Frage von BK1000, 70

Wie werde ich 2016 Pilot?

Ich träume schon seid meiner Kindheit davon Berufspilot zu werden. Nun habe ich Abi und gehe ein Studium an, doch irgendwie sympathisiere ich jetzt wieder mit dem Piloten Beruf. Gibt es Ratschläge wie ich das 2016/17 so angehen sollte? Wie sieht es momentan aus? Die Ausbildung bei einer FLuglinie ist wohl die am Erfolg verschprechenseste. In Deutschland gibt es da ja airberlin und Lufthansa. Bei Lufthansa scheint es mir so zu sein, dass sie momentan nicht ausbilden! Bei Airberlin stören mich 60000 Eur die mich belasten würden. Da schein mir die Lufthansa am sympatischsten zu sein. Ginge dies auch bei ausländischen Airlines?
An einer privaten Flugschule das zu machen wäre mir zu unsicher! Aber gerne auch Erfahrungen darüber raushauen. Danke im Vorraus

Expertenantwort
von ramay1418, Community-Experte für Pilot, 39

"Wie werde ich 2016 Pilot"? Gar nicht! 

Eigentlich wäre es ganz einfach: Bewerben, Ausbildung machen, Typerating bestehen, Tests bestehen, Lizenz erhalten, einsteigen, Türen schließen, abfliegen! 

Ein Problem: Mit dem Berufspiloten wird es in 2016 nichts! Ist ja klar, bei einer rund zweijährigen Ausbildung dauert es bis mindestens 2018. 

Die Ausbildung ist für alle EASA-Staaten standardisiert, d. h., Du kannst Dir in Europa aussuchen, wo Du die Ausbildung machen willst: Norwegen, Schweiz, England, Italien, Skandinavien, die baltischen Staaten usw. 

Eine private Flugschule macht wenig Sinn. Heutzutage ist es wichtig, an einer Schule die Ausbildung zu machen, die mit einer Airline kooperiert. OK, Ryanair ist eine Ausnahme, da sie nur "Ready Entries" einstellen, also externe Bewerber, einstellen, die schon Flugstunden gesammelt haben. Ob das aber in zwei Jahren auch noch der Fall sein wird, kann niemand sagen. 

Dass Dich bei AB die 60.000 € (mittlerweile 67.500 €) stören, hilft Dir nicht weiter, da die Kosten überall in vergleichbarer Höhe anfallen, sehr oft sogar mehr. 

Da hilft nur, sich bei den Airlines umzuschauen, welche eine Ausbildung UND danach einen Arbeitsvertrag anbieten. Dann bewerben und hoffen, dass es klappt. 

LH, die Bw und das DLR haben festgestellt, dass sich seit etwa 2003 die Zahl der Durchfaller nahezu verdoppelt hat - und das bei gleichbleibenden Anforderungen. Die Bewerber sind also dümmer geworden bzw. haben mehr persönliche Defizite. 

Deshalb laden die Airlines, wie andere Unternehmen auch, mehr Bewerber ein und können dann aus einem viel größeren Pool schöpfen, so dass es für den Einzelnen noch schwieriger wird, einen Cockpitplatz zu bekommen. 

Also, einen (sehr) guten Schulabschluss (obwohl die EU keinen bestimmten vorschreibt), keine Vorstrafen, keine Punkte, keine Drogen, keine anhängigen Strafverfahren - einfach ein lieber, netter Typ sein. 

Dann könnte es theoretisch klappen.  

Kommentar von BK1000 ,

Danke für die Antwort.

Ich meinte das mit 2016 so dass ich 2016 anfangen wollte! Mir ist schon klar das ich nicht in einer woche pilot werden kann :). Es gibt zu meiner frage ja schon viele threads. Nur schienen mir die meisten sehr alt zu sein, da man sich bei der Lufthansa momentan nicht bewerben kann!

Mit den Kosten muss ich mich abfinden. Das ist ja das Haupt Problem. Ist halt nur ziemlich krass als 19 jähriger ohne Einkommen mit solchen zahlen/schulden/kosten konfrontiert zu werden. Wo bekomme ich das geld her?Aber die Airlines die ausbilden bieten wahrscheinlich meistens auch finanzierungsmöglichkeiten an.

Bist du Pilot? 

Kommentar von ramay1418 ,

"Ich meinte das mit 2016 so dass ich 2016 anfangen wollte!" 

Das wiederum war mir bewusst, aber in der Luftfahrt zählen klare Ansagen, um a) Irrtümer zu vermeiden und b) im Notfall keine Zeit zu verlieren. Daher mein Gag mit der Ansage, dass es dieses Jahr nicht mehr klappen wird ;-) 

OK, zum Thema: 

Viele Tausend Flugschüler haben es vor Dir geschafft; und das trotz hoher Kosten, geringem / gar keinem Einkommen und fehlender Oma mit Sparbuch. 

Auch die Airlines wissen ja um das Problem und bieten verschiedene Finanzierungsmodelle an. Das geht von monatlichen Raten über gleichgroße Teilbeträge oder vielleicht Finanzierungszusagen darauf spezialisierter Banken. 

Mir fallen da LH, AB, BA, Emirates und SWISS ein, die es unterschiedlich handhaben. 

Und nein, ich bin kein Pilot. Ich war immer auf der "dunklen Seite der Macht", sprich, beim Bodenpersonal; zuletzt Teamleiter "Flight Crew Licensing" in der Hauptabteilung "Crewtraining / Trainingstandards" einer großen europäischen Airline. 

