Frage von Sachsenbruch, 214

Wie viele Ahnen habe ich wirklich?

Ich "hätt da gern mal ein Problem", das mich irritiert: Ich habe zwei Eltern, vier Großeltern ... und rechnerisch in jeder vorherigen Generation doppelt so viele direkte Vorfahren ... 8, 16, 32, 64, 128, 256, 512, 1.024, 2.048, 4.096, 8.192, 16.384, 32.768, 65.536 ... So, jetzt wäre ich aber erst etwa bei 1600 - bei einer Generationenfolge von 25 Jahren.

Ihr merkt, worauf das hinausläuft: Ca. ab 1300 übersteigt die Zahl meiner Vorfahren rechnerisch diejenige der in Europa lebenden Menschen. Bereits zwei, drei Generationen davor bin ich bei der Zahl der Erdbevölkerung ... wie geht das? Sind da so viele "Doppelte"?

Mich interessiert der (mathematisch-)logische Aspekt, der so irrsinnig große Zahlen ergibt. Wenn ich die mir bekannten fünf Generationen vor mir anschaue, sind das tatsächlich alles andere Individuen.

Wo nun, an welcher Stelle der Zweier-Potenzreihe liegt nun der offensichtliche Denkfehler?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Rubezahl2000, 130

Eine sehr interessante Frage!

Der Effekt, der deine Theorie wieder relatviert, nennt sich "Ahnenschwund" oder "Ahnenverlust". (Googel mal nach diesen Begriffen!)

Kurz zusammengefasst: Die Verzweigungen, die du betrachtest, das sind NICHT alles separate Linien, die zu immer anderen Menschen führen. Es gibt viele viele viele Überschneidungen und gemeinsame Vorfahren innerhalb deiner Ahnengalerie.

In der Vergangenheit waren die Menschen deutlich weniger mobil als heute. Häufig kamen sie zeitlebens nicht über die Grenzen ihrer Stadt oder ihres Dorfes hinaus. Infolge dessen war die Auswahl an potentiellen Partnern oft sehr begrenzt. Schnell war es möglich, dass die Einwohner eines Dorfes über wenige Generationen alle miteinander verwandt waren und Personen heirateten, die gemeinsame Vorfahren hatten.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Vielen Dank. Das hilft mir im Verständnis weiter. Es passt auch zu Dogukanns Hinweis auf "Kekule-Nummer".

Kommentar von Sachsenbruch ,
Kommentar von Sachsenbruch ,

Jede einzelne Antwort hier hat mir weitergeholfen. Diese scheint mir alle erhellenden Aspekte am besten zu raffen.

Und außerdem hat der Nutzer meine Frage gelobt. ::)

Antwort
von claushilbig, 50

Wenn Du nicht gerade einer lange Linie von Einzelkind-Familien entstammst, tauchen die meisten Vorfahren ja nicht nur in Deinem Stammbaum auf, sondern auch in mehreren anderen - wenn Du 25 Generationen zurück gehst (dann bist Du schon etwa im Jahre "0"), haben wahrscheinlich schon Tausende, wenn nicht Millionen von Menschen mindestens einen Vorfahren mit Dir gemeinsam.

Nur schaut normalerweise kaum jemand so weit zurück, so dass man das allgemein nicht mehr als "Verwandtschaft" empfindet, bzw. es gibt auch so weit zurück dann keine Unterlagen mehr, um das irgendwie schriftlich zu belegen.

Wenn man es aber genau nimmt, und in der "Ahnenforschung" weit genug zurück gehen könnte, würde man feststellen, dass die ganze Weltbevölkerung (im weitesten Sinne) miteinander verwandt ist.

Und genetisch (durch DNA-Analysen) hat man ja inzwischen auch festgestellt, dass vermutlich alle heute lebenden Menschen auf die gleichen gerade mal etwa 1.000 bis 10.000 "Urahnen" der Gattung Homo sapiens zurückschauen, die es vor etwa 70.000 bis 80.000 Jahren gab ... (https://de.wikipedia.org/wiki/Genetischer_Flaschenhals#Genetischer_Flaschenhals_...)

Kommentar von Sachsenbruch ,

Vielen Dank für die aufschlussreiche Zusammenfassung. Gerade der Flaschenhals-Effekt (von dem ich doch eigentlich schon wusste) illustriert das Ausmaß des meiner Frage zugrundeliegenden "Rechen"-Fehlers.

