Wie weit reicht die Buddhistische Achtung vor dem Leben?
Moin,
mich würde interessieren, wie weit Achtung der Buddhisten vor dem Leben geht.
Ich meine wirklich gläubige Buddhisten. Ich bezeichne mich zwar auch als Buddhist, da mein "Glaube" in diese Richtung geht, aber ich halte nicht alle Grundsätze dieser Lehre ein.
Nun würde mich aber mal interessieren, ob ein wirklich tief gläubiger Buddhist eine Mücke, die ihn sticht, zerschnipsen würde. Oder was er bei anderen Parasiten, machen würde.
Hat jemand zufällig eine Ahnung, wie ein Buddhist damit umgehen würde? Null - Toleranz, jedes Leben ist achtenswert, oder gibt es da eine Schwelle?
Oder muss jeder Buddhist das mit sich selbst ausmachen, bzw. ist das je nach Stilrichtung verschieden?
MfG
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Ein Buddhist sieht das Leben in seinen ewigen Ordnungen, ist dabei so von Gelassenheit gefasst, das er jedes Lebenswesen als wertvoll ansieht und nicht einmal einen Tautropfen der morgens von einem Blatt hängt absichtlich zerstören würde. Hier zeigt sich schon die Grundeinstellung, denn, da er nicht mal eine Mücke töten würde - obwohl die vielleicht nur wenige Stunden lebt -, würde er alles ihm mögliche tun, um diesen Moment zu vermeiden, aber gleichfalls unterscheidet er hier: wenn man mit dem Auto zur Arbeit fährt und danach die Frontschutzscheibe voller Fliegen hat, dann war das unabsichtlich, jedoch ist es das nicht, wenn er selbst aktiv eine Mücke zerschlägt. In vielen Religionen und auch im Zen, wird zwischen aktiver und passiver - hier heilender Rolle unterschieden. Er sucht also nach Wegen, die den Augenblick vermeiden.
Allerdings sieht er das auch als einen Selbstzweck, da man "gegeben haben braucht, um empfangen zu können". Dadurch, das er auf das Töten verzichtet, wird er an der Oberfläche empfänglich dafür, auch sein eigenes Leben verschont zu erfahren.
Ich meine, es heißt ja auch so, das Buddhisten nicht strikt kein Fleisch essen dürfen oder vielleicht so gar töten - wobei er hier in der Praxis die Zustimmung eines ihm rangmäßig untergeordneten Gliedes braucht, um selber zu töten.
Es ist jedoch auch klar, das man kein Leben bejahen kann, indem das Gegenüber nicht beachtet und lebenswertgeschätzt wird.
Hoffentlich konnte dir die Antwort helfen.
Lg ct
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Man ist nicht automatisch ein heiliger Mensch, weil man irgendeiner Richtung angehört. Der Buddhismus ist im Prinzip auch eine Lehre von der Konsequenz der Handlungen - in der juristischen Sprache nennt man das das Kausalitätsprinzip -wenn du das tust, dann sei die bewusst, wird das passieren. Man versucht sein allerbestes zu geben im Umgang mit anderen Lebensformen und nicht zu verletzen oder zu töten. Es geht immer um die allerbeste Motivation. Du darfst immer deine eigene Entscheidung treffen, solltest dir aber immer der Konsequenzen bewusst sein. Mit z.B.einem mehrfach schwerbehinderten Kind schwanger zu gehen und das im Vorfeld zu wissen, wäre so eine heftige Entscheidung zu treffen....
