Frage von Lhofrath, 193

Wie wird das Kaiserreich heute in Deutschland angesehen und wie findet ihr es?

Ich bin ein Fan des Kaiserreiches.Es war eine gute Zeit eine Zeit,in der Deutschland stark war und viel Fortschritt herrschte und die Armut zurückging.Hätte Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen wären die Nazis niemals an die Macht gekommen und der Holocaust wäre nie passiert und Deutschland wäre nie geteilt worden.Ich habe manchmal den Eindruck das diese Zeit heutzutage trotzdem als schlecht angesehen wird und immer mit dem 3.Reich verglichen wird obwohl es damit nichts zu tun hat.Die Kolonialgeschichte war in meinen Augen gut und den Menschen ging es dort besser als in Britischen oder französischen Kolonien.

Also wie wird das Kaiserreich heute angesehen und wie findet ihr es?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte & Politik, 53



Ich bin ein Fan des Kaiserreiches.

Warum auch nicht. Diese Zeit ist in mehrfacher Hinsicht höchst interessant und hat es verdient, sich mit ihr zu beschäftigen.

Es war eine gute Zeit,

Das ist viel zu pauschal geurteilt. Es kommt sehr darauf an, genau zu differenzieren, für wen es "eine gute Zeit" war!

in der Deutschland stark war und viel Fortschritt herrschte und die Armut zurückging.

Nun, wenn es danach ginge,

  • dann gab es auch andere zeitgenössische Länder, auf die dieses Urteil zutrifft    und
  • dann wäre das Kaiserreich im Vergleich zu heute die weitaus schlechtere Zeit.

Hätte Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen wären die Nazis niemals an die Macht gekommen und der Holocaust wäre nie passiert und Deutschland wäre nie geteilt worden.

"Hätte" - das ist ein Irrealis und bleibt daher schlichtes Spekulieren. Historiker halten sich aber vornehmlich an die Fakten.

Ich habe manchmal den Eindruck das diese Zeit heutzutage trotzdem als schlecht angesehen wird und immer mit dem 3.Reich verglichen wird obwohl es damit nichts zu tun hat.

Gerade "heutzutage" wird das Kaiserreich keineswegs vor dem Hintergrund des Naziregimes beurteilt. Heutige Historiker vergleichen das Kaiserreich mit anderen Ländern der damaligen Zeit und ihren unterschiedlichen Entwicklungen. Daher wird man über das Kaiserreich auch nur sehr differenziert urteilen können und sich vor Pauschalurteilen hüten müssen, denn es gab Gutes und Schlechtes!

Die Kolonialgeschichte war in meinen Augen gut und den Menschen ging es dort besser als in Britischen oder französischen Kolonien.


Die Kolonialpolitik sollte nicht verherrlicht werden! Sie war für das Kaiserreich überwiegend eine sinnlose Belastung, und wenn sie durchschnittlich auch nicht schlechter war als die Frankreichs und Großbritanniens und keineswegs so barbarisch wie die belgische Kolonialherrschaft im Kongo, so haben die Deutschen doch durch ihren Völkermord an Herero und Nama erhebliche Schuld auf sich geladen. Nein, die deutsche Kolonialpolitik war weder für das Kaiserreich selbst "gut" noch für die Völkerschaften unter deutscher Kolonialherrschaft, die ausgebeutet und kulturell unterdrückt wurden.

Kurz: Das Kaiserreich ist eine hochinteressante Epoche, die jedoch nur sehr differenziert beurteilt werden darf. Alle Pauschalurteile sind unangebracht.

Ich möchte noch ein paar Bücher empfehlen. Die beste Darstellung ist immer noch:

  • Thomas Nipperdey: Deutsche Geschichte 1866-1918. Bd. I: Arbeitswelt und Bürgergeist; Bd. II: Machtstaat vor der Demokratie. Tb.-Ausgabe 2013.

Forschungsübersicht:

  • Ewald Frie: Das Deutsche Kaiserreich (Kontroversen um die Geschichte). 2. Aufl. 2012.

MfG

Arnold



Kommentar von LukDill02 ,

"Heutige Historiker vergleichen das Kaiserreich mit anderen Ländern der damaligen Zeit und ihren unterschiedlichen Entwicklungen" Ich denke dem Fragesteller geht es nicht um die Historiker sondern um das schlichte Volk

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Möglich wäre das. Aber warum erwähnt er dann speziell die deutsche Kolonialgeschichte im Vergleich zur britischen und französischen?

