Frage von Obstasi, 66

Wie weiter vorgehen - Schadensanzeige?

Guten Tag,

ich habe heute einen Brief unserer Kreisverwaltung bekommen indem ich aufgefordert werde 882€ an eine Elektrofirma zu bezahlen, da ich den Blitzableiter an der erweiterten Realschule bei mir in der Nähe kaputt gemacht hätte. Kurz zur Vorgeschichte: Die besagte Schule war damals noch eine Grundschule (auf die ich gegangen bin). Sie grenzt direkt an ein Hallenbad welches zur Schule dazu gehört. Bereits in der Grundschule sind wir über eine Mauer auf das Dach vom Hallenbad geklettert und haben dort gechillt und blödsinn gemacht (Was man als 6-10 jähriger halt so macht). Vor einem Jahr, am 23.05.2015 war ein Freund aus Wiesbaden zu besuch und da dieser einige private Probleme hat, wollten wir miteinander sprechen. Ursprünglich wollten wir dazu auf den Schulhof, allerdings war dort 'ne Gruppe von Leuten die mega laut waren und nur dumm gemacht haben. Also hab ich ihm den Weg aufs Hallenbad Dach gezeigt und wir sind hoch. Da dort viel Graffiti gemalt wurde, wurden Securitys eingestellt (was wir nicht wussten) und diese haben dann, weil sie dachten wir würden sprayen die Polizei gerufen. Diese hat uns dann eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch geschrieben, aber weder in der Anzeige, noch bei der Aussage auf dem Revier wurde einer von uns darauf hingewiesen, dass etwas kaputt gegangen sein soll. (Wir sind nicht am Blitzableiter hoch gegangen sondern über die Mauer dementsprechend können wir ihn nicht kaputt gemacht haben.)

Nun zu meinem Problem: Diese Aktion ist wie gesagt bereits über ein Jahr her und heute habe ich den Brief mit der Schadensforderung bekommen. Ich bin sofort zum Anwalt, weil ich überhaupt nicht einsehe für etwas zu bezahlen was ich nicht gemacht habe. Das wir unrechtmäßig auf dem Dach waren ist ok, wir haben unsere Strafe auch in Form einer Anzeige und Sozialstunden bekommen. Zu meinem Erstaunen meinte dieser dann, dass ich wohl nicht ohne eine Klage drumrum kommen würde die Summe zu bezahlen. WIESO?! 1. An der Stelle wo wir hoch sind ( und später in Polizeibegleitung wieder runter) ist überhaupt kein Blitzableiter. 2. Wurde ich wie gesagt zuvor nirgendwo darauf hingewiesen, dass etwas kaputt gegangen sein soll, auch im Polizeiprotokoll war kein Wort davon zu finden. 3. Ist es über ein Jahr her und in der Zwischenzeit waren mehrere hundert! Leute auf dem Dach, also wie wollen die bitte nachweisen, dass ausgerechnet ich das war?! 4. Wird derzeit an der Schule gebaut. Sollte der Schaden damals schon entstanden sein, wäre er wohl auch damals schon repariert worden. Die Rechnung vom Elektriker wurde allerdings erst vor 2! Wochen geschrieben.

Wie sollte ich weiter vorgehen? Ich sehe nicht ein für etwas knapp 1000€ zu latzen, was ich nicht gemacht habe. Zudem dachte ich gilt in Deutschland der Leitsatz: Im Zweifel für den Angeklagten( und es gibt keinen einzigen Beweis), mein Anwalt meinte aber es greife eine Klausel, da wir ja oben waren.

Danke schon mal im voraus.

Antwort
von Vollstreckerin, 24

Hallo,

dass Ihr unrechtmäßig auf dem Dach gewesen seid, ist bewiesen. Wie Ihr da hoch und runter gekommen seid, ist erstmal unwichtig, weil das unbewiesen ist.

