die Kunden würden dann sicher versuchen, die Kästen anderweitig loszuwerden und dem Hersteller hätte dann zu wenig Rücklauf an Leergut.

Beispielsweise kannst du keinen Oettinger Kasten dort zurück geben wo kein Oettinger verkauft wird, weil dieser Markt nicht von Oettinger beliefert wird und er somit den Kasten selbst nicht mehr loswird.

Das stimmt, wobei ich aber auch schon mal den Fall hatte, daß der Automat eines Supermarktes einen Fremdkasten angenommen hat. Wie diesen der Supermarkt dann wieder losbringt, ist ja dann nicht mehr mein Problem. Aber ich gehe davon aus, daß alles, was der Automat annimmt, auch kein Problem für den Supermarkt darstellt. Evtl. wird er dann ja von einem Großhändler beliefert, wie du sagst.

Kommentar von Cokedose ,

Ja Theorie und Praxis gehen hier weit auseinander. Denn wie gesagt, anders als beim Einweg gibt es für Mehrweg keine gesetzliche Regelung bzw. Verordnung weshalb eine zivilrechtliche Sache. Mit anderen Worten: Es gilt genau das was du beim Kauf mit dem Händler bezüglich der Rückgabe vereinbart hast. Das könnte z.B. mit einer Hinweistafel des Händlers geschehen auf der die Bedingungen festgehalten sind und du diesen mit dem Kauf zustimmst. Nur habe ich noch keinen Händler mit entsprechenden Hinweisen gesehen. Genauso sieht es beim Mehrweg auch mit der Höhe des Pfandes aus. Im Grunde könnte jeder Hersteller und Händler nach Lust und Laune eigene Pfandpreise machen oder sogar pfandfrei verkaufen - auch wenn es ein Widerspruch zum Sinn des Mehrwegpfandes wäre, aber rechtlich wäre es möglich.

Wenn der Automat auch einen Fremdkasten annimmt, dann ist das tatsächlich nicht dein Problem. Da kannst du nichts für wenn es einen Fehler in der Datenbank des Automaten gibt. Da muss sich der Markt oder das Unternehmen selbst einen Kopf machen und ggf. die Software/Datenbank aktualisieren lassen.

Antwort
von Hexe121967, 25

deine aussage stimmt nicht so ganz: ein supermarkt braucht nur dann einwegpfand anzunehmen, wenn er auch einwegpfand verkauft. genau so ist es auch bei mehrwegpfand. verkauft ein laden kein mehrwegpfand, braucht er das leergut auch nicht annehmen.

der unterschied zwischen mehrweg- und einwegpfand?

einwegpfand wird geschreddert und die kunsstoffe gehen ins recycling, bei mehrwegpfand wird das gefäss gereinigt und wieder verwertet.

Kommentar von Matrixarchitekt ,

der Fragesteller schreibt explizit Mehrweg,

Kommentar von Hexe121967 ,

er schreibt das jeder supermarkt mehrweg annehmen muss, stimmt aber nicht. er muss nur dann mehrweg annehmen, wenn er auch mehrweg verkauft. 

ich hab ihm nur der vollständigkeithalber auch das einwegpfand erwähnt. viele meinen nämlich das sei das gleiche, ist es aber nicht.

Kommentar von Franz577 ,

Ok, aber dann ist faktisch trotzdem so gut wie jeder Supermarkt betroffen. Welcher Supermarkt verkauft schon weder Einweg- noch Mehrweg? Irgendwas davon hat doch praktisch jeder im Sortiment. Der Hinweis darauf war zwar ok, aber meine Frage ist trotzdem noch nicht beantwortet.

Kommentar von Hexe121967 ,

ok neuer versuch:

inhaber der mehrwegflasche ist der getränkehersteller. das erhobene mehrwegpfand gibt den anreiz, die flasche auch an den hersteller zurück zu geben, damit dieser nicht in neue flaschen investieren muss.  das passiert natürlich nicht immer eins zu eins, bei der vielzahl an flaschen im umlauf kann die getränkeindustrie aber gut damit leben.

Kommentar von Franz577 ,

Also in anderen Worten: Es gibt hier keine spezielle Regelung, sondern die Beträge gleichen sich von selbst aus und das Ganze hält sich in etwa die Waage.

Kommentar von Cokedose ,

Für Mehrweg gibt es keine Rücknahmepflicht. Der Händler könnte im Grunde jede Rücknahme verweigern wenn der Kunde nicht nachweisen kann, dass er ganz genau dieses Gebinde das er in den Händen hält auch bei diesem Händler gekauft hat. Und auch nur dann wenn beide die Rücknahme zuvor vertraglich vereinbart haben. Ansonsten ist die Sache noch schwieriger, da zur Pfandrckzahlung nur der Eigentümer der Flasche verpflichtet wäre. Bei Individualflaschen wäre es der Hersteller, bei Normflaschen kann man keinen ermitteln, womit es rein rechtlich auch gar keine Pfandflaschen wären. Aber das ist ein anderes Thema.

Kommentar von Franz577 ,

Hier driften also Theorie und Praxis doch deutlich auseinander. Praxisnah bzw. kundenfreundlich sind diese Regelungen jedenfalls sicher nicht. Deshalb werden sie vermutlich auch nicht so streng angewandt. Welche bürokratischen Sesselpfurzer sich wohl sowas wieder ausgedacht haben!

Kommentar von Hexe121967 ,

@ Franz577 - das mehrwegpfandsystem gibts doch schon viel, viel länger als das einwegpfandsystem. das einwegsystem wurde zusätzlich eingeführt, damit die leute wieder mehr zum umweltfreundlicheren mehrweg greifen.

Kommentar von Cokedose ,

Das Mehrwegsystem in Deutschland wurde bereits 1929 von Coca-Cola eingeführt.

Zumindest wurde es dem Verbraucher so vorgegaukelt, dass das Einwegpfand zur Stärkung des MW-Systems eingeführt. Tatsächlich war der Hintergrund jedoch, dass sich einfach nur ein paar Möchtegernpolitiker ein Denkmal setzen wollten. Denn bereits vor der Einführung haben Experten einheitlich vorhergesagt, dass ein Einwegpfand den Fall des Mehrwegs nicjt aufhalten würden. Einfach aus dem Grund, dass ein Pfand auf Einweg nicht die überwiegenden Nachteile von Mehrweg aufhebt. Und genau so ist es letztendlich auch gekommen. Heute wird mehr Einweg verkauft als je zuvor und Mehrweg fällt weiter. Mit Umweltschutz hat das alles jedenfalls herzlich wenig zu tun.

Darüber hinaus wehre ich mich gegen die pauschale Aussage "umweltfreundlicheres Mehrweg". Denn das ist so nicht korrekt. Die Grenzen zwischen EW und MW sind fließend und unter bestimmten Voraussetzungen ist Einweg sogar umweltfreundlicher als Mehrweg und zwar bei weiten überregionalen Transportwegen.

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