Frage von YahooUser, 143

Wie viele Steuern muss man bei Selbständigkeit zahlen?

Angenommen ich mache mich Selbstständig und betreibe zum Beispiel einen Online Shop in einem bestimmten Bereich. Wenn ich pro Monat rechne, dass ich z.B. 1.500€ Ausgaben und 3.500€ Einnahmen habe, wie müsste ich das dann versteuern? Also die restlichen 2.000 "Gewinn" bleiben mir doch nicht alles übrig, oder? Oder zahle ich gleich viele Steuern, als würde ich die 2.000€ in einem Angestelltenverhältnis verdienen und davon ganz normal Steuern etc. abgeben?

Und eine Frage am Rande: Sind Privatverkäufe eigentlich legal (da man ja auch keine Steuern zahl, oder ist die bereits bezahlte MwSt ausreichend?) Und ab wann kann man sagen, dass ich damit eine Gewinnabsicht habe und Gewerbe anmelden muss?

Antwort
von juergen63225, 10

im Prinzip ... und da achtet das Verfassungsgericht darauf, sollen alle Einkommen gleich besteuert werden. 

Allgemein wird oft gesagt, der Selbständige hat Vorteile, aber das "absetzen" von Kosten muss streng dem Geschäft zugeordnet sein ... das ist alles streng geregelt. Ebenso muss für jede Privatentnahme der Markpreis plus mwst berchnet werden,  es gibt mehr Möglichkeiten zu schummeln als beim Arbeitnehmer aber auch mehr Möglichkeiten Fehler zu machen die viel Geld kosten. 

Letzlich geht es nur darum wie man den Gewinn ermittelt, was beim Arbeitnehmer einfach ist, das steht auf der steuerkarte bzw wird neuerdings vom Arbeitgeber direkt ans Finanzamt übermittelt.

Schlechter gestellt ist der Gewerbetreibende auch durch die Gewerbesteuer, die nur bis zu einer gewissen Höhe  auf die persönliche Steuerschuld angerechnet wird. In teuren Gemeinden zahlt der Gewerbereibende also mehr als der Arbeitnehmer.

Nachteilig ist auch die teilweise ja aus Steuergeldern subventionierte Sozialversicherung, es gibt keine Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung wenn überhaupt eine ges Versicherng möglich kostet doppelt so viel weil kein Arbeitgeber die Hälfte zahlt ... es wird da oft übersehen dass die Mehrzahl der Selbständigen NICHT Grossindustrielle, Schönheitschirurgen oder Immobilken Haie sind, für die solche Peanuts keine Rolle spielen und die mit dem Porsche auf Firmenkosten kutschieren und Steuern mit Auslandsbeteiligungen sparen können. Sondern Normalverdiener, die ein Risiko eingehen, um die Chance zu haben ein bisschen mehr zu verdienen und ein bisschen mehr Freiheit ohne Chef und Arbeitsregeln zu haben. 

Also lass dich nicht durch die fehlenden Super Vorteile abschrecken ...   :-) 

Antwort
von DerHans, 143

Grundsätzlich ist JEDES Einkommen steuerpflichtig.

Wie viel Steuern du tatsächlich zahlst, ergibt sich erst aus deiner Steuererklärung, zu der du dann verpflichtet bist.

Das kannst du relativ einfach aus der "Einkommenssteuertabelle" ablesen. Die gibt es im Internet.

Antwort
von kevin1905, 72

Also die restlichen 2.000 "Gewinn" bleiben mir doch nicht alles übrig, oder?

Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer, also musst du die 2.000,- € mal mit 12 multiplizieren. Das wäre 24.000,- € Gewinn (= Einkünfte aus Gewerbebetrieb).

Hast du keine weiteren Einkünfte oder Entlastungsbeträge die anzusetzen wären dann gilt:

Einküfte aus Gewerbebetrieb = Summe der Einkünfte = Gesamtbetrag der Einkünfte.

Hiervon ziehst du nun die Sonderuasgaben ab (z.B. Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Soziale Härte liegt nicht vor also setze ich den gewöhnlichen Mindestbeitrag an):

  • Fiktives Monatseinkommen: 2.126,25 €
  • Beitrag zur Krankenversicherung: 14%
  • Beitrag zur Pflegeversicherung: 2,6% (Davon ausgehend du seist über 23 und kinderlos).
  • Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung: 0,9% (Da du deine Kasse nicht mitteilst nehme ich den Standard).

Das wären in Summe dann 4.466,- €.

24.000,- € - 4.466,- € = 19.534,- € zu versteuerndes Einkommen.

Ergibt etwa 2.500,- € zu zahlende Einkommensteuer.


Kommentar von kevin1905 ,

Da diese Seite eine vernünftige Formatierung unmöglich macht muss ich kommentieren:

Oder zahle ich gleich viele Steuern, als würde ich die 2.000€ in einem Angestelltenverhältnis verdienen und davon ganz normal Steuern etc. abgeben?

Es spielt für die Steuerlast keine Rolle. Ein gleich hohes zu versteuerndes Einkommen wird immer zur gleichen Steuerlast führen, egal ob Einkünfte aus Gewerbebetrieb vorliegen oder aus nichtselbständiger Arbeit.

