Frage von MausMitGebiss, 210

Wie weit lässt sich bei einem durchschnittlichen Deutschen der Familienstammbaum zurückverfolgen ohne dass man sich bei Ämtern erkundigt?

Ich kann meinen Stammbaum bis ca. 1580 zurückverfolgen und ihr? Ohne, dass ich mich in Geburts- oder Sterberegistern oder Meldeämtern schlau machen musste. Meine Familie hat das Stammbuch selbst so "gut"(?) gepflegt.

Wie weit könnt ihr spontan eure Familiengeschichte zurückverfolgen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hegemon, 136

Bei Nichtadligen läßt sich der Stammbaum in der Regel bis in die Zeit der Reformation verfolgen. Ab dieser Zeit wurden großflächig und konsequent Kirchenbücher geführt.

Mein Stammbaum reicht in der einen Linie lückenlos bis 1510.

Kommentar von MausMitGebiss ,

Das lässt mich ja hoffen, dass mein Stammbaum mütterlicherseits noch viel weiter zurückreicht als "nur" bis 1580 ^^ Die waren damals nämlich wirklich adelig. Wie ich meine Großmutter einschätze, hat sie sowas auch irgendwo gelagert... hoffentlich sehe ich das mal.

Antwort
von Lycaa, 117

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es darüber aussagekräftige Statistiken gibt.

Manche haben sicher, wie Du, schon Unterlagen, weil sich irgendwer in der Familie irgendwann mal die Mühe gemacht hat. Ich denke aber, dieser Anteil ist verschwindend gering.

Die allermeisten müssten sich ihren Stammbaum über Ämter, Kirchen und mit Glück über Onlinerecherche selbst erarbeiten.

Und bei denen, die sich mit Ahnenforschung beschäftigen, musst Du auch berücksichtigen, dass es verschiedene Forschungsschwerpunkte gibt. Der eine will seine Stammlinie möglichst weit zurückverfolgen, der nächste möchte möglichst viele Generationen lückenlos darstellen können, der nächste wieder sucht lieber nach entfernten Verwandten weltweit.

Meine Stammlinie lässt sich bis ca 1740 zurückverfolgen, dann verliert sich die Spur.
Die am weitesten zurückverfolgbare Linie geht einigermaßen gesichert bis ca 1470. Lückenlos ist meine Ahnentafel aber erst über fünf Generationen.

Antwort
von Royce, 137

Dann hast du Glück gehabt.
Ich habe mit meiner Tante ca 2005 mit Ahnenforschung begonnen und wir sind mittlerweile, mit einigen kleinen Lücken, bei ca 1280 angekommen.
Ohne persönliches Erscheinen und stöbern in Urkunden (vor allem im osteuropäischen Raum sprachliche Barrieren) wären wir allerdings nicht weiter als 1700 gekommen

Kommentar von Bswss ,

Bis 1280??? Sorry, das kann nicht stimmen, zumindest nicht bei Nicht-Adligen. .

Kommentar von Royce ,

Was macht dich so sicher?

Kommentar von MausMitGebiss ,

Wieso soll das nicht stimmen können?

Kommentar von dandy100 ,

weil  im 13 Jahrhundert keine Urkunden für Nichtadlige ausgestellt worden sind - eine Geburt von "Otto Normalverbraucher" wurde überhaupt nicht erfasst.

Kommentar von Royce ,

Du scheinst a) meinen Stammbaum ja gut zu kennen und b) meinen Text nicht ordentlich zu lesen. Steht irgendwo, dass ich vor 1700 in Deutschland geforscht habe?
Du denkst also, dass es nur amtliche Dokumente gibt? Du scheinst mit Ahnenforschung wenig zu tun zu haben

Kommentar von Lycaa ,

Wie geht das denn "mit Lücken"?

Kommentar von Royce ,

Für gewisse Äste (um 1680 und 1630) haben wir einfach bisher keine Einträge mehr gefunden. Da verliert sich die Spur nach Tagebucheinträgen

Antwort
von dandy100, 103

Das kann kaum jemand, wir hatten immerhin zwei Weltkriege, da sind nicht viele private Unterlagen übrig geblieben


Kommentar von MausMitGebiss ,

Ja...das Witzige ist, dass unser Stammbuch in einem Buch aufgeschrieben ist, das von der NSDAP herausgegeben wurde ;)

Auf dem Einband steht in Gold "Unser Familienstammbuch" und es ist der Reichsadler mit Hakenkreuz abgebildet.

Kommentar von MausMitGebiss ,
Antwort
von zehnvorzwei, 95

Hei, MausMitGebiss, wenn du Glück hast und alt gewordene Vorfahren , kennst du vielleicht noch die Geschichte bzw, die Namen deiner Ur-Großeltern. Bei den meisten Menschen dürfte mit Opa und Oma Schicht sein.. Ich habe (Beispiel) meine Großeltern nicht mehr kennengelernt. 

Die Genealogie kennt einesteils und den Begriff des Ahnenschwundes - je weiter die Forschung zurückreicht, umso mehr  ist sie auf Spekulation angewiesen. Beispiel: Ob ein Peter Müller-Meier von 1630 (oder so)  der Vorfahr von Heinrich Müller-Meier sein kann, der etwa 1660 nachgewiesen ist, aber eben nicht seine Eltern. Und so. Grüße!

