Frage von katrjoschka, 69

Wie weit können Zwangsgedanken gehen?

Ich habe Depressionen und große Angst vor Magenerkrankungen und dem Erbrechen. Seit 6 Jahren habe ich Zwangsgedanken, die immer stärker werden. Ich habe an Silvester "prophezeit", dass ich 2015 definitiv erbrechen werde. Ich weiß nicht, wieso ich diesen Gedanken hatte, aber es war einfach da und ich habe diese Überzeugung als eine Art Eingebung wahrgenommen. Ich habe mit Esoterik überhaupt nichts zu tun und glaube auch nicht an solche magischen Dinge, aber im Rahmen meines Zwangs und meiner Angst vor dem Erbrechen kann ich nicht bewerten, welche Bedeutung diese Eingebung hat. Jedenfalls geht es mir durch die Depression nicht nur psychisch, sondern auch körperlich schlecht. Ich habe vor allem starke Magenbeschwerden, obwohl mein Magen laut Arzt gesund ist. (Und alle anderen Organe auch.) Jedes noch so kleine Zwicken im Körper nehme ich als krankhaft wahr und befürchte sofort, dass diese seltsame Prophezeiung wirklich wahr wird. Außerdem habe ich mich mit dem Prinzip der self-fulfilling prophecy beschäftigt und befürchte manchmal auch, dass ich selbst irgendwie unbewusst dafür sorge, dass ich krank werde und dann erbreche. Diese d*mme Prophezeiung hat mir das komplette Jahr versaut und meine Angst wird zunehmend größer, weil das Jahr immer kürzer wird und die Zeit begrenzt ist, in der meine Prophezeiung sich noch erfüllen kann. Ich weiß nicht, ob es überhaupt möglich ist, eine Ansteckung oder Magenerkrankung und das damit verbundene Erbrechen lange vorher zu prophezeien. Ich weiß auch nicht, ob meine Angst vor dem Erbrechen dabei eine Rolle spielt. Ich weiß einfach nicht mehr weiter, und ich frage mich, ob diese Prophezeiung Teil der Zwangsstörung ist und somit psychisch bedingt, oder ob das wirklich eine Art Eingebung war, die sich noch erfüllt. Ich kann es nicht beurteilen und deswegen frage ich hier: Was hat diese Eingebung zu bedeuten? Kann man prophezeien, dass man in einem bestimmten Zeitraum chronisch/infektiös magenkrank wird und erbrechen muss? Oder kann man Eingebungen haben, die einem das vorhersagen, wovor man Angst hat? Oder was ist das?

Antwort
von putzfee1, 69

Nein, man kann nicht prophezeien, dass man in einem bestimmten Zeitraum an irgend etwas erkrankt. Man hat auch keine Eingebungen. Man redet sich selber ein, krank zu werden, und der Körper reagiert. Die Psyche ist ein starkes Instrument, die das Wohlbefinden (und so auch das "Nicht-Wohlbefinden") des Menschen stark beeinflusst. Kennst du das Sprichwort "Der Glaube versetzt Berge"? Das stimmt. Man muss sich nur lange genug etwas einreden und fest genug daran glauben, dann trifft es auch ein. Das gilt ganz besonders stark in Bezug auf körperliche und gesundheitliche Prozesse.  Das Immunsystem reagiert auf die Psyche. Aber mit Prophezeiungen und Eingebungen hat das nichts zu tun, auch wenn es für dich im Endeffekt wahrscheinlich so aussehen muss.

Ich gebe dir den gut gemeinten Rat, dich in eine Klinik zu begeben. Anders als mit einer sehr intensiven Therapie kann dir wohl nicht geholfen werden. Du machst dich selbst kaputt mit deinen Zwangsgedanken. Und deine immer sich wiederholenden gleichen Fragen hier auf GF tragen nicht ein bisschen dazu bei, dass du gesund wirst. Im Gegenteil: indem du dich dermaßen intensiv mit alldem beschäftigst, wird es nur immer schlimmer. Ganz ehrlich, geh in eine Klinik und lass dich intensiv therapieren. Sonst wirst du da wohl nie rauskommen.

Kommentar von katrjoschka ,

Ich werde im Dezember in eine Klinik aufgenommen.

Kommentar von putzfee1 ,

Super. Das ist sicher das Beste, was dir in deiner derzeitigen Situation passieren kann. Ich wünsche dir, dass es ganz viel bringt!

Kommentar von katrjoschka ,

Dankeschön :-)

Antwort
von JasminJasminum, 56

Hört sich für mich schon nach einem Zwangsgedanken an, evtl. eine Art Angststörung; dass es eine mystische Prophezeiung war, würde ich mal nicht denken, wenn du schon Eingebungen von einer höheren Ebene erhältst, dann bestimmt nicht auf solch (sorry) nichtigen Dinge bezogen...
Deine Beschwerden sind wahrscheinlich psychosomatisch, Gedanken beeinflussen dein Empfinden.
Oh, und Zwangsgedanken können sehr weit gehen, was du erlebst ist (im Gegensatz zu echt krassen Fällen) dann noch eher harmlos. (Von deiner Beschreibung ausgehend.) Sei froh darüber.
Wetten du musst dieses Jahr nicht erbrechen?
Dann hat sich diese Angst nicht erfüllt.
Ha!
(Bin keine Expertin und ich bestreite jede Richtigkeit meiner Aussagen.
Hab nur mal meine Gedanken zu deinem Text aufgeschrieben. :)

Antwort
von voayager, 32

Im Zustand einer großen Angst vermutet man alles Mögliche, schon weil dieser Gefühlszustand stets bestimmte Inhalte entstehen läßt, an denen sich die Furcht festbeißt. Der Inhalt  ausgeprägter Ängste wird zur fixen Idee, ein Fleießen der Libido verhindert. Man vergleiche es mit einem Strudel der sich im Kreise dreht und stets nach Unten zieht. Die fixierte Befürchtung wird zur Quasi-Gewißheit, der Zustand der Autosuggestion tut sein Übriges. Es kommt, wie es vorausgeahnt, also befürchtet wurde, weil die Autosuggestion den Körper mehr oder minder umrüsten läßt, dies zumindest des Öfteren ermöglicht.

Da der Körper schon auf das Schlimme eingestellt ist, kann dann auch das eintreten, was man eh vermutete.

Wer will kann dem Ganzen den weihevollen Titel Prophezeiung geben, wer es jedoch realistischer Betrachtung, sieht eher entweder den Zufall walten, oder aber die Autosuggestion und ihre Folgen am Werk.

Wer einen Brechreiz verspürt, kann dem entweder nachgehen oder aber z.b. ein Medikament dagegen einnehmen, so z.B. Vomex.

Bemerkenswerterweise taucht bei der Fragestellerin nie die Frage auf, welches oder welche Medikamente u.o. sonstige Heilmittel gegen einen Brechreiz eingenommen werden, stattdessen ist die Kaninchenschau angesagt, wo der Blick auf die Schlange dieses erstarren läßt.

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