speedy72 am 13.03.2008 um 20:24 Uhr
Ich habe vor 4 Jahren eine Umschulung zur Bürokauffrau abgeschlossen, aber nur 3 Monate und das nur als Aushilfe im Büro gearbeitet. Dann als Verkäuferin, weil ich im Büro nichts gefunden habe, wegen zu wenig Erfahrung! Jetzt habe ich eine Weiterbildung in Buchhaltung, Rechnungswesen, Lohn & Gehalt hinter mir, also frisch von der Bank, ABER wieder keine Berufserfahrung. Dann holt man sich Hilfe bei Zeitarbeitsfirmen oder private Arbeitsvermittler, die einem dann DIREKT Jobs anbieten, was mit der Weiterbildung und dem Berufsstand gar nichts zu tun hat. Wie sollte man sich da am Besten verhalten und muss man sich für niedere Dienste hergeben?

Ehrlich gesagt betrachte ich Geldverdienen nicht als "Erniedrigung". Hauptsache, man muss nicht von staatlicher Unterstützung leben. Oder gibt es arbeitende Bevölkerung, die "unter" Dir steht? Ich habe jedenfalls weniger Hochachtung vor einem arbeitslosen Professor als vor einer schwer arbeitenden Toilettenfrau.

Der Schritt vom Bauingenieur zum Handwerker ist auch kein Aufstieg, aber es geht ! Mache Deinen Arbeit und empfehle Dich durch Leistung für bessere Tätigkeiten.
LG....strick
um erfahrungen im berufsleben zu sammeln, sollte man sich nicht zu fein sein auch erst einmal klein anzufangen.
dazu gehören eben auch tätigkeiten, die niedere dienste sein können.
speedy72 am 13. März 2008 20:35 Ich bin, wenn ich das mal erwähnen darf, 35 Jahre alt, ich habe in einer Putzfirma gearbeitet, in einer Textil-Reinigung, als Zimmermädchen, Regale aufgefüllt usw., ich weiß was niedere Arbeiten sind, wo man nur noch ausgebeutet wird! Ab einem gewissen Alter sollte man angemessen behandelt werden, oder?
HerrLich am 13. März 2008 20:42 Das ist keine Altersfrage, sondern eine Frage der Ausbildung. Oder glaubst Du, dass jeder 60jährige automatisch Anspruch auf eine gehobene Position haben sollte?
speedy72 am 13. März 2008 20:48 Welche Ausbildung???
regideur am 13. März 2008 21:04 Hallo speedy72, das Du arbeiten kannst hast Du schon bewiesen und bestreitet hier sicher keiner. Auch das Du Dich weiterbildest kann man Dir nicht hoch genug anrechnen. Was in Deinem Lebenslauf fehlt ist der "ROTE FADEN". Es mag jetzt sicher von mir ungerecht sein aber ich denke Du solltest wissen in welche Richtung Dein weiteres Leben gehen sollte und dieses Ziel auch ganz gezielt verfolgen. Du hast Dir eine sehr gute Grundlage geschaffen. NUTZE SIE! VERLANGE ABER AUCH NICHT ZU VIEL!!!! Sammle Berufserfahrung auch mal eine Stufe tiefer Du brauchst sie dringend! Nur so kannst du zeigen was Du kannst und was in Dir steckt. Die Möglichkeit des Aufstieges wird sich dann auch ergeben.
anonym09 am 13. März 2008 21:17 Bin gerade in einer ähnlichen Situation. Bisher eigenständig mit Angestellten und mit hohem Ansehen, habe ich durch Trennung und Umzug auch noch mal von vorn angefangen. Obwohl ich in meinem Beruf arbeite, muß ich in der Hirarchie ganz unten anfangen.
Mir fällt es auch schwer, die Zähne zusammen zu beißen, aber ich bin froh, Arbeit zu haben. Guck mal Nachrichten. Es werden immer wieder Firmen geschlossen und verlegt und Leute entlassen.
Die Zeit, als ich zu Hause war (2 Monate), hat mir wirklich gereicht. Ich dachte immer, wenn ich mal keine Arbeit habe, genieße ich das. Irrtum. Jeden Morgen der Gedanke daran, das ich den Tag nicht sinnlos verplempern darf, im Hinterkopf die Angst, keine Arbeit zu finden, doch schon zu alt zu sein. Mein Selbstwertgefühl kam ganz schön ins wanken.
Obwohl ich gerade ganz schön getrietzt werde, weiß ich, der Tag wird kommen, da bekomme ich meine Genugtuung. Darauf freue ich mich schon jetzt! Und das hält mich oben. Ich drück dir die Daumen, das du irgendwann den Platz findest, an dem du dich wohl fühlst!

