Frage von YoshiMizu, 47

Wie werden Soldaten mental auf Krieg(-sleiden) vorbereitet?

Man liest ja immer wieder das viele Soldaten nach ihren Einsätzen an einem posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Könnte das an mangelder, mentaler Konditionierung liegen? Das mag oft unterschiedliche Gründe haben, aber werden Soldaten z.B. mit Bildern oder Videos auf Verstümmelung o.Ä. vorbereitet oder Situationen nachgestellt? Oder meint ihr dass man auf so etwas niemals vorbereitet sein kann? Vielen Dank für jede Antwort, YoshiMizu

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 19Sunny96, 15

Auf manche Sachen kann man schlichtweg nicht (gefühlt) ausreichend vorbereitet werden. Selbstverständlich bekommt man als Soldat - meist schon in der Grundausbildung - Bildmaterial gezeigt. Ich spreche da aus Erfahrung. In wie weit einen das jedoch mental festigt sei mal dahin gestellt. Diese Situationen vorzubereiten ist Wunschdenken. Trainieren lässt sich sowas nur sehr sehr schwer. Ob man mit dem Anblick live klar kommt, entscheidet sich frühestens wenn es soweit ist. Das ist was extrem intimes und persönliches.
Mentale Konditionierung? Ich habe jetzt nicht erst ein Semester Psychologie im Haupt- und Nebenfach studiert. Ob und in wie weit sich sowas konditionieren oder als nicht-aversiver Stimulus etablieren lässt, wage ich schwer zu bezweifeln. Wie würdest du das anstellen wollen?

Persönlich habe ich gemerkt, dass es auf Übung schon deutlich "spielerischer" rüberkommt, als es im wahren Einsatz sein dürfte. Wenn du weißt, dass die ManMun dich heile lassen wird, scheint die Risikobereitschaft deutlich größer zu sein. Im wahren Einsatz wage ich das stark zu bezweifeln ...
Ich denke, dass das persönlich sehr sehr unterschiedlich ist. Schließlich hört man von vielen vermeintlich mental gefestigten Soldaten, die im nachhinein doch nicht ganz so gut damit klar gekommen sind. Die Psychologen geben vorab schon ihr Möglichstes um offensichtlich labile/vortäuschend gefestigte Personen auszumustern. Aber letztlich gibt es auch die, die sich selbst zu gut einschätzen und dadurch auch nach außen ein verkehrtes Bild projizieren. 

Meiner Meinung nach wird von vornherein schon gute "Prophylaxe" betrieben. Und für die, die es doch trifft, gibt es durchaus sehr gute Versorgung und Hilfe! Also ist die Nachsorge gegeben. Um das Zitat:"Si vis pacem, para bellum" zu entfremden: Ich denke, dass in diesem Sinne alles Mögliche bereits betrieben wird! Aber deutlich wichtiger ist, dass Betroffene im nachhinein nicht fallen gelassen werden, sondern angemessene Hilfe erhalten. Und wenn man etwas schon nicht weiter verhindern kann, sollte man einfach dafür sorgen, dass man die Folgen bestmöglich abfangen und behandeln kann.

Antwort
von tryanswer, 26

Man könnte die Soldaten schon vorbereiten, allerdings lassen das die bestehenden Gesetze nicht zu. So bleibt nur besonders anfällige Personen im Vorfeld auszusortieren und die auftretenden Fälle im Nachhinein zu behandeln.

Kommentar von 19Sunny96 ,

In wie weit lässt das Gesetz das nicht zu?

Kommentar von tryanswer ,

Nicht jede Form der Ausbildung ist rechtlich zulässig, so dürfen bspw. die Persönlichkeitsentwicklung sowie die körperliche Unversehrtheit der Soldaten nicht beeinträchtigt werden. Ohne diese Möglichkeiten ist es jedoch kaum möglich die notwendige Brutalisierung zu erreichen.

Ich will jetzt keinen langen Aufsatz über die theoretischen Grundlagen von Soldaten halten, aber mit dem Zeigen von ein paar Bildern, läßt sich einer PTBS nicht entgegenwirken.

