Frage von Lhofrath, 31

Wie war das Leben im feudalen Japan für Mann und für Frau?

Also war es schön oder anstrengend,schlimm oder was auch immer

Antwort
von Enzylexikon, 25

Das kommt auf die soziale Schicht an.

Armen Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter geht es beispielsweise im Bezug auf ausreichende, vielseitige Ernährung und Gesundheitsversorgung praktisch immer schlechter, als Menschen  am oberen Ende.

Das Leben eines Reisbauern und seiner Familie war etwas ganz anderes, als der Lebensstandard der Familie eines Daimyo.

Für den Reisbauern war ein Arzt sicher teilweise unbezahlbar. Ein Daimyo konnte sich dagegen vielleicht sogar einen Leibarzt leisten.

Antwort
von Naleesha, 6

ich kann diese frage nur in Hinsicht auf einer Bevölkerungsschicht beantworten, nämlich bezogen auf die Kaste der Samurai.

1. Auch in der Kaste der Samurai wurde zwischen sogenannten niederen Samurai, gewöhnlichen Samurai und Daimyo (Samurai mit einem Einkommen ab einer jährlichen Reismenge (Koku) von mindestens 10.000 koku) und auch da wieder zwischen den "ärmeren" und den "wohlhabenderen" Daimyo unterschieden. ärmere Daimyo verdienten ca 10.000 koku und reichere bis zu 100.000 koku. nach heutiger wirtschaftslage entspricht 1 koku ca 100 Euro.

1.1 In einem kleinen Fürstenlehen (Han) wie Yamagata, das um das Jahr 1865 70.000 Koku Ertrag brachte, mochte ein Samurai in einer hohen Militär- oder Beamtenposition wenige Tausend Koku erhalten. Doch auch ein Samurai mit 1200 Koku galt als vermögend. Eine 400-Koku-Familie zählte zu den Wohlhabenden und mochte ein respektables Anwesen mit Ziergarten und mehreren Dienern besitzen. Selbst ein Samurai mit 150 Koku lebte in noch gesicherten finanziellen Verhältnissen.

1.2 ein Samurai niederen Standes , der ca um die 50 Koku im Jahr verdiente (etwa ein rangloser Soldat oder niederer Beamter der Burgverwaltung) führte hingegen eine prekäre Existenz, obwohl er – wie jeder Samurai – von Abgaben befreit war und vom Dienstherrn eventuell die Unterkunft gestellt bekam. Typisch war das Leben in einer bescheidenen „Samurai-Reihenhaussiedlung“: umzäunte kleine Wohnhäuser mit Wirtschaftsgebäuden, dazu ein Gemüsegarten, den er unter Umständen mit Hilfe seines vermutlich einzigen Dieners bestellte. Hatte der Samurai außerdem noch Frau und zwei bis drei Kinder zu versorgen, war die Gefahr von Armut und Verschuldung groß.

2. Schulung und Ausbildung von Samurai

2.1 Samurai mussten nicht nur in der Kunst des Umgangs mit dem Schwert (Katana, Wakizashi, Tachi, Tanto/Aikuchi, yari, Naginata etc.) geschult sein, sondern sie wurden auch unterrichtet in Japanischer Geschichte, Kunst und Kalligraphie (Schönschrift), Musik, Mathematik und vieles mehr. Die meisten Männer waren selbst auch für die Instandhaltung ihrer Häuser verantwortlich (Handwerkliche Reparaturen z.B. Ausbesserungsarbeiten an Geländer u.ä.), Diener waren für Hausarbeiten zuständig, die die Frau nicht selbst erledigte (Wäsche oder Hausputz) 

2.2 Die Ausbildung (ab 3 Jahre) schulte in erster Linie Körperbeherrschung und Schmerzunterdrückung. Wenn sie etwas älter waren, lernten sie in einem nahen Kloster lesen und schreiben. Dorthin mussten sie, auch im Winter, barfuß gehen. Sie waren gezwungen, ihre Angst zu bekämpfen, indem sie auf dem Friedhof oder Richtplatz eine Nacht verbringen mussten oder mit gefesselten Armen und Beinen schwammen. Im Alter von etwa fünf bis sieben Jahren begann die Unterweisung im Umgang mit den Waffen.