Da hatte ich dann natürlich auch mit den Kollegen von anderen Airlines, Luftfahrtbehörden und Flugschulen zu tun und kenne deshalb die Problematik (nur) ein wenig.  

Antwort
von 2dave, 34

Ich bin zwar kein Pilot, aber ich antworte trotzdem.

Dass Du in dem Job die Ausbildung selber finanzieren musst, ist normal, da wirst Du nicht drumrumkommen. Ich glaube bei der Lufthansa bist Du sogar im sechsstelligen Bereich (früher war es aber so, dass man da dann auch eine Job-Garantie hatte und die Möglichkeit, dass quasi zinslos abzuzahlen).

Hier mal einen Podcast, den ich selber zum Thema gehört habe, der Dir weiterhelfen dürfte:

http://www.wrint.de/2013/10/23/wr216-anruf-im-cockpit/

Bei mir war es auch so, dass ich, seit ich acht bin, Pilot werden wollte. Der Traum blieb allerdings recht lange auch über die Lego-Phase hinaus. Leider habe ich das später aufgegeben!!!

Heute bereue ich das zutiefst, denn ich hab gemerkt, dass es immer noch ein Traum wäre (überlege gerade einen Pilotenschein für was einmotoriges zu machen)

Daher mein Tipp, wenn Du es wirklich willst: Bleib dran! Kämpf dafür! Die Aufnahmebedingungen sind hart, aber versuch es wenigstens! Wenn es nicht klappt, kannst Du Dir sagen, dass Du es wenigstens probiert hast.

Irgendwas "normales" wie eine BWL-Studium läuft Dir nicht weg, das kannst Du auch mit 30 noch machen. Beim Piloten ist der Zug irgendwann abgefahren.

Und sch... drauf, wenn Du da ein Jahr "verlierst". Nach dem Abschluss macht man sich da immer so wahnsinnig viel Kopf darum, Zeit zu verlieren. Aber das ist großer Quark. Lieber mal eine Sache versuchen und einen Traum verfolgen, als es später bereuen.

Kommentar von BK1000 ,

Danke dir! Der pod cast war sehr interessant.

Antwort
von LukasVoss, 31

Nabend!

Wenn Du Abi und einen Studienplatz hast musst Du für Dich entscheiden, was Dir lieber ist. An Deiner Stelle würde ich mich erst absichern, bevor ich die Lizenz mache. Habe ich genauso gehandhabt.

Klar kannst Du Dich bei einer Airline bewerben, die selber ausbildet. Bedenke aber, dass es die LH die nächste Zeit nicht tut! Ins Ausland kannst Du auch gehen. Entweder so oder Du bewirbst Dich bei AB bzw. einer freien Flugschule, was allerdings - wie Du richtig schriebst - ein Risiko darstellt. Auch deswegen sage ich das mit dem Absichern.

Knapp 70.000 € sind zwar viel, können dann jedoch nach Arbeitsbeginn in moderaten Ratenzahlungen abgeleistet werden. An einer freien Flugschule fallen die Kosten viel höher aus, da man wirklich die ganze Summe selber bezahlen muss. Das können dann schonmal 100k oder mehr sein.

Ich persönlich habe meine Lizenz an einer freien Flugschule gemacht mit Kosten um die 90k, die ich gegenwärtig noch abbezahle bei meiner Bank. Habe dann etwas über ein Jahr warten müssen und bin schließlich bei der AB untergekommen, wofür ich mehr als dankbar war.

Aber Du musst da selbst für Dich entscheiden, was das Richtige ist. Das können wir Dir nicht sagen. Schau Dich einfach mal bei verschiedenen Airlines um - nicht nur in Deutschland!

Kommentar von BK1000 ,

Dankeschön! Eine Absicherung ist da sicher ein gutes Stichwort. 

Mein Gedanke ist nur: 3-5 weitere Jahre ohne Job mit Gehalt? Danach glaube ich das ich auch erstmal arbeiten würde anstatt ne pilotenausbildung anzugehen. 

Wie alt warst du als du sie begonnen hast?

Oder hast du sie nebenbei gemacht (modular heißt das glaube ich)?

Und hast du damit große Probleme gehabt einen Job zu finden. Hast du das Type Rating da gehabt oder bei ab?

Kommentar von LukasVoss ,

Ich habe mit 21 Jahren angefangen, habe vorher eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht. In dem Beruf habe ich auch noch gearbeitet, während ich meine Lizenz erworben habe.
Ich habe damals auf der Piper PA 44 gelernt und anschließend nach erfolgreichem Erwerbs der CPL(A) das Typerating auf die B737 gemacht.

Ja, es war schon mit Geduld verbunden, bis ich in einem Unternehmen unterkam. Ohne Fleiß keinen Preis. ;)
Bei der AB musste ich dann - geschuldet der Tatsache, dass die AB damals schon mehr Kutscher als Sitze in ihren 737 hatte - das Typerating auf den A320 machen. Ganz schöne Umstellung, das kann ich Dir sagen. ;)
Dass ich dann ein paar Jahre später wieder zurück auf die Boeing kam hätte ich auch nicht gedacht.

Kommentar von BK1000 ,

Sehr interessant! Eine Ausbildung ist da natürlich besser als ein Studium. 

Aber grundsätzlich sollte es ja kein Hindernis sein mit 25 erst anzufangen.

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