Frage von Manuel129, 32

wie werde ich nachsichtiger/zufriedener mit mir selbst?

Hallo:)

also ich habe ein Problem, welches mir heute mal wieder sehr stark ins Auge gesprungen ist. Ich zeichne oft und heute habe ich zum ersten Mal meine Zeichnungen jemandem gezeigt. Ich selber halte meine Zeichnungen nicht für schlecht, aber für 'nicht gut genug'. Jedenfalls hat mir heute eine Person gesagt, ich sei sehr gut und hat mich sehr lieb und großzügig gelobt.. obwohl die Person sicherlich keine Amateurin ist, habe ich mich irgendwie überhaupt nicht richtig gefreut.. ich dachte nur: ja okay aber es ist immer noch nicht gut genug. Und das obwohl ich noch nie Lob für meine Zeichnungen erhalten habe, da ich sie schließlich noch nie jemandem gezeigt habe..

Das gleiche gilt für andere Bereiche, beispielsweise sollte ich neulich einen Text zusammenfassen. Ich habe eine halbe Ewigkeit gebraucht den ersten Satz zu schreiben, weil ich mir ständig Gedanken gemacht habe, ob man nicht irgendwie besser einsteigen könnte. Nach dem ersten Satz habe ich dann abgebrochen und mein Grammatik-Buch aufgeschlagen, in der Hoffnung dass ich, sobald ich diese durchgearbeitet habe, den Text auch leichter schreiben kann, und das obwohl ich eigentlich sehr gut in deutsch bin.. Heute hat mir auch jemand die Frage gestellt, ob ich bei irgendetwas Spaß hätte, beispielsweise wenn ich zeichne, Sport mache, mich mit Leuten treffe, etc. und ich musste einsehen: eigentlich habe ich bei gar nichts wirklich Spaß.. Selbst wenn ich mich mit Leuten treffe stehe ich oft neben mir, achte auf meine Worte und analysiere nachher was ich für einen Mist gelabert habe..

Könnt ihr mir irgendwie helfen..?

Antwort
von vonGizycki, 6

Grüß Dich Manuel129!

Das ist eine Frage von Authentizität. Wenn Du wirklich bei Dir sein willst und das gilt besonders bei kreativen Tätigkeiten, ganz gleich ob Du Dich nun Künstler nennst oder nicht, dann solltest Du der sein, der Du bist. Und wenn Du merkst, das Du dabei bist, Dich zu verbiegen, dann entfremdest Du Dich von Dir selbst. Das gilt ebenso für das Reden und Ausdrücken eigener Gedanken. Du solltest wissen was Du sagst und warum.

***

Entfremdung meint im Extremfall eine Beziehungslosigkeit zu seinem ursprünglichen Wesen, wenigstens aber eine Störung. Künstlerisches Tätigsein jedoch verlangt, neben der Erlernung der Methodik, den authentischen Ausdruck.

Wenn Du also in Zukunft bei Dir selbst eine künstlerische Entwicklung wünschst und damit auch befürwortest, dann sollte Dir klar werden, das dieser Prozess immer neue eigene Seiten aufzeigt, die nach Ausdruck verlangen.

Was das Schreiben eines Textes angeht und da kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, denn ich habe schon sehr viel geschrieben und kenne daher dieses Phänomen. Es ist normal, das man oft nicht weiß, wie man einsteigen soll. Viele Schriftsteller fangen an und sitzen vor dem leeren Blatt Papier, schreiben etwas und dann wandert das Papier in den Müllkorb, weil es nicht gut genug erscheint. Irgendwann wird einem dann aber klar, was man will. Wichtig ist, das Du danach suchen musst, was das Wichtigste ist, was Du darlegen möchtest, den Hauptgedanken also!

Er muss Dir klar werden.

Und es gibt einige Regeln:

http://www.webwriting-magazin.de/guter-stil-klare-sprache-20-handwerkstipps-fuer...

Auch wenn es hier um Texte geht, die man ins Internet setzt, die Schreibregeln sind eigentlich dieselben.

Dieses Buch kann auch ungemein helfen, denn oft hat man nicht den genau treffenden Ausdruck im Kopf.

Textor - Sag es treffender

https://www.amazon.de/Sag-treffender-Synonym-W%C3%B6rterbuch-t%C3%A4glichen-Gebr...

Sowas hilft übrigens auch hervorragend beim Reden, denn die eigene Sprache wird vielfältiger.

Letzlich muss man aber sagen: Je mehr man sich auseinandersetzt, gerade auch mit sich selbst, desto besser wird man. Diese Auseinandersetzung solltest Du aber positiv sehen, im Sinne von Lernen und sich vervollkommnen und nicht sich selbst als ungenügend zu betrachten. Das ist unverzichtbar für jeden, der künstlerisch tätig ist und völlkig normal!

Das kostet Mut und Zuversicht. Nur so lernst Du wirklich!

Also: drauf und dran und sei unverzagt! :-)

Herzlichen Gruß

Rüdiger

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