Frage von MsFrage1, 64

Wie war die Haltung der Christen und Muslime zum Thema religiöse Freiheit im Mittelalter?

Antwort
von RobinsonCruesoe, 19

Die Frage ist zu unklar formuliert. "Im Mittelalter". Vor, während oder
nach den Kreuzzügen? "der Christen" Welcher? Katholiken im Westen oder
Orthodoxe im Osten?

Pauschal kann man hierzu wenig sagen, eins
aber bestimmt: das Pauschalurteil, dass Christen im Mittelalter
intolerant gegen Andersgläubige, insbesondere Muslime gewesen seien,
kommt aus der Aufklärung. Aus der Aufklärung kommt auch das Zerrbild,
dass die islamisch geprägten Zivilisationen im Mittelalter deshalb
kulturell und wissenschaftlich eine Blütezeit erlebten, weil sie eben
nicht durch die Kirche und die christliche Religion eingeengt gewesen
seien. Die Aufklärer wollten halt in ihrer Gegenwart einen Gegenpol gegen
das etablierte Christentum setzten, von dem sie sich unbedingt absetzen
wollten. Zur Erklärung der historischen Genese der Aufklärung musste man dann auf das Nichts zurückgreifen (Aufklärung war plötzlich da, wie aus dem Nichts) oder auf geflüchtete griechische Gelehrte (natürlich, wer sonst, wenn nicht die Griechen, konnte im Europa der Aufklärung etwas beibringen?)

Was kann man also sagen? In Kleinasien wechselten
sich byzantinische, arabische und seldschuksche Herrscher miteinander
ab. In den betroffenen Regionen haben wir daher multireligiöse Ethnien;
damit musste man schon mal umgehen. In Europa, so in Südspanien, gab es
je nach politischer Grosswetterlage militärische Allianzen mit Muslimen
gegen andere Christen oder auch mit Christen gegen andere Muslime. Der
Glaube spielte dabei offenbar kein Hindernis. Friedrich 2. hielt sich
eine sarazenische Leibgarde. Im Roman Parzival gibt es die schöne
Stelle, wo eine heidnische Königin einen christlichen Ritter lüstern
mustert. Wolfram von Eschenbach drückt dies mit einem famosen
Perspektivenwechsel aus: "denn ihre Augen (der schwarzen Heidin, sic!)
hatten gelernt, auch Heiden (aus ihrer Sicht, sic! der christliche
Ritter) schön anzuschauen."

Intolerant wurde das Verhältnis
erst mit dem wissenschaftlichen Dünkel der Aufklärung: die gottlosen,
selbstbezogenen "Aufklärer" waren intolerant; danach begann das Unglück seinen Lauf. Aber in ihrer Verblendung sahen die "Aufgeklärten" im 19. Jh. nicht, dass sie intolerant waren, denn sie hatten ja die Wissenschaft zur unbestechlichen Herrin über die Wahrheit erhoben.
Alles musste jetzt wissenschaftlich "haltbar" sein: Jesus, der Sohn
Gottes, verschwand beinahe in der historischen Forschung, ein
Wanderprediger, ein bärtiger Zausel nur noch. Kein Sohn Gottes mehr.
Mohammed hat vermutlich gar nicht gelebt. Kein Gesandter Allahs. Nichts
war mehr heilig. Die Biologen redeten uns ein, wir seien eigentlich nur Tiere; die Ökonomen sahen das Glück ausschliesslich im Nützlichkeitserwägungen: Das Ergebnis dieser nothing-else-but-Ideologien sind die intoleranten Systeme des 20. Jahrhunderts.


Kommentar von MsFrage1 ,

Danke für Antwort, im Mittelalter

Antwort
von marylinjackson, 11

Meinst Du die "religiöse Freiheit" im Sinne, frei von Religion zu sein?

Der Abfall vom Glauben oder Apostasie war im Mittelalter für alle Gläubigen undenkbar. Atheisten gab es nicht. Die Christen ließen alle ihre Kinder taufen. Die kirchlichen Eintragungen der Täuflinge ersetzten das heute übliche Standesamtsregister. Der Abfall vom christlichen Glauben war im Mittelalter immer "Teufelszeug" und wurde hart bestraft, Heute sieht die Kirche das anders.

Die Apostasie im mittelalterlichen Islam ist bis heute undenkbar und wird mit dem Tode bestraft.

Antwort
von waldfrosch64, 18
  • Die Zeit des Mittelalters ???Das kann alles heissen von Frühmittelalter 500 -?
  • War sicher keine Gesellschaft in Europa wie wir sie heute kennen . 
    Während du heute eine pluralistische Gesellschaft in Europa findest in der alle möglichen Weltbilder und Glaubenskonzepte nebeneinander laufen und das auch völlig normal scheint . Wäre sicherlich in der  Zeit  ca.800  bis ca.1500 solches völlig Undenkbar gewesen .
  • Damals war es normal  und üblich die Religon des jeweiligen Regenten zu übernehmen .Eine Freie Wahl gab es da kaum . 
  • Später  in der  Neuzeit 15. zum 16. Jahrhundert ..war es auch nicht anders ,hattest du den falschen Glauben KAtholisch oder Reformiert ...musstets du aus wandern unter einen Herrscher der deine Religion teilte um Ruhe zu finden ...Hättest du damals das christliche Weltbild  überhaupt in Frage gestellt dann wäre es dem gleichgekommen, wie wenn heute einer die Demokratie in Frage stellt .Eigentlich undenkbar .
  • Hingegen hat sich der Christliche Glaube der auch immer einem Wandel unterworfen ist und sein muss ,falls der Geist Gottes hier wirken soll, wie  wir glauben auch zur Religionsfreiheit durch gerungen . Und auch durchringen müssen . So wie es gewiss  die Lehre Jesus Christus auch von Anbeginn an Vorgesehen hat .Dass nämlich die Menschliche Freiheit auch ein verfehlen des letzten Zieles wohl mit einschliessen muss.
  • Im Islam gibt es auch heute noch keine Religionsfreiheit ,da der Islam auch das Naturrecht nicht anerkennt .Sprich der Mensch hat keine Gewissen und keine Solche Freiheit ,da er es nicht erkennen kann was richtig und  was falsch sein könnte .dies kann ihm immer nur der Koran ,die Sunna und die Scharia vermitteln .Das ist auch der Grund warum der Islam eigene Menschenrechtserklärungen herausgibt wie etwa die von Karo 1981 .


Antwort
von mlgneumann, 34

Bei beiden nicht besonders positiv, wobei es bei den Christen viel strenger zuging als bei den Muslimen. Im Orient existierten teilweise Christen, Moslems und Juden friedlich nebeneinander, was in Europa undenkbar gewesen wäre.

Kommentar von DerFruchtzwerf ,

uu

Kommentar von mlgneumann ,

Klar, das meinte ich ja von wegen Intoleranz der Christen ;)

Kommentar von waldfrosch64 ,

Wo und wann war das denn konkret wo Muslime und Christen in friedlichster Co Existenz lebten ? 

Quellen dazu bitte ? 

Kommentar von marylinjackson ,

Wo es strenger zu ging? Die Ausbreitung des Islams im frühen Mittelalter erfolgte durch Tötungen, Versklavungen und allenfalss Kopfsteuerzahlungen der Christen und Juden.

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