Antwort
von autmsen, 58

Wäre mir ja denn doch neu, dass die Armut wegen eines wenig intelligenten Männchens zurück gegangen wäre. Hast Du dafür auch nur einen einzigen Beweis? Wirst keinen finden. 

Du wirst aber manchen Beweis dafür finden, das der wirtschaftliche Wandel durchaus sehr großen Einfluss hatte. Ich zitiere hier mal beispielhaft aus der Rezension eines entsprechenden Fachbuches zu Deiner Behauptung: 

Im Anschluss an die Wirtschaftspolitik folgen Kapitel zu Unternehmen, Unternehmenskonzentration und Kartellierung sowie Banken und Finanzmärkten. Das Kapitel zu den Unternehmen konzentriert sich vor allem auf die Beispiele Siemens und Krupp, hier hätten weitere Beispiele zu kleineren und mittleren Unternehmen sowie zu Unternehmen aus anderen Branchen die Darstellung wesentlich bereichert. Zudem erscheinen Unternehmer, Angestellte und Arbeiter wenn überhaupt nur als statistische Größe – die Darstellung bleibt durch den gewählten Ansatz so recht blutleer. Im Kapitel zu den Banken und Finanzmärkten hebt Burhop besonders den Ausbau und die Bedeutung der Sparkassen und Hypothekenbanken hervor. Die Marktanteile der Finanzintermediäre änderten sich im Kaiserreich grundlegend. So erlebten Sparkassen und Hypothekenbanken zwischen 1860 und 1880 einen bemerkenswerten Aufstieg. Sparkassen entwickelten sich nach der Jahrhundertwende zunehmend zu Universalbanken. Zu den Verlierern zählten Noten- und Privatbanken, die 1913 weniger als 5 Prozent Marktanteil aufwiesen. Die Aktienkreditbanken vergrößerten ihren Marktanteil besonders in der Zeit nach 1880. Im Jahr des Kriegsausbruchs hatten Sparkassen, Hypothekenbanken und die Aktienkreditbanken je einen Marktanteil von einem Viertel, das restliche Viertel teilten sich Noten-, Privat- und Genossenschaftsbanken (S. 169). Neben den Universalbanken, so betont Burhop, gab es im Kaiserreich einen großen und effizienten Aktienmarkt.

Im abschließenden Kapitel zur Wirtschaft im Ersten Weltkrieg unterstreicht Burhop die Vernichtungskraft des Krieges: "Die Leistung einer ganzen Generation war durch den Ersten Weltkrieg zerstört worden." Das durchschnittliche Einkommen 1918 war in etwa so hoch wie dasjenige von 1895 (S. 215). Zudem arbeitet er Unterschiede in der internationalen Kriegsfinanzierung heraus. In Großbritannien und in Deutschland wurden die Kriegsausgaben zu ähnlich großen Anteilen mit Schulden finanziert. Allerdings geschah dies in Deutschland vor allem durch die Notenpresse, das heißt durch die Erhöhung der Basisgeldmenge. Sie wuchs zwischen Ende 1913 und Ende 1918 von 7,2 Milliarden Mark auf 43,6 Milliarden Mark. Dagegen setzte Großbritannien vor allem auf langfristige Staatsanleihen.

Klammert man die vier Kriegsjahre aus, urteilt Burhop abschließend, war das Kaiserreich eine wirtschaftliche Erfolgsstory. Die dazu erfolgten Entwicklungsschritte veranschaulicht seine Einführung sehr gut, wobei die Stärke in den Kapiteln zur Wirtschaftspolitik sowie zu Banken und Finanzmärkten liegt, die Studierenden zur Einführung sehr zu empfehlen sind. Insgesamt spricht Burhops Arbeit dabei eher die höheren Semester an, richtet sich aber zugleich an die Fachwelt.

Quelle: http://www.hsozkult.de/review/id/rezbuecher-16049?title=test-url-titel

So. Jetzt magst Du daraus falsch den Schluss ziehen, da sei ein Titelträgerchen schuld dran gewesen. Und genau da liegt Dein Irrtum. Denn Dein Titelchen fand den Krieg bis zuletzt toll. Da war er schon längst aus seinem eigenen Land mit vollgestunkenen Hosen geflohen und - lese selbst die Auswirkungen auf Wirtschaft und damit Bevölkerung. 