Antwort
von Bswss, 109

Bei fast allen Forschungen ist schon um 1750 Schluss.  Stammbäume, die bis ins Mittelalter zurückgehen, sind unseriös.  In Deutschland sind im Dreißigjährigen Krieg praktisch alle Spuren verlorengegangen. Zudem ist anzumerken, dass der "Stammbaum" sich ja mit jeder Generation ständig vergrößert, d..h wer bis ins  13. Jahrhundert zurückgehen möchte, müsste vermutlich ZEHNTAUSEND Menschen finden und aufführen. Ein weiteres Problem ist, dass sich die SCHREIBUNG von Namen oft stark verändert hat (noch im frühen 19. Jh. waren die meisten Deutschen Analphabeten, und Familiennamen hat es anfangs auch nicht gegeben. 

Witzig ist, dass viele Amerikaner ernsthaft glauben, was man ihnen . weismacht, dass sie vom englischen Adel abstammen, z..B. auch einen englischen König als Vorfahren.

Zusammengefasst:

Ellenlange Stammbäume sind meist MÄRCHEN und / oder Wunschdenken. .

Kommentar von MausMitGebiss ,

Stammbäume, die bis ins Mittelalter zurückgehen, sind unseriös

Ich glaube nicht, dass mein Stammbaum unseriös ist. Man erweitert einen Stammbaum natürlich nur um die Personen, die man definitiv zuordnen kann. Ich würde eher diejenigen Menschen als unseriös bezeichnen, die anders vorgehen. Wenn man sagt "mein Stammbaum geht bis xy zurück" ist auch nicht gemeint, dass man diesen lückenlos vorweisen kann. Dann hätte man mehrere Zehntausend Mitglieder vorzulegen, da hast du recht. Man kann das aber auch schon sagen, wenn man sich nur an die engsten Verwandten hält. 

Auch heute leben entfernt (Bluts)verwandte von mir in Österreich, USA, Ungarn, Frankreich, Polen, Italien und diversen anderen Ländern... Ich weiß nur, dass diese Menschen existieren und IRGENDWIE verwandt mit mir sind. Ich kenne sie aber nicht persönlich und habe auch kein Bedürfnis, sie kennenzulernen.

Kommentar von dandy100 ,

... IRGENDWIE sind wir alle miteinander verwandt - ein Stammbaum ist aber ein tatsächlicher Nachweis der Verwandtschaft, der urkundlich belegt sein muss, sonst kann man von einem Stammbaum nicht sprechen

Kommentar von MausMitGebiss ,

Sag ich doch.

Kommentar von Hegemon ,

"Bei fast allen Forschungen ist schon um 1750 Schluss.  Stammbäume, die bis ins Mittelalter zurückgehen, sind unseriös.  In Deutschland sind im Dreißigjährigen Krieg praktisch alle Spuren verlorengegangen."

Falsch. Im Dreißigjährigen Krieg sind einige Kirchenbücher verlorengegangen, aber bei weitem nicht alle. Kirchenbücher wurden großflächig seit der Reformation geführt. Und bis dahin lassen sich Stammbäume oft zurückverfolgen.

Auch Stammbäume bis ins Mittelalter sind möglich - und zwar beim Adel.

Kommentar von Accountowner08 ,

Man ist durch mathematische Modelle zu den Schluss gekommen, dass es gar nicht so unplausibel ist, dass praktisch alle "echten" Engländer von heute bzw. eben auch die Amerikaner, die von den "echten" Engländern in den vorigen Jahrhunderten abstammen, einen englischen König im Mittelalter unter ihren Vorfahren haben.

Die Rechnung geht so:

Das Mittelalter ist ca. 30 Generationen zurück. Vor 30 Generationen hatten wir 2^30= ca. 1 Milliarde Vorfahren. Natürlich sind das nicht lauter verschiedene Vorfahren, sondern manche kommen doppelt, dreifach,  hundertfach vor. 

Eine Computer-Simulation hat sich ausgerechnet: von allen Menschen, die im Mittelalter gelebt haben, haben 20% heute keine Nachkommen, und 80% sind die Vorfahren von allen heute lebenden Menschen.

d.h. es ist gar nicht so erstaunlich, wenn zumindest jeder Engländer heute einen englischen König aus dem Mittelalter unter seinen Vorfahren hat. 

Antwort
von Accountowner08, 106

Ich vermute, wenn das stammbaumbuch so gut gepflegt ist, ist das nur auf einer Seite, d.h. du weiss nicht, wer deine ca. 1'000'000 Vorfahren um 1530 waren, sondern nur ein paar wenige.

Wenn du jemanden in der Familie hast, der Genealogie betreibt, wird der wohl bei den Ämtern nachgefragt haben und damit dir die Arbeit erspart haben, das heisst aber nicht, dass niemand zu den Ämtern gehen musste...

Kommentar von MausMitGebiss ,

Hab ich ja auch nie behauptet.

Antwort
von MeliS1998, 80

Spontan? Bis zu den Großeltern, da es kein Familienstammbuch gibt.

Durch Nachforschungen meiner Eltern bei Ämtern bis 1660.

Antwort
von Peterchen67, 72

ich denke "durchschnittlicher Deutscher" ist hier schwierig zu definieren. Mein Stammbaum ist, meine ich, relativ klar bis ins 15. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Bei einigen gibt es mit Sicherheit schon im 19. Jahrhundert Unklarheiten.

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