Alle Deine Argumente, dass Ihr den Schaden nicht verursacht hättet sind ebenso unwichtig, da sie unbewiesen sind.

Der Anspruchsteller behauptet halt, dass Ihr den Blitzableiter kaputt gemacht hättet im Zusammenhang mit Eueren rechtswidrigen Aufenthalt. Seine Behauptung ist dem Anscheine nach bewiesen.

Du kannst jetzt das Gegenteil behaupten, das wird aber sehr vermutlich nur Sinn haben, wenn Du es auch beweist.

Deine Weisheit "Im Zweifel für den Angeklagten" gilt hier nicht, wir sind im Zivilrecht, nicht im Strafrecht. Die strafrechtliche Seite der Angelegenheit ist abgehandelt, wie Du selbst schreibst. Es gibt keinen Angeklagten, aber zukünftig einen Beklagten, nämlich vermutlich Dich. Im Zivilrecht gibt es nur Kläger, Beklagte und noch paar evt. andere Beteiligte.

Es reicht nicht, die Behauptungen des Anspruchstellers nur zu bestreiten, das ist unsubstantiiert und unbewiesen, wie der Jurist sagt. Aber selbst wenn Dui Deine bestreitenden Behauptungen mit substantiierenden Fakten unterlegst, dürfte das noch nicht reichen, um die relativ starke Darlegung und Beweisführung der gegenseite ins Wanken zu bringen.

Was Du tun sollst, mußt Du Dir schon selbst überlegen. Du hast Dir den Scheißdreck ja auch überlegt.

Man kann Dir sachbezogene, juristische Ratschläge geben, entscheiden mußt Du schon allein. Wir hier, waren doch alle nicht dabei.

Du sagst, dass Ihr den Schaden nicht verursacht hättet. Das kann sein. Darauf kommt es azuch nicht an.

Es ist allgemein im Leben häufig so, dass man im Recht ist, es aber nicht beweisen kann, wenn man was Dummes gemacht hat, z.B. aufs Dach vom Hallenbad klettern, ist es i.a.R. immer so, dass man die A...-Karte gezogen haben könnte und nicht für den nicht verursachten Schaden muß man dann 1.000,00 EUR zahlen, sondern für die Dummheit!

Zwischen Recht haben und Recht kriegen ist in Deutschland oft ein himmelweiter Unterschied. Das ist nicht nur so dahergesagt, sondern selbst in jahrzehntelanger Berufspraxis hautnah nachempfunden. Viele verwenden diesen Spruch so als leere Worthülse; bei mir ist er mit Leben erfüllt.

Viele Grüße Vollstreckerin

Antwort
von priesterlein, 39

Suche dir einen anderen Anwalt und lasse ihn die Beweise einsehen. Ohne Beweise der Beschädigung durch euch gibt es auch keine von euch zu bezahlende Rechnung. Die Anwesenheit ist kein Beweis, wenn euere Wege nichts mit dem Blitzableiter zu tun hatten. "Da greift eine Klausel" ist absoluter Quatsch. Entweder der Anwalt redet Klartext oder er will euch verarschen.

Kommentar von Obstasi ,

Der Anwalt ist ein guter Bekannter von uns und hat uns auch schon oft geholfen, deshalb hatte ich Vertrauen. Er meinte, dass wir die einzigen dokumentierten Personen auf dem Dach waren und dementsprechend niemand anderes als Täter in Frage kommen würde. Weiß nicht mehr genau wie die Klausel lautete aber in die Richtung 

"Der Beweis des ersten Anscheins".

Ich bin leider kein unbeschriebenes Blatt, dass dürfte in dem Fall aber ja wohl keine Rolle spielen.

Kommentar von priesterlein ,

Ja, ok, der Anscheinsbeweis. Er zählt nicht, wenn ihr nicht am Blitzableiter wart. Er behandelt Beweise, die man aus anderen Beweisen ziehen kann. Anwesenheit ist aber eben kein Beweis einer Beschädigung. Deine Vergangenheit sollte nicht zählen, kann aber bei der Beurteilung deiner Glaubwürdigkeit eine Rolle spielen.