Und auch Buddhisten laufen durch eine Wiese oder Wälder... weiterdenken darfst du selbst ;-)
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Hallo Shogun1000, die Buddhisten sagen das JEDES Lebewesen in einem vorangegangenen Leben deine Mutter gewesen sein könnte, deshalb wird auch nicht unbedingt über eine grüne Wiese gegangen, man könnte ja einen Wurm zertreten. Aber auch die verschiedenen buddhistischen Schulen unterscheiden sich in der Ausübung der Achtung vor dem Leben. Aber kein Buddhist würde ACHTLOS eine Mücke zertrümmern. Er würde mit sich ringen, ob er es schafft die Mücke zu tolerieren. Zitat Dalei Lama:"Ich wache nachts auf und fühle mich gestört von der summenden Mücke. Ich möchte sie zerklatschen, doch dann erinnere ich mich: Das geht nicht, ich bin doch der Dalei Lama." Ich hoffe das hilft, mehr weiss ich leider nicht zum Thema :-) Gruß Rayzor
Kommentar von Shogun1000Shogun1000 07.02.2012Ja, doch. Das beantwortet meine Frage recht gut. Danke. :D
Kommentar von chintaochintao 09.02.2012Was der Dalai Lama damit aussagen möchte und wofür er sich in Öffentlichkeit damit repräsentiert, ist aber leider zum größten Teil rein auf seine Machtstellung bezogen, er sieht sich nämlich zum einen vor der Weltöffentlichkeit mit dem Bild des Buddhismus und zum anderen in seiner politischen Rolle als ein Führer, der sein Volk wieder haben will - die Rollen widersprechen sich wesentlich. Er hat auch gesagt:"wenn die vögel mich nicht schlafen lassen, wende ich eben gewalt an" - was ein richtiger Buddhist aber nicht tun würde, hier lässt sich auch viel auf Ghandis Aussagen rückschließen, der einen viel höheren geistigen Stand hatte. Das hat er gesagt, kurz bevor er zu einer Verhandlung mit den Chinesen musste, die Ausage war demnach schwer von seiner politischen Rolle geprägt.
Den Rest von dem, was rayzor schrieb, finde ich aber in Ordnung.
Kommentar von InjureInjure 18.02.2012Chintao
, letztenendes sind wir alles fehlerhafte Menschen.
Ein "richtiger" Buddhist? Ein "richtiger" Christ? Ein "richtiger" Irgendwas? Was ist normal und was nicht? Wer erreicht 100%? - Menschen sicher nicht. Und das sind wir alle, ganz gleich in welchem Konstrukt wir leben. Wie "richtig" jeder einzelne von uns ist, kann uns nur unser eigenes Herz sagen. das ist nicht zu überprüfen und zu messen! Menschen auf hohe Sockel zu heben und unmögliches von ihnen zu verlangen, ist nicht gut.
Der Dalai Lama spricht sehr oft von sich als dem einfachen Mönch Tenzin Gyatso.
Der Dalai lama hat nicht gesagt, dass er Gewalt anwendet, sondern eingeräumt, dass er in einem übermüdeten Zustand schlafen wollte , es wegen der Vögel nicht konnte und in diesem übermüdeten Zustand sehr zornig auf die Tiere wurde und sie wegjagen wollte. Genau diese Szene habe ich auch im Film gesehen und sie hat mich für meine eigene Praxis sehr beruhigt und meine Ansprüche an mich sehr entkrampft.
Damit wollte er ausdrücken, dass auch er seinen Geist ständig überprüft und gewisse Zustände (Übermüdung, Krankheit) einen ruhigen Geist aus der Ruhe zu bringen in der Lage sind. Sogar beim Dalai Lama, der seit Kindertagen praktiziert. Er hätte das nicht erzählen müssen.
Und die Machtstellung hat er abgetreten an Lobsang Sangay...
Buddhismus hat wie das Christentum viele verschiedene Linien und jede lebt das etwas anders. Der Dalai Lama ist nicht das Oberhaupt von allen Schulen. Und es gibt im Buddhismus auch durchaus wehrhafte Linien.
Allen gleich ist die grundlegende Ethik, mit der man sich täglich aufs neue selbst überprüfen muss - jeder für sich selbst.
Liebe Grüsse
Kommentar von InjureInjure 18.02.2012Ich vergass: Auch Ghandi-la, der Grosse und Bewunderungswürdige, der dem indischen Volk so sehr viel Gutes beschert hat -er hatte ein paar richtig eklige menschliche Züge an sich. Aber das mindert seine Leistung für das indische Volk nicht .
Kommentar von mishikomishiko 22.03.2012l. chintao! 10 DH für deine antwort. besonders, dass über d. dalai lama! lg., von mishiko
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Antwort von Hayamoto 06.02.2012
gute frage :) bin gespannt auf die Antworten
Ich finde Deine Antwort sehr gut,wenn man sich an die Vier Edlen Wahrheiten und den Achtfachen Pfad hält, kann man das Leben leichter verarbeiten.LG