 "Die Leistung einer ganzen Generation war durch den Ersten Weltkrieg zerstört worden."

Kommentar von Lhofrath ,

Ich meinte mit der zurückgehenden Armut nur das eingeführte Versicherungssystem,das aber von Bismarck eingeführt wurde,ja er wäre besser für das Land gewesen

Kommentar von autmsen ,

Es freut mich zu lesen, dass Du ein wenig durch Deine Frage hast dazu lernen können und auch wollen. :)))

Tatsächlich kann ich Dir versichern, Du kannst Dir manchen Horror, Krimi, Drama, Thriller und so fort sowohl als Film als auch als Buch sparen, schaust Du einfach mal online nach all den vielen kostenlosen, also bereits eingescannten Tatsachenberichten der Menschheitsgeschichte. Auch und gerade bezogen auf diese Zeit. 

Antwort
von tanztrainer1, 86

Da darf man aber nicht übersehen, dass es dem "Fußvolk" nicht gut ging, wenn Du jetzt verstehst, wie ich das meine.

Antwort
von LittleBobV2, 94

Ja heute wird das Kaiserreich oft sozusagen als "Ermöglicher" für das 3. Reich angesehen (Nationalismus, 1. Wk Schuld etc.). Leider ist da auch was dran.

Trotz allem stimme ich dir zu. Wäre der 1. Wk nicht gewesen bzw. hätte man ihn gewonnen, wäre das Kaiserreich durchaus
weiterhin ein blühender Staat gewesen.

Kommentar von Lhofrath ,

Hätte Frankreich oder GB den Krieg verloren wäre dort vielleicht auch eine Dolchstosslegende gewesen und vielleicht wäre dort so ein Regime entstanden.Nationalismus gab es auch überall von daher trifft das nicht nur auf Deutschland zu.

Kommentar von LittleBobV2 ,

Ja hab auch nicht gesagt, dass das nur auf Dt zutraf.

Antwort
von voayager, 81

Du hast sehr wenig Ahnung über das Kolonialsystem der Deutschen. So ist dir offensichtlich nicht bekannt, dass das deutsche Kolonialheer die Hereros massakerte und einen Großteil des Volkes in die Wüste trieb, wo es verdurstete.

Auch in den deutschen Kolonien war es üblich, dass bei Strafvergehen die Einheimischen über den Bock gespannt wurden und mit einem Lederriemen gezüchtigt wurden. Dabei mußten sie jeden Schlag laut mitzählen. Der letzte Schlag endete mit den Worten: "ein Hoch auf den Kaiser". Auch dieser Spruch mußte von dem Gezüchtigten aufgesagt werden.

Kommentar von zetra ,

Peters, auch Hänge-Peter genannt, praktizierte bei dem kleinsten Vergehen dieses Vorgehen. Seine schwarze Geliebte wurde schwanger, in der Reihe der Deliquenten wurde sie mit aufgehängt.

Soviel zu der Behandlung in Afrika. 

Antwort
von PatrickLassan, 65

Hätte Deutschland den ersten Weltkrieg gewonnen

Hätte Deutschland einen vernünftigeren Kaiser gehabt, wäre es eventelle gar nicht zum Ersten Weltkrieg gekommen.

Die Kolonialgeschichte war in meinen Augen gut und den Menschen ging es dort besser als in Britischen oder französischen Kolonien.

Besonders den Herero und den Namas ...

Kommentar von Lhofrath ,

Der Krieg wurde von ihnen begonnen und es war kein Völkermord da der Kaiser persönlich den Befehl zurücknahm und Trotha nur Männer erschließen ließ die noch auf dem Boden der Deutschen waren.Bald will Italien bestimmt noch Geld für varus Legionen weil Deutschland ja so schlimm ist.

Kommentar von PatrickLassan ,

Die meisten Historiker teilen diese Ansicht nicht, aber davon abgesehen, ist Kolonialismus nicht nur meiner Meinung nach nie gut.

Kommentar von Lhofrath ,

Aber die Kongogräuel waren natürlich kein Völkermord es wurden ja nur 10 Millionen Menschen auf brutalste Weise dahingemetzelt aber es waren ja die Belgier das ist natürlich weniger schlimm.Und es war ja nicht geplant,war es von Trotha übrigens auch nicht aber es wird wenn es um Deutschlands Geschichte geht immer mit zweierlei Maß gemessen.