Nur wer hochmütig ist kann erniedrigt werden.
Wenn ich denke, ich bin was Besseres, kann - nein es wird mir unweigerlich passieren, dass ich auf die Schnauzue falle.
Das Leben ist gerecht, wir merken es nur nicht immer und schon gar nicht sofort.
Ich war mal Abteilungsdirektor und dann von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Aber ich habe gelernt, dass das keine Erniedrigung, sondern lediglich eine Erfahrung ist.
Und heute blicke ich sehr dankbar auf diese Erfahrung zurück.
Schau dir das ganze an - und frage dich, was das Leben dir damit sagen will...
alles Gute für dich+
speedy72 am 13. März 2008 21:39 Ich muss schon sagen da bin ich sprachlos! Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, Danke! Nur ich bin ehrlich, als Hochmütig kann ich mich nicht bezeichnen, denn ich habe einiges an 'niederen' Arbeiten geleistet, kann ich mit Stolz behaupten, ich habe auch Toiletten geputzt, Zimmer gereinigt, bin so putzen gegangen, war mir und bin mir für Nichts zu schade! Ich danke dir nochmals für deine aufmunternden Worte!
Luise am 13. März 2008 22:22 Super Antwort. DH für Dich Raimund.
Raimund1 am 13. März 2008 22:26 speedy, ich kenne das, was du beschreibst, habe auch schon Klo geputzt. Und glaub mir, ich habe dich auch nicht als hochmütig empfunden+ Ich wünsche dir einen guten Weg, alles Liebe
Ich denke man sollte jeden Job anehmen für den es gutes geld gibt Besser als Von Hartz oder ALG zu leben
Gruss

naja, das, was du als niedere Dienste bezeichnest, ist immer noch besser, als arbeitslos zu sein. Dann nimm so einen Job an, und bring dich dort aber gut ein und glänz mit Fachwissen. Dann wirst du auch eher von diesen Firmen in erwägung gezogen, wenn mal ein Job frei wird, der deinen Qualifikationen entspricht.
Brigitta am 14. März 2008 02:02 Super Antwort. DH

Da Dir ja tatsächlich die Berufserfahrung fehlt solltest Du eine Stufe tiefer anfangen. Besser eine Stufe tiefer und Arbeit, als auf Zeugnisse zu verweisen und Daheim sitzen.
strick4a am 13. März 2008 20:31 ...DH...
HerrLich am 13. März 2008 20:43 Sowas haben wir auch im Freundeskreis. Der promovierte Biologe sitzt lieber zu Hause, weil er sich zu "fein" für viele Tätigkeiten ist. So geht sein Leben dahin, ohne dass er eine Familie gründen kann und und und.
regideur am 13. März 2008 20:47 Viel scheint ihm seine Bildung ja nicht genutzt zu haben oder er kann (will) sie nicht einsetzen. Schade eigentlich.

Außerdem ist es immer leichter, praktisch aus einem Job heraus einen anderen zu finden, als aus der Arbeitslosigkeit heraus. Und auch größere Lücken im Lebenslauf können so vermieden werden!

Nach einer bestimmten Zeit der Arbeitslosigkeit musst Du jede Arbeit annehmen, spätestens beim Arbeitslosengeld II. Dann "darfst" Du auch als Klofrau eingesetzt werden. Nichts gegen diesen Berufsstand, aber so ist die Lage - leider!

