Frage von Bombassaua, 44

Wie viele Urlaubstage stehen mir bei einem außertariflichen Arbeitsvertrag zu?

Ich bin als studentische Aushilfskraft eingestellt mit max. 20 Stunden/Woche. Ich habe momentan keine Urlaubstage und Krankheitstage müssen nachgearbeitet werden. Es wäre super, wenn mir jemand helfen könnte.

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo Bombassaua,

Schau mal bitte hier:
Arbeit Vertrag

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 25

Urlaubstage hast Du auf alle Fälle.

Im § 1 Bundesurlaubsgesetz steht dass jeder AN in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub hat.

Der Mindesturlaub beträgt nach § 3 BUrlG vier Wochen.

Für jeden vollen Monat entsteht Anspruch auf 1/12 des im Betrieb gewährten Jahresurlaubs (§ 5 Bundesurlaubsgesetz). Wenn der Betrieb mehr als die vorgeschriebenen vier Wochen Urlaub gewährt, steht Dir auch mehr als der Mindesturlaub zu.

Arbeitest Du z.B. an drei Tagen/Woche und im Betrieb gibt es 20 Urlaubstage für eine Fünf-Tage-Woche (Mindesturlaub), hast Du Anspruch auf 12 Urlaubstage/Jahr.

Der Urlaub kann nicht vertraglich abgedungen werden, er ist gesetzlich vorgeschrieben.

Mit Krankheitstagen verhält es sich genau so. Hier kann vertraglich auch nicht geregelt werden dass Krankheitstage nicht bezahlt und nachgearbeitet werden. Das Entgeltfortzahlungsgesetz gilt auch für alle Arbeitnehmer.

Wenn Du an einem Tag an dem Du hättest arbeiten müssen krank bist, muss der AG Dich so bezahlen als hättest Du gearbeitet. Das nennt sich Lohn- oder Entgeltausfallprinzip.

Das kann Dein AG im Entgeltfortzahlungsgesetz nachlesen. Das gilt übrigens auch für Feiertage. Arbeitest Du z.B. immer an einem Montag und es gibt an einem Montag einen gesetzlichen Feiertag, muss der AG Dir den Feiertag wie gearbeitet bezahlen. Auch hier braucht nicht vor- oder nachgearbeitet werden.

Kommentar von Bombassaua ,

Vielen Dank an alle für ihre Antworten! Nur weiß ich jetzt nicht genau, wie ich vorgehen soll. Ich musste nun alle Krankheitstage bereits nacharbeiten, hinke immer mit meinen Stunden hinterher und fahre die Tage in den Urlaub. Auch diese Tage muss ich nach meinem Urlaub nachholen. Kann ich die Krankheitstage, die ich bereits abgearbeitet habe, zurückverlangen? Genauso wie den Urlaub?

Kommentar von Hexle2 ,

Schau mal in Deinen Arbeitsvertrag. Gibt es dort Ausschlussfristen?

Selbstverständlich hast Du das Recht auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit/Feiertag zu bestehen. Es können hier keine "Fehlzeiten" entstehen die vor- oder nachgearbeitet werden müssen.

Fordere Deinen AG auf Dir diese Stunden anzurechnen, so wie es das Gesetz vorschreibt. Weise ihn auch gleich darauf hin, dass Deine Dir zustehenden Urlaubstage nach dem Bundesurlaubsgesetz bezahlt werden müssen.

Antwort
von DarthMario72, 25

Was bedeutet das genau, "keine Urlaubstage und Krankheitstage müssen nachgearbeitet werden"? Wie lauten die entsprechenden Klauseln im Wortlaut?

Dass Krankheitstage nachgearbeitet werden müssen, kommt mir ziemlich rechtswidrig vor, da es eine gesetzlich geregelte Lohnfortzahlung gibt.

Auch "keine Urlaubstage" klingt sehr rechtswidrig. Laut Bundesurlaubsgesetz hast du Anspruch auf mindestens 24 Werktage (Werktage bezieht sich auf eine 6-Tage-Woche). Wenn du weniger Tage arbeitest, gilt das dann natürlich anteilig.

