Wie viel Unterhalt muss ich meiner Tochter zahlen?

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5 Antworten

Zwar hat die Tochter momentan als Schülerin noch einen Unterhaltsanspruch an die Eltern, aber:

  • Solange sie noch bei dir (im elterlichen Haushalt) leben kann, könntest du ihr deinen Anteil am Gesamtunterhalt in Form von Verpflegung und Unterkunft statt Bargeld gewähren. Dafür kannst du auch das Kindergeld verwenden.
  • Nur, wenn sie nicht mehr bei dir wohnen könnte, weil ihr Schulweg sonst unzumutbar lang wäre, oder wenn du dem Auszug zustimmen würdest, hätte die Tochter Anspruch auf Barunterhalt auch von dir. Dann müsste das Kindergeld an sie weitergereicht werden.

Wohnt sie nicht mehr im elterlichen Haushalt, so gilt sie nicht mehr als "privilegiert". Das bedeutet:

  • Ihr Unterhaltsanspruch ist dann nachrangig zu behandeln. 
  • Nur, wenn den jeweiligen Elternteilen von ihren Einkommen nach Zahlung der vorrangigen Unterhalte (minderjährige Kinder, Ehepartner...) noch mehr als ihr dann erhöhter Selbstbehalt verbleibt, müssten sie auch der Tochter vom darüber liegenden Betrag noch Unterhalt zahlen.
  • Dieser Selbstbehalt liegt dann bei jeweils 1300 Euro.
  • Der "unterhaltsrechtliche Bedarf" der Tochter läge dann unabhängig vom Einkommen der Eltern bei insgesamt 670 Euro, worauf das Kindergeld in voller Höhe und auch mögliches eigenes Einkommen angerechnet werden.

Für dich könnte das bedeuten:

  • Der Unterhaltsanspruch der Tochter läge bei insgesamt 480 Euro (670 - 190 Euro Kindergeld), falls sie selbst kein anrechenbares Einkommen erzielt, und wäre auf beide Eltern anteilig aufzuteilen (im Verhältnis ihrer Einkommen zueinander.
  • Dein "unterhaltsrelevantes Einkommen" (Netto abzüglich anrechenbarer Beträge) dürfte um die 1470 Euro liegen. (Du könntest/ müsstest der Tochter also ggf. höchstens noch 170 Euro zahlen.)
  • Solltest du Unterhalt für ein jüngeres Kind erhalten, würde dieser nicht auf dein Einkommen angerechnet (es wäre nur Einkommen dieses Kindes selbst). 
  • Müsstest du Unterhaltszahlungen für ein minderjähriges Kind an dessen anderen Elternteil leisten (oder einen Ehepartner "mitversorgen"), würde sich dein "unterhaltsrelevantes Einkommen" um diesen Betrag verringern und du wärst der Tochter gegenüber nicht mehr "leistungsfähig - müsstest ihr nichts zahlen.

Da die Tochter ihre Ansprüche ab Volljährigkeit allerdings selbst anmelden und einfordern müsste, brauchen die Eltern ihr überhaupt nur noch etwas zahlen, wenn sie dies bereits getan hat. 

  • Wenn nicht geschehen, könnte der Vater seinen Unterhalt erstmal einstellen - bis die Tochter selbst eine Neuberechnung veranlasst hat.
  • Sollte es einen unbefristeten Titel über den bisherigen Unterhalt (bis zur Volljährigkeit) geben, könnte der Vater diesen ggf. "abändern" lassen....


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Kommentar von Cosimal
17.12.2015, 11:13

Wow! Vielen Dank für dieses Weihnachtsgeschenk. Ich kann nicht glauben, das es so nette Menschen gibt wie dich! So eine fundierte und kenntnisreiche Antwort habe ich hier nicht erwartet und freue mich um so mehr. LG

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Wenn ein volljähriges Kind auszieht, also nicht mehr im Haushalt eines Elternteils lebst, entfällt in jeden Fall die Priviligierung. Sprich das Kind wird nicht mehr minderjährigen gleichgestellt. Das führt dazu das minderjährige Kinder und Ehegatten Vorrang haben und der Selbstbehalt gegenüber diesen Kind auf auf 1300€ steigt.