Und eine Frage am Rande: Sind Privatverkäufe eigentlich legal (da man ja auch keine Steuern zahl, oder ist die bereits bezahlte MwSt ausreichend?)

Was meinst du mit Privatverkäufen? Wenn ich meinen Fernsehr, der meinem Privatvermögen zuzurechnen ist, morgen doof finde und den bei ebay Kleinanzeigen reinstelle und den jemand kauft, ist das steuerlich nicht relevant.

Und ab wann kann man sagen, dass ich damit eine Gewinnabsicht habe und Gewerbe anmelden muss?

Sobald du Dinge herstellst, einkaufst oder bearbeitest um diese mit Gewinn weiter zu verkaufen.

Antwort
von BenniXYZ, 43

Als Selbstständiger versteuerst du deinen Gewinn. Dieser errechnet sich, indem du von den Einnahmen die Ausgaben abziehst. (in deinem Fall sind die 2000€ dein Gewinn) Es ist wichtig, genau zu wissen was man alles abziehen kann/darf.

Wenn du unter 17500€ Gewinn bleibst, zahlst du Einkommemssteuer auf den Gewinn, du bist ein Kleingewerbetreibender und reichst eine ganz normale Einkommenssteuererklärung ein mit Anlage G und Anlage S.

Ab mehr als 25000€ Gewinn, zahlst du Gewerbesteuer.

Antwort
von AEnglschalkFiY, 62

Existenzgründer sollten sich bereits frühzeitig mit ihrem "Zahlenwerk" auseinandersetzen. Aus diesem Grund begrüße ich Ihre Frage.

Fragen zur Einkommen- und Gewerbesteuer sollten jedoch nicht pauschal beantwortet werden. Ich empfehle daher entsprechende Software oder aber Online-Rechner, um ein erstes Gefühl für diese Materie zu entwickeln.

Der Code der Einkommensteuer-Berechnung wird vom Bundesfinanzministerium veröffentlicht, weshalb zahlreiche Online-Rechner zur Verfügung stehen.

Nachfolgend ein Beispiel:

http://www.selbstaendigen-rechner.de/

Antwort
von Fotografin1958, 109

Dem Finanzamt ist es vollkommen gleich, woher Dein (legales) Einkommen stammt (Lohn, Gehalt, Selbständigkeit, Zins- oder Mieterträge).

Es interessiert nur: Was kannst Du steuerlich geltend machen, Familienstand, Kinder, ob Du Deine Steuern pünktlich zahlst.

Kommentar von YahooUser ,

Also die Einnahmen selbst muss ich nicht alle versteuern, sondern nur das, was mir unterm Strich bleibt?

Kommentar von Fotografin1958 ,

Grundsätzlich: ja.

Du kannst beispielsweise neben den Kosten für Deine geschäftliche Tätigkeit auch Krankenkassen-Beiträge, Beiträge zur Altersvorsorge, Spenden und einiges mehr steuerlich geltend machen. Aber Achtung: Beispielsweise gelten für Spenden gewisse Höchstbeträge (abhängig von Deinem Einkommen). Aber da wende Dich lieber vertrauensvoll an einen guten Steuerberater.

Antwort
von loewenherz2, 108

warum soll das anders sein ?

werden Selbstständige bei der Steuer bevorzugt oder benachteiligt

Kommentar von nutsnbolts ,

Naja, die Selbstständigen setzen halt alles nur Erdenkliche ab (Fahrten, Essen, Geräte, Material, Telefon usw.), auch wenn's für den Privatgebrauch ist. Und sichern sich damit Steuervorteile. Ich kannte einen Unternehmer, bei dem fuhr jedes Familienmitglied einen eigenen "Dienst"-Wagen (und nicht gerade Polo's). Echt.

Die Finanzämter haben leider viel zu wenig Personal, um jedes Jahr 'ne Betriebsprüfung zu machen. Und so gehen dem Fiskus jedes Jahr Milliarden verloren.

Kommentar von Jerne79 ,

Was du siehst, ist aber nur ein kleiner Teil der Selbstständigen.

Die Kehrseite ist nämlich, daß du auch alles Erdenkliche EINSETZT. Du siehst den Inhaber eines Betriebes. Der normale Selbstständige IST sein Betrieb. Da verschwinden dann eben die Grenzen zwischen Privat- und Firmenwagen - weil es oft nur einen gibt. Wenn das Geschäft schlecht läuft, muß das auch die kleine Einmannfirma irgendwie abfangen. Dann ist eben weniger Geld auf dem Konto.

Es nörgelt sich leicht aus der Perspektive des Angestellten, der auch sein Material gestellt bekommt. Wenn du erstmal dein ganzes Arbeitsgerät selbst bezahlst, deine Rechnungen selbst stellst, das komplette Risiko selbst trägst, dann bist du froh um alles, was du absetzen kannst - und in der Regel vom Unternehmer mit X dicken Autos noch denkbar weit entfernt.

Kommentar von PatrickLassan ,

Ich kannte einen Unternehmer, bei dem fuhr jedes Familienmitglied einen eigenen "Dienst"-Wagen (und nicht gerade Polo's). Echt.

Und der ist wahrscheinlich mittlerweile Pleite. Dienstwagen verursachen Kosten.

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