Ich habe mich immer schon gefragt, was mit den Anziehsachen passiert sobald man sie in den Container geschmißen hat. Wie werden die verteilt?An wen? Kann ich dabei sicher sein, dass die Sachen auch wirklich bedürftigen Leuten zukommt.

Da kann ich WirtWirt leider nicht Recht geben. Altkleider werden immer wieder -sofern möglich- verkauft, damit bei den Hilfsorganisationen Geld in die Kasse kommt. Die wenigsten Kleidungsstücke kommen auch dem Zweck zugute, für den sie gespendet wurden. Ohne jetzt Namen zu nennen: Es sind immer wieder Hilfsorganisationen wegen dieser Zweckentfremdung ganz massiv in die Kritik geraten. Damit will ich keinesfalls die Spendenbereitschaft eines jeden Einzelnen schmälern. Im Gegenteil, ich freue mich, dass auch in der heutigen Zeit noch so viel Spendenbereitschaft vorhanden ist.

Viele Altkleider werden sogar nach Südamerika vertickt, damit die Hilfsorganisationen damit Geld verdienen.
Das hat zur Folge, dass die heimischen Textilfirmen in Südamerika kaum noch mit den qualitativ relativ hochwertigen, aber spottbilligen "Spenden"-Klamotten aus Europa und vor allem Amerika standhalten können.
Das wiederum bewirkt eine noch höhere Arbeitslosigkeit, Armut und Verwahrlosung vieler Menschen in diesen Ländern.
Seitdem ich das in verschiedenen unabhängigen Dokus erfahren habe, werfe ich gebrauchte Klamotten in die Mülltonne.

Dann schreib ich mal, wie es wirklich ist, da ich über sieben Jahre in einer entsprechenden Branche gearbeitet habe: Die gesammelten Altkleider (Container oder carit. Sammlungen) werden von einer Firma aufgekauft und nach Gewicht bezahlt. Das ist das ganze Caritative an der Sache. Nun werden in der Firma die gesammelten Stücke auf Förderbändern - aber nur die noch tragbaren - sortiert nach Faser (Baumwolle, Wolle, Gemisch, Synthetik usw.). Danach werden diese Sachen - manchmal auch gleich beim Nach-Faser-Sortieren - in Körbe geworfen getrennt nach Hosen, Röcken, Kleidern, Unterwäsche, Strümpfen usw. Diese Sachen werden getrennt nach Kleidungsart und Material in alle Herren Länder verkauft, meist nach Libanon und Südamerika. Die nicht mehr tragbaren Sachen werden entweder so gemischt, wie sie gesammelt waren, vom Käufer erworben oder aber, was heutzutage meist geschieht, in Reißmaschinen gerissen und zu Putzlappen verarbeitet, die wir dann in all unseren Läden kaufen können (z.B. Chiffonette).
critter am 21. März 2007 02:09 Wir denken, wir tun den Menschen in der "Dritten Welt" was Gutes, indem sie unsere Kleidung auftragen dürfen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen dort, die bisher Kleidung selbst hergestellt haben, werden arbeitslos, vor allen Dingen die Frauen, die als Näherinnen tätig waren. Man nimmt ihnen durch unsere großzügige Spende den Lebensunterhalt. Wer keine Arbeit mehr hat, verarmt noch mehr und lungert notgedrungen nur noch herum.
Da kannst du dir sicher sein. Die meisten Kleider werden in zentrale Sammelstellen gebracht und dort sortiert (aussortiert) und gereinigt (gelüftet). Das Rote Kreuz, die Caritas etc. organisiert dann sogenannte Kleiderkammern wo man wie auf einem Flohmarkt unendgeldlich sich die passenden Sachen heraus suchen kann. Deine Kleiderspennde kommt also auf jeden Fall einem guten Zweck zu.
critter am 21. März 2007 02:06 Nein, das stimmt nicht. Und außerdem, versuche mal, bei der Caritas oder dem RK Kleidung abzugeben. Die sind so übervoll, und das für Jahre, die nehmen gar nichts mehr.

Im SPIEGEL 2/2006 Seite 60 - 66 unter dem Stichwort Globalisierung und der Überschrift: 'Das Hemd des toten Weißen' erschien ein Artikel der den Weg einer Bluse von Hamburg nach Ostafrika verfolgte. Auszüge: Die Deutschen bringen es jedes Jahr auf 600 000 Tonnen Altkleider, ein gutes Drittel in tragbarem Zustand, das sind etwa 300 Millionen Kleidungsstücke. Olaf Rintsch ist ein globaler Kleiderhöker. Er sagt: Sammelbehälter 64 kostet monatlich 64 Euro Standgebühr ans Kinderhaus. 500 Euro kostet seine Anschaffung, 50 Euro der Fahrer, Kleinlaster und Sprit; 47 cent Kilolohn fürs Sortieren. Er bezahlt 45 Sammler und Sortierer mit 1200 Monatslohn. Er besitzt 250 Behälter und jeder bringt im Wochenschnitt 45 Kilo Altkleider. ... Über Neapel kam obige Bluse nach Daressalam (Tansania). 1400 Dollar Frachtgebühr; der Zoll verlangt 7000 Dollar pro Container. Die Firma Mitumba King verteilt die Ballen im ganzen Land. Die Gefahr für die einheimische Textilindustrie ist 'of highest degree'(UNO-Bericht). ... Ein Verbot von Mitumba würde die einheimische Produktion nicht vor Billigimporten aus China schützen. Aber es würde ein Heer von Büglern, Schneiderinnen, Kleinsthändlern und Karrenschiebern arbeitslos machen. Ein Gucci-T-Shirt kostet 80 Dollar. Auf dem Mitumba-Markt kannst du eines für 5 Dollar finden. ... Die Kleidertonne Nummer 64 aus Eppendorf hat bisher eine Bürgerkriegswaise aus Jugoslawien mitfinanziert, hat Arbeit gegeben, einem afrikanischen Flüchtling in Rintschs Firma, einem LKW-Fahrer und einigen Neapolitanischen Knastentlassenen. Er hat Lothi glücklich gemacht und einem Kindergarten Gratisobst eingebracht. Er hat die Mediterranean Shipping Company und die Hafenaufsicht in Daressalam beschäftigt, diverse Karrenschieber ernährt, Träger, den indischen Zwischenhändler und seine bis Großbritannien verzweigte Sippe. Janeth Anthony hat fünf Ballen gekauft: Sie ernährt ihren Sohn, hilft ihrem arbeitslosen Bruder, außerdem sieben Sortiererinnen, der Verkäuferin, einer Babysitterin und sich selbst: Das sind zwölf Leute. ... Janie Lefèbre ist aus der Normandie gekommen, um ihre Tochter in Tansania zu besuchen. Sie feilscht um eine bestickte, schwere Sofadecke, gezeichnet Paloma Picasso. Sie zahlt 30 Dollar und bringt sie mit dem Flugzeug wieder mit nach Europa. Wenn sie sich an ihr sattgesehen haben wird, wird sie sie in die nächste Tonne werfen.
Hallo liebe Gemeinde. kürzlich stand ich vor der selben Problematik. Eine Gute Seite zum Thema Container hab ich hier gefunden: http://www.leifer-koeln.de/container.html
Ich hoffe es hilft euch weiter! Grüße
Jap, das hab ich auch schon gehört.