2.3 was nur die wenigsten wissen: die Frauen der Samurai mussten exakt die gleiche Ausbildung durchmachen wie die Männer. Wenn der Mann im Krieg war, so hatte die Frau des Samurai die Befehlsgewalt über Haus, Hof und Dienerschaft (und nicht wie häufig angenommen, dessen ältester Sohn). So oblag es auch der Pflicht der Frau des Samurai, im Falle eines Angriffs auf das Gut während der Abwesenheit ihres Mannes, das Gut auch selbst verteidigen zu können und notfalls den Mut dazu zu haben, sich und ihre Kinder zu töten um einer Gefangennahme oder schlimmeres zu entgehen.

2.3 Frauen und Männer waren im feudalen Japan überraschend ebenbürtig und von gleichem Rang. der Umgang miteinander war respektvoll in beiden Richtungen.

3. Beziehungen

3.1 Die Beziehung zwischen Mann und Frau war respektvoll. Intimitäten wie etwa "Ich liebe dich" gehörte ins Schlafzimmer und verblieb dort, wie vieles Andere auch. die Zuneigung wurde innerhalb der Familie durch Koseworte wie "-chan" anstelle von "-san" oder ähnliches ausgedrückt. Das Verhalten zueinander wenn Gäste anwesend waren war zurückhaltend, der Gast stand im Vordergrund, das gesamte Gebaren wurde noch respektvoller.

3.2 Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter /Vater und Sohn war äußerst nüchtern, streng und respektvoll. Zuneigung wurde zwar auch hier gezeigt, doch von Anfang an (ab 3 Jahre) wird das Kind auf das respektierte und disziplinierte Leben eines Samurai vorbereitet. das Kind hat klare Grenzen und wenn es diese überschreitet drohten sehr strenge Strafen. Ein Kind trat mit 15 Jahren in das mannes/Frauenalter ein und bekam zu diesem Anlass das Daisho-Schwerterpaar bestehend aus Katana und Wakizashi geschenkt. zu diesem Zeitpunkt sind die Kinder bereits einige Jahre in Schwertkampf unterrichtet worden (und natürlich in den anderen Fächern).

3.3 Beziehung zwischen lehrer und Schüler:

in der Feudalzeit Japans war es üblich, dass ein älterer, erfahrener Samurai (wenn nicht der eigene Vater) einen jungen Mann über mehrere Jahre in die Lehre nahm. Erst nach Abschluss der Ausbildung nahm er gegebenenfalls einen neuen Lehrling auf, bildete also in der Regel nie mehrere Krieger gleichzeitig aus. Die Lehrzeit bei einem älteren Samurai, die etwa um das zwölfte Lebensjahr begann, endete ungefähr mit 15 Jahren. In dieser Zeit lebten Lehrer und Schüler zusammen und hatten eine Wakashudō (wörtlich: „der Weg der Jünglinge“) genannte Beziehung, die meist mit dem Erwachsenwerden des Schülers in eine platonische Freundschaft überging. Den Abschluss der Ausbildung bildete die feierliche Zeremonie des Gempuku. In ihr legte der Schüler seinen alten Kindesnamen ab und bekam einen neuen Namen, erhielt Lang- und Kurzschwert, das Daishō, eine eigene Rüstung (Yoroi) und übernahm den traditionellen Haarschnitt der Samurai.

ich hoffe, dass diese doch sehr ausführliche Antwort dir dabei helfen konnte, wenigstens die Lebenssituationen einer Bevölkerungsschicht zu verstehen.

sicher lieb die Beziehung zwischen Mann und Frau auch in anderen Bevölkerungsschichten ähnlich respektvoll und Intimitäten verblieben auch da im Schlafzimmer. aber so ausführlich wie hier beschrieben, weiß ich das leider nur über die Samurai-Kaste. 

Meine Quellen hierzu waren mehrere japankundige, eigene Erfahrung und recherche in alten Büchern, und natürlich mein Sensei, der mir die Schwertkunst beibringt.

LG, Naleesha

Antwort
von Balurot, 13

Ich kann Dir einen Spielfilm empfehlen, in dem Du siehst, wie die Menschen der damaligen Zeit lebten. Er beschreibt das Leben des Zen Meisters Dogen:

Wenn Du auf "Untertitel" drückst, erscheinen englische Untertitel.

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