Ist aber ziemlich viel was du bisher gemacht hast ! Wenn ich sowas schon höre - zu wenig Erfahrung...denke mal das du einiges kannst, und wenn dein Arbeitgeber anderer Meinung ist, soll er halt die was beibringen... Und zu Zeitarbeitsfirmen würde ich an deiner Stelle nicht gehen, versuch lieber weiter zu suchen!

Ich wäre ja froh, wenn mir jemand eine "niedere" Arbeit anbieten würde! Aber mich nimmt keiner mehr weil ich fürs Arbeiten "zu alt und zu krank" bin!! Nimm also was du kriegen kannst, bevor du wie ich ohne eigenes Einkommen leben mußt!! Ich bin auf die Rente meines Mannes angewiesen. Arbeit ist keine Schande, egal was du tust - es muss immer jemand da sein der auch die "niederen" Arbeiten macht!!
speedy72 am 13. März 2008 20:40 Das tut mir leid, ich kenne das aus dem Bekanntenkreis, eine Freundin ist erst 45 und schon zu alt, meinte der Personalchef beim Vorstellungsgespräch, nett! Ich wünsche dir aber trotzdem gute Besserung! Ich schaff das mit dem arbeiten schon, egal wie!
wuschel55 am 13. März 2008 20:54 Nun, ich werde demnächst 56 und bin trotzdem zu jung für die Rente - und gesund werde ich auch nicht mehr - das was ich hab bleibt mir für den Rest meines Lebens erhalten! Aber trotzdem Danke für deinen Wunsch!

Tja, aber ich stehe momentan unter ziemlichen Druck, bekomme ab 7. April ALG II, leider, seh aber zu bis dahin etwas zu haben egal was! Mein Mann ist seit 6 Jahren arbeitslos und hat in der Zeit nicht einmal einen Job angenommen, ich habe in der Zeit eine Umschulung gemacht, eine Weiterbildung, war immer wieder arbeiten und musste seit dem 01.01.2005 meine Lohnabrechnungen der Arge vorlegen, weil er ALG II bekommt, wurde dafür noch bestraft! Die wussten, dass ich meine Lohnabrechung immer erst am 10. bekam, aber die haben trotzdem gezahlt, dann wieder aufgrund der Abrechnung neu Berechnet und dann waren die der Meinung zuviel gezahlt zu haben. Seitdem bekommen wir Zahlungsaufforderungen, die letzte betrug 1.134,- €, unser 'toller' Anwalt hat uns nicht richtig geholfen, weil er kein Fachanwalt für Sozialrecht ist und hat die ganze Sache vermasselt! Zu guter Letzt kam dann Anfang diesen Jahres die Vollstreckungsankündigung, super! Ich musste mich bis jetzt um alles kümmern, weil der Herr keinen Bock dazu hat, ist ihm zuviel Aufwand, zuviel Rennerei, aber ich soll es machen. Durch wen sind wir denn in dieser Lage? Ich hab wenigstens zwischenzeitlich was gehabt, aber er in 6 Jahren NICHTS! Da platzt mir der Kragen, er ist derjenige dem sowas mal um die Ohren fliegen soll, nicht mir! Und dann meckert er noch rum, wenn ich für's Wochenende etwas zum Kellnern suche, um wenigstens etwas Geld zu verdienen; ich kann nicht warten bis mir jemand was anbietet, ich muss handeln, aber ich kann bald auch nicht mehr!
Wieselchen1 am 14. März 2008 23:23 Sorry, wenn ich mich hier einmische, aber warum setzt du ihn nicht vor die Tür? Der liebe Herr setzt sich bei dir ins gemachte Nest und lässt dich schuften bis zum Umfallen und du hast das Nachsehen. Liebe kann das ja nicht grad sein, was er für dich empfindet und Respekt schon grad gar nicht. Partnerschaft? Wenn der eine nur gibt und der andere nur nimmt und mit dem Genommenen noch nicht mal zufrieden ist?
Ich sage nur: Raus mit ihm, dann geht es dir erstens finanziell und zweitens auch seelisch besser. Und wenn du dann auch mehr Zeit für dich hast, klappt es bestimmt auch mal mit den Bewerbungen. Biete mal an, ein paar Tage/Wochen auf Probe zu arbeiten, erkundige dich bei der ARGE wegen Wiedereingliederungszuschuss - dann nehmen dich auch die Arbeitgeber mal gerne, wenn sie Lohnkosten sparen können.
Viel Glück!
speedy72 am 14. März 2008 23:54 Danke Tanzwiesel, das wurde mir schon von einigen gesagt und ich werde das auch in die Tat umsetzen, denn meine Kraft schwindet langsam und es war für mich grad eine Erholung eure lustigen Tags zu lesen und da ein wenig mitzumischen. Hach mir tut immer noch alles weh....
Wieselchen1 am 15. März 2008 01:15 Alles Gute für dich!