Antwort
von WeicheBirne, 107

Das Problem in Deiner Annahme ist, daß alle Ahnen in Deiner Ahnenrechnung verschiedene Individuen waren. Es könnte jetzt aber z.B. sein, daß eine UrUrUrUrUrUr-Großmutter aus der Familie Deiner Mutter auch eine UrUrUrUrUrUr-Großmutter in der Familie Deines Vaters ist. Vielleicht hatte sie ja zwei Söhne, von denen einer ein UrUrUrUrUr-Großvater in der Familie Deiner Mutter und einer UrUrUrUrUr-Großvater in der Familie Deines Vaters ist.

Je weiter Du in der Geschichte zurückgehst desto wahrscheinlicher ist so eine Doppelbelegung zwei verschiedener "Ahnenplätze" durch eine Person. Sobald das auftritt stimmt Deine Formel natürlich nicht mehr.

Kommentar von Sachsenbruch ,

Ich fange an, es zu verstehen. Vielen Dank.

Antwort
von Kamihe, 92

Diese Vorfahren sind ja alle gestorben und haben somit gar keinen Beitrag mehr zur Weltbevölkerung geleistet von dem du ja ausgehst.

Antwort
von Dogukann, 107

Das ist typisch für eine Exponentialfunktion, wenn du ihren Graphen mal anschaust, ist sie anfangs schon fast linear und dann steigt sie gewaltig.
Gruß

Kommentar von Sachsenbruch ,

Danke. Ich verstehe dennoch nicht, wo all diese Menschen herkommen oder geblieben sein sollen.

Kommentar von Dogukann ,

Sie sterben ja auch.

Kommentar von Dogukann ,

Für dich vielleicht interessant: Kekule-Nummer

Kommentar von Sachsenbruch ,

"Durch Ahnenverlust ist es möglich, dass ein Teil der Vorfahren mehrere Kekule-Nummern bekommt", steht dort. Jetzt ahne ich, was Du mit "Sie sterben ja auch" meinst.

Antwort
von Dhalwim, 71

Ganz so falsch liegst du da eigentlich nicht. Du hast sehr sehr sehr viele Ahnen bzw. Vorfahren, aber das ist doch der eigentliche Sinn der Evolution. Aber du darfst auch nicht vergessen, es sterben [leider :(] immer wieder Menschen.

Was du auch wieder nicht vergessen darfst, im Mittelalterlichen Europa, bei den Ägyptern und sogar andere in der Antike (Altertum wo Frühe Hochkulturen waren), gab es Inzestuöse Dynastien, die mit dem laufe vieler Generationen behinderte oder Herrschungsunwürdige Könige hervorgebracht hatte:


Das heißt jetzt nicht, dass wir alle Menschen behindert sind (wobei, eigentlich doch, die wirklich behinderten bekennen sich nämlich als einzige zu ihrer Behinderung, da jeder Mensch einen anderen Vogel hat ^^),

aber vielleicht mehr oder weniger miteinander verwandt.

Du hast soviele Vorfahren, aber es ist doch auch nur logisch, dass es mehr tote als lebendige Menschen gibt. Weshalb dann die Bevölkerung sich immer in dieser Sterblichkeitsbegrenzung aufhält.

Hoffe das hat dich weitergebracht,

LG Dhalwim

Kommentar von Sachsenbruch ,

Danke für die ausführliche Antwort.

Dennoch muss ich kleinkrämerisch anmerken, dass zunächst einmal seit einigen Jahren die Situation herrscht, dass es mehr lebende Menschen als jemals gestorbene gibt. Und wenn ich tatsächlich so viele Individuen als Vorfahren hätte, dann wären das vor 1300 mehr Menschen, als überhaupt lebten. Da stimmt also etwas Grundsätzliches an der Überlegung nicht, die ich in meiner Frage aufstelle, und ich wüsste gern, was ...

Kommentar von Dhalwim ,

Ich sehe da keine Unstimmigkeit, es ist sehr gut möglich, dass du Ich und viele andere soviele Vorfahren hatten.

Schließlich sammeln sich die toten mehr oder weniger über die Jahre, denn wenn mehr Bevölkerung herrscht, kann es auch mehr tote geben.

Früher hatten die Menschen auch viel mehr Kinder, angenommen im 20 Jahrhundert da hatten Elternpaare noch so 4 - 10 Kinder oder so ähnlich.

Mehrere große Familien, und heutzutage, naja sind's jetzt halt nicht mehr soviel.

Der Knackpunkt ist folgender, Medizin war früher nicht so gut ausgeprägt wie heute, also konnte auch sein, dass ein jemand ein Kind zeugte, und in folge irgendeiner Krankheit bzw. Epidemie (Pest), starb, da er die Krankheit nicht besiegen konnte.

So würde Ich es mir erklären,

LG Dhalwim

Antwort
von KuarThePirat, 48
Kommentar von Sachsenbruch ,

Der Artikel erklärt es tatsächlich "am Stück". Danke.

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