Wenn die Firma eine Rechnung an euch stellt, muss es eine Grundlage geben. Ich nehme an, dass du nicht den Auftrag zur Reparatur des Blitzableiters gabst. Der, der den Auftrag gab, bekommt die Rechnung und kann dann im Gegenzug versuchen, einen Schuldigen zu finden. Direkt eine Rechnung an dich widerspricht erst einmal jedem Gesetz. Es liegt an deinem Anwalt oder an dir, nachzufragen, wieso sie dir eine Rechnung stellen.

Kommentar von Xipolis ,

Wichtig ist, dass Du oder Dein Rechtsanwalt aktiv wirst und der Forderung eindeutig und nachweislich widersprichst. Normalerweise müsste das Dein Rechtsanwalt für Dich machen. Dann muss die Gegenseite klagen.

Antwort
von Ontario, 4

Ok, Dummheiten macht man hin und wieder. Dass das Dach des Hallenbades kein Aufenthaltsplatz sein kann, dürfte verständlich sein. Ich würde noch einen anderen Aspekt sehen, nämlich den, warum es überhaupt möglich ist auf das Hallenbaddach steigen zu können ? Es bestünde doch die Möglichkeit eines Absturzes vom Dach, oder ? Jetzt zum eigentlichen Problem des Schadens am Blitzableiter. Der Träger behauptet, dass ihr den Schaden verursacht habt. Da wäre er aus meiner Sicht beweispflichtig. Er müsste also beweisen können, dass ihr den Schaden am Blitzableiter verursacht habt. Verurteilt werden kann man eigentlich nur, wenn eine Schuld nachgewiesen ist. Das alleinige Aufsteigen auf das Dach des Hallenbades muss ja nicht heissen, dass dadurch der Blitzbaleiter auf dem Dach von euch beschädigt wurde. Das ist zunächst eine Vermutung und noch lange kein Beweis. Wenn dann nach längerer Zeit eine Rechnung von einer Elektrofirma kommt, würde ich diese nicht bezahlen, weil ich nicht Auftraggeber für eine Reparatur gewesen bin. Es gilt immer noch, wer bestellt bezahlt.  Ich würde die Rechnung an den Aussteller zurückschicken und ihm mitteilen, dass ich nicht Auftraggeber für die Reparatur bin und er möge die Rechnung an den Auftraggeber ausstellen und ihm diese zuschicken. Lehne auf jeden Fall die Zahlung ab. Was solltet ihr denn an der Blitzableiteranlage beschädigt und somit Kosten in Höhe von 1000.--€ verursacht haben ? Diese Blitzableiter auf Dächern sind in aller Regel stabil verlegt und an Haltepunkten fixiert. Da ihr aber auf dem Dach gewesen seid, nimmt man eben an, dass ihr den Schaden verursacht habt.  Mich würde mal interessieren, welche Art Schaden euch unterstellt wird ? Offenbar hat man jetzt mal auf dem Dach eine Begehung gemacht und festgestellt, dass an der Blitzableiteranlage Schäden sichtbar sind. Du hattest eben das Pech, dass dieser Vorgang polizeilich dokumentiert wurde und man dich demzufolge als den Schadensverursacher ausmacht. Ich würde es in diesem Falle auf eine Klage ankommen lassen. Da du bereits für das unberechtigte Betreten des Hallendaches eine Strafe bekommen hast, könnte es sein, dass ein Richter die Angelegenheit für dich, als erledigt ansieht. Du wegen fehlendem Beweises als Schadensverursacher für den Schaden letztendlich nicht aufkommen musst. Ob ein Richter so entscheidet, kann man nicht im voraus sagen. Denkbar wäre es. Denkbar wäre aber auch eine andere Entscheidung des Richters. 

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community