Pack doch einfach deine Chance, du mit dieser Ausbildung.
dh
Gut gebrüllt, Herrlich oder Löwe, aber: Es gab Zeiten, da hat es sich dieser Staat erlaubt, einem arbeitslosen Akademiker zunächst nur gleichwertige Arbeiten anzubieten; später hat man gemerkt, dass das nicht finanzierbar ist. So weit, so gut. Aber: Arbeit ist nun mal für uns Menschen nicht nur Broterwerb, sondern auch Selbstbestätigung und Ausdruck seines Selbstbewusstseins. Unter diesem Aspekt würde ich keinem Akademiker Faulheit vorwerfen, wenn er zunächst - auch heute - erst einmal versucht, eine Arbeit entsprechend seiner Qualifikation zu suchen. Und wenn das nicht klappt, dann muss er natürlich auch andere Arbeiten annehmen. Aber: wer will festlegen, wann der Akademiker für sich selbst begreift bzw. begreifen muss, wann der Zeitpunkt für ihn gekommen ist, in dem er andere Arbeit annehmen muss? Das kann ein zäher, mühseliger und von Selbstzweifeln begleiteter Prozess sein, der alles andere als leicht ist. Einem Professor Faulheit vorzuwerfen, weil er nach 3 Monaten nicht bereit ist, Toiletten zu reinigen, ist ausgesprochen lebensfremd und zudem menschenverachtend - deshalb menschenverachtend, weil eben dieser Professor auch nur ein Mensch ist, der hofft und hofft, doch noch eine seiner Qualifikation entsprechende Tätigkeit zu bekommen - oder eben eine ähnliche pp. Ich weiss, dass wir uns in diesem Land Gefühle im Arbeitsleben kaum noch leisten können, aber gerade das ist doch das, was es zu bekämpfen gilt! Wenn Mitarbeiter der Arbeitsagentur solche Forderungen stellen - wie obige - gehören sie selbst in die Arbeitslosigkeit! Die haben gefälligst dafür zu sorgen, dass auch Professoren eine angemessene Tätigkeit bekommen - mit allen Zwischenabstufungen, die vorstellbar sind. Und erst dann, wenn alles dies nicht möglich ist, muss auch ein Professor Klos putzen - und dann, wenn er selbst diesen Erkenntnis- prozees mitgemacht hat (nämlich den, dass trotz aller Bemühungen der Arbeitsagentur und seiner eigenen, andere zumutbare Tätigkeiten für ihn nicht vorhanden sind) - dann wird er es auch tun! Davon bin ich überzeugt. Übrigens: Die o.g. Menschenverachtung bezieht sich nicht auf das Kloputzen - das muss auch gemacht werden. Es bezieht sich auf eine pauschale Behandlung von Akademikern...
Nettes Statement, aber offensichtlich sehr an meiner Antwort vorbeigedacht. Noch dazu mit einer sehr eigenwilligen Interpretation. Faulheit? Ich lese nichts davon. Ich für meine Person wollte hier auch keine politische Diskussion lostreten.