Wie viel sie Zahlen müssen hängt davon ab, was der Vater verdient. Der Unterhalt wird im Verhältnis der Leistungsfähigkeit auf beide Elternteile verteilt.

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Moment! Es ist ein ganz erheblicher Unterschied, ob das Kind ausziehen möchte oder ausziehen MUSS! Wenn das Kind nämlich einfach " zum Spaß" auszieht, weil es zuhause uncool ist, dann entfällt die Unterhaltspflicht!

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Von solchen Summen träume ich.. Ich darf 1750,- CHf zahlen (1690€)

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Kommentar von Cosimal
16.12.2015, 23:57

Du weißt schon das diese Auskunft nicht weiterhilft. Zum profilieren aber bestens geeignet.

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Kommentar von Healzlolrofl
17.12.2015, 00:05

Wieso profilieren? Das ist hier in Zürich der normale Grundsatz an 0-8 Jährige. Steht ja überall im Internet. Das hat auch nichts mit dem verdienst zutun, Kollege.

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Guten Abend,

eine genaue verbindliche Summe kann dir nur ein Rechtsanwalt sagen, da hier auch eine Rolle spielt, wie hoch das bereinigte tatsächliche Nettoeinkommen ist. Würde man von 1550 Euro ausgehen was übrig bleibt, müsstest du ab 01.01. 542 Euro Unterhalt zahlen an deine Tochter. Hälftig wird das Kindergeld noch abgerechnet, und den Unterhalt der für dein anderes Kind anfällt. So kämst du auf 516 Euro, wobei dein Selbsterhalt dann vermutlich von 1079,99 Euro auf 790 Euro herabgesetzt werden könnte sofern deine Tochter wirklich gerichtlich gegen dich vorgehen würde.

Ich hoffe ich konnte dir helfen.

Liebe Grüße

Wissensdurst84

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Kommentar von Cosimal
17.12.2015, 00:22

Von gerichtlichen Vorgehen kann zum Glück keine Rede sein. Vielen Dank für die freundliche Antwort.

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Kommentar von ichweisnix
17.12.2015, 00:50

So kämst du auf 516 Euro, wobei dein Selbsterhalt dann vermutlich von 1079,99 Euro auf 790 Euro herabgesetzt werden könnte

Der Selbstbehalt gegenüber nicht priviligieren volljährigen Kindern beträgt 1300€. Was sie meinen bezieht sich auf minderjährige oder priviligierte ( unter 21, in der Schule und im Haushalt eines Elternteil lebend) Kinder.

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Kommentar von DFgen
17.12.2015, 10:16

1550 Euro ausgehen was übrig bleibt, müsstest du ab 01.01. 542 Euro Unterhalt zahlen an deine Tochter.

Dieser Betrag ist völlig aus der Luft gegriffen....

Hälftig wird das Kindergeld noch abgerechnet, 

Bei volljährigen Kindern wird das Kindergeld in voller Höhe auf den "Bedarf" angerechnet.

wobei dein Selbsterhalt dann vermutlich von 1079,99 Euro

Diesen Betrag gibt es nicht als "Selbstbehalt" sondern lediglich als "Pfändungsfreibetrag" - beide haben direkt nichts miteinander zu tun.

vermutlich von 1079,99 Euro auf 790 Euro herabgesetzt werden könnte

??? .... 

Eine Herabsetzung wäre nur möglich, wenn ein Verstoß gegen die "erhöhte Erwerbsobliegenheit" vorliegen würde. 

Diese besteht gegenüber volljährigen Kindern nicht, wenn sie nicht mehr "privilegiert" sind. 

Dann beträgt der Selbstbehalt ihnen gegenüber übrigens auch (derzeit) 1300 Euro.

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