Kommentar von 19Sunny96 ,

In wie weit darf die Persönlichkeitsentwicklung nicht beeinträchtigt werden? Was ist das wieder für ein Quatsch?! Damit wäre ja sämtliche politische Bildung oder "Verhaltensformung" verboten! Jeder Befehl, der zur Ordnung erziehen soll wäre somit strafbar? Politische Bildung, die zusätzlich charakterbildend ist, steht auch unter Strafe? Wäre mir neu ...

Das sehe ich wiederum absolut genau so ... Aber sämtlich andere Maßnahmen pauschal als verboten zu postulieren, halte ich für zu voreilig. Ich denke, dass durchaus psychologische Konzepte erarbeitet werden können, die weit vor der brutalen Verstümmelung ansetzen! ;) Beispielsweise Konzepte wie autogenes Training oder Stressbewältigungsstrategien.

Kommentar von tryanswer ,

Ich werde es mal vorsichtig und in einfachen Worten formulieren: Die Gesellschaft würde es kaum für gut befinden, würde man in der Psyche der Soldaten "rumpfuschen". Es gibt verschiedene - durchaus einfache - Mittel und Wege um die gewünschte Wirkung zu erzielen - dabei geht es jedoch nicht um Streßbewältigung, sondern der "Ausschaltung" von Streß bzw. eines "positiven Streßerlebnisses".

PTBS resultiert nicht daraus, das jdm. "mal einen stressigen Tag hatte", die Ursache liegt darin, daß sich eine Person "plötzlich" in einer Umgebung befindet, die nach einem gänzlich anderem "Bewertungssystem" funktioniert, als er es von Zuhause gewohnt ist. Um jdm. in diese Umgebung zu adaptieren, müßte man das individuelle "Bewertungssystem" dem "Bewertungssystem" der neuen Umgebung anpassen.

Das Problem ist nun, das solche Persönlichkeiten gewisse Probleme in einer Zivilgesellschaft bereiten könnten/würden und eine Abwägung getroffen werden muß, in wie weit dieses akzeptiert werden kann.

Wenn du nun von politischer Bildung oder Charakterbildung redest, sprichst du von einer völlig anderen Qualität der Beeinflussung, als ich es tue. Ich habe bewußt den Begriff der "Persönlichkeitsentwicklung" anstatt "Persönlichkeit" gewählt, um den Unterschied herauszustellen. Wenn Personen eine Bildung erhalten, bleibt ihnen am Ende die freie Entscheidung, wie sie damit umgehen, wenn man jedoch bestimmte Mechanismen "bearbeitet" ist eine freie Entscheidung nicht mehr möglich.




Kommentar von 19Sunny96 ,

Den letzten Absatz sehe ich nach wie vor anders.

Was mich allerdings interessieren würde: Wie genau denken Sie denn, könnte eine solche "Adaption" (wie Sie es nennen) oder auch Manipulation praktisch aussehen? Ich halte das für absoluten Sci-Fi-Hypothesen-Aberglaube. Diese Situation ließe sich GAR NICHT anders vorbereiten. Um es mit den Worten Hoffmann von Fallerslebens zu sagen:"Die Gedanken sind frei". Ich glaube, dass derartige Gedanken-/Gefühls-/Charaktermodellierungen praktisch (Gott sei Dank) unmöglich sind. Manipulationen in einem gewissen Rahmen sind mit Sicherheit möglich, aber keinesfalls so tiefgehend.

Antwort
von chanfan, 27

Auf die Folgen des Krieges vorbereiten.

An sich keine schlechte  Idee. Aber ein wissender Soldat ist dann automatisch ein ängstlicher Soldat, den man im Kampfeinsatz nicht gebrauchen kann.

Die Jung Soldaten werden soweit motiviert und hochgeputscht, so das sie sich über mögliche Gefahren oder geistigen Belastungen keinen Kopf machen.

Kommentar von 19Sunny96 ,

So ein Quatsch!

Kommentar von SimonEugenJosef ,

Das war im zweiten Weltkrieg tatsächlich so, möchte bei nichts behaupten aber ich meine dass die Amerikaner etwas ähnliches machen

Kommentar von 19Sunny96 ,

Gilt dann wohl Gott sei Dank nicht für deutsche Soldaten.

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