Kommentar von PatrickLassan ,

Was haben die Untaten der Belgier im Kongo mit dem Thema zu tun? Du solltest in Bezug auf das Kaiserreich besser deine Scheuklappen abnehmen.

Kommentar von Lhofrath ,

Weil diese Verbrechen immer als weniger schlimm angesehen werden als die deutschen

Kommentar von LukDill02 ,

Ich persönlich sehe das eigentlich auch so. Ich meine der Holocaust der Nazis, der 6 Mio. Juden das Leben kostete ist heute weltweit bekannt. Aber von dem Kongogräuel wusste ich bis vor kurzem nichts und dort sind ja fast doppelt so viele Leute gestorben.

Kommentar von zetra ,

Als Spezialist bleibst du den fragenden Usern eine tatsächliche Zustands-Erklärung dieser Zeit schuldig.

Meinen Beitrag habe ich relativiert.

Kommentar von Lhofrath ,

Ich?

Kommentar von zetra ,

Nein, Lassan. Pardon.

Kommentar von PatrickLassan ,

Als Spezialist bleibst du den fragenden Usern eine tatsächliche Zustands-Erklärung dieser Zeit schuldig.

?

Antwort
von zetra, 67

Nach den Kriegen mit Napoleon bis 1848 wanderten 670 Tsd. Deutsche aus.

Von 1848 bis 1870 waren es schon 1,7 Millionen, die das Weite suchten. Alles unter einer Kaiserzeit.

"Die Weber". Gerhard Hauptmann hat es in Szene gesetzt, ziehe dir diese Zeilen ein und du wirst vorsichtig mit der guten alten Kaiserzeit umgehen.

Der letzt Kaiser galt unter Insidern als leicht unterbelichtet, somit konnte der 1. Weltkrieg beginnen. Noch als dieser Krieg schon als verloren galt, wollte er in seiner Einfalt 200 Matrosen in Kiel füsilieren lassen. Übrigens, die Holländer waren froh, den Kaiser bis zu seinem Tode, beherbergen zu können.

Hypothetisch: Hätte DE den 1. Krieg gewonnen, hätten wir heute ein gewaltiges Problem mit den Menschenrechten in den Kolonien, am Pranger ganz vorn, würde ich meinen.   

Kommentar von PatrickLassan ,

Von 1848 bis 1870 waren es schon 1,7 Millionen, die das Weite suchten. Alles unter einer Kaiserzeit.

Falsch, alles vor der Kaiserzeit. Das Deutsche Reich wurde bekanntlich erst 1871 gegründet.

Kommentar von zetra ,

Du nun wieder, willst du die Zahlen anzweifeln, oder nur Stunk machen? Vom Deutschen Reich habe ich kein Wort geschrieben.

Kommentar von PatrickLassan ,

Es geht nicht um die Zahl der Auswanderer, sondern um die Jahreszahlen. In dem von dir genannten Zeitraum gab es das Kaiserreich noch nicht.


Kommentar von zetra ,

Nach 1871 setzte sich die Auswanderungswelle ungebrochen fort.

Wer als Bürger sein Land verlässt, muss mindestens unzufrieden sein, somit ist die KAISERZEIT keine gute Zeit gewesen.

Wenn ich nicht vom Königreich vor 1871 geschrieben habe, dann ist das der geringste Lapsus, denn die Zeiten waren nie erfreulich.

Die Mietkasernen, z.B. in Berlin wurden ja  zu dieser Zeit gebaut, Wenn Zille diese Verhältnisse dort auf seiner Art darstellte, meinte er ausschließlich die Missstände der KAISERZEIT. 

Fehlleistungen der User, besonders der sehr Aktiven, die andere User auf den kleinsten Fehler hinweisen, gibt es zu Hauf.

Zur Jahrtausendwende: Schuldner-Konferenz. Da schrieb Dataway:

Die ehemalige DDR zahlte keine Reparationen.

Die 15 Milliarden $, die von 1945 - 1953 an die Sowjetunion gezahlt wurden, hat er (wissentlich) unter den Tisch fallen lassen.

Diese Leute greifen dann an, sprechen von Bürgern mit rechter Gesinnung etc.  Also, wer kritisiert, der muss auch einstecken können.    

Kommentar von PatrickLassan ,

Mit dem Einstecken habe ich weniger Probleme als du sie anscheinend hast.

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