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 10

Die gesetzlichen Vorschriften des Entgeltfortzahlungsgesetzes sowie des Bundesurlaubsgesetzes sind Mindeststandards, die für alle Arbeitnehmer in Deutschland gelten.

Diese gesetzlichen Mindeststandards können aber durch freiwillige Absprachen, Arbeits- und Tarifverträge verändert werden, sofern sich für den einzelnen Arbeitnehmer keine Nachteile gegenüber den gesetzlichen Vorschriften ergeben.

Siehe dazu § 12 EntgeltfortzahlungsG, sowie § 13 Abs.:1 BUrlG, und § 134 BGB

Kommentar von lenzing42 ,

Falls es zu Problemen bei den aufgeführten Bestimmungen kommen sollte, kann man sich vertrauensvoll an das zuständige Gewerbeaufsichtsamt wenden.

Antwort
von Lumpazi77, 21

Dir steht der Mindesturlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz zu, wenn keine tarifliche Regelung besteht.

Antwort
von Bombassaua, 12

Vielen Dank an alle für ihre Antworten!
Nur weiß ich jetzt nicht genau, wie ich vorgehen soll.
Ich musste nun alle Krankheitstage bereits nacharbeiten, hinke immer mit meinen Stunden hinterher und fahre die Tage in den Urlaub.
Auch diese Tage muss ich nach meinem Urlaub nachholen.

Kann ich die Krankheitstage, die ich bereits abgearbeitet habe, zurückverlangen? Genauso wie den Urlaub?

Kommentar von Familiengerd ,

Ja, das kannst Du!

Du hast dabei aber Fristen zu beachten:

> 1. Es können Ausschlussfristen vereinbart sein, nach deren Verstreichen ab Entstehen oder Fälligkeit einer Forderung aus dem Arbeitsverhältnis diese Forderung verfallen ist.

Arbeitsvertraglich vereinbarte Ausschlussfristen müssen mindestens 3 Monate betragen, tarifvertragliche mindestens 1 Monat.

> 2. Gibt es keine Ausschlussfristen, dann gilt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch BGB § 195 "Regelmäßige Verjährungsfrist"
eine Verjährungsfrist von 3 Jahren ab Ende des Jahres, in dem Deine Forderung entstanden oder fällig war; Ansprüche aus 2016 kannst Du also noch bis zum 31.12.2019 geltend machen, aus 2015 bis zum 31.12.2018 . vorausgesetzt, Du hast dem Arbeitgeber nicht nachweisbar einen Verzicht auf Deine Ansprüche "signalisiert".

Folgende unmittelbaren Rechtsgrundlagen bestehen für Deine Ansprüche:

> Urlaub:

Anspruch auf bezahlten Urlaub: Bundesurlaubsgesetz BUrlG § 1 "Urlaubsanspruch"

Höhe des Urlaubsentgelts (Bezahlung während des Urlaubs): § 11 "Urlaubsentgelt"

Verbot des arbeitsvertraglichen Ausschlusses der Ansprüche: § 13 "Unabdingbarkeit"

> Krankheit/Feiertage:

Anspruch auf Entgeltfortzahlung bei Krankheit und an Feiertagen: Entgeltfortzahlungsgesetz EntgFG § 2 "Entgeltzahlung an Feiertagen" und § 3 "Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall"

Höhe der Entgeltfortzahlung bei Krankheit: § 4 "Höhe des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts"

Verbot des arbeitsvertraglichen Ausschlusses der Ansprüche: § 12 "Unabdingbarkeit"

Du solltest den Arbeitgeber schriftlich mit Verweis auf die gesetzlichen Bestimmungen und mit angemessener Fristsetzung zum Ausgleich der rechtswidrig vorenthaltenen Ansprüche auffordern und für den Fall der Weigerung arbeitsrechtliche Schritte (bis zur Kündigung und Klage vor dem Arbeitsgericht) androhen.

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