Frage von GedankenGruetze, 91

Wie viel Programmierung steckt eigentlich in Computerspielen?

Wenn es um Making Ofs von Spielen geht, dann sehe ich immer nur Leute, die vor nem Rechner sitzen und da super duper coole 3D Figuren herstellen und sie da animieren. Das Selbe wenn es um Levels oder ganze Welten geht.

Meine Frage ist nun, wie viel (Grafik)Programmierung in so einem Spiel heutzutage noch mit einfliest bzw. was sich in den letzten 20 Jahren geändert hat?!

Wenn es um Grafikprogrammierung geht, wird zu Beginn oft DirectX oder OpenGL vorgeschlagen, aber wird das überhaupt großartig verwendet? Ich meine, da sitzt doch niemand da und programmiert einzelne Polygone, die dann mit einer Textur überzogen werden oder benötigt man Grafikbibliotheken dennoch, um mit den 3D Figuren zu arbeiten?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von DanielDewald, 40

Als professioneller spiele Entwickler kann ich dir sagen das kaum mehr jemand die Arbeit auf sich nimmt eine eigene engine zu entwickel. Entsprechend wird der größte Teil des OpenGL bzw. DirectX codes nicht mehr in-house geschrieben. Wir haben allerdings noch unsere eigene Engine. Setzen diese aber nicht für jeden Titel ein. 

Der größte Teil des geschrieben Codes umfasst bei Titeln ohne eigene engine den gameplay Teil. Sprich das Verhalten des Spiels bzw. Lade / entlade Routinen. Und da kommt eine ganze Menge Code zusammen. Zusätzlich wird immer und immer wieder über den vorhandenen Code iteriert um diesen zu optimieren. 

Mit engines wie UE4 und Unity können Teile dieses Codes in visuelle Tools als Daten ausgelagert werden um den gamedesignern mehr Kontrolle über gameplay Abläufe zu geben. Aber dafür müssen rundherum entsprechende Tools geschrieben werden, was auch wieder Code ist. 

Du siehst also: für alles was nicht im Bereich ultra casual 0815 Spiel endet wird immer noch eine Menge Code benötigt.

Kommentar von nintendoluk ,

Wo arbeitest du denn und was genau ist deine Aufgabe (Coden/3D-Design/etc.) ?

Kommentar von DanielDewald ,

Ich arbeite bei DeepSilver FISHLABS. Zuerst als gameplay programmer, später als build engineer und zur Zeit als graphics programmer an unserer engine. Habe aber vorher auch schon z.B. als Tools Programmer bei EA gearbeitet. Habe also ein relativ breites Spektrum schon mit gemacht. Da ich im Bereich Tools und Build Engineering viel Support für andere "Abteilungen" geleistet habe, habe ich auch im Arts und Design Bereich einen ganz soliden Einblick. Das soll natürlich nicht bedeuten das ich deren Job machen könnte :-P.

Kommentar von nintendoluk ,

Alles Klar, Danke!

Was mich noch interessieren würde, ist dein Werdegang. Welche Ausbildungen hast du gehabt, oder hast du studiert?

Bzw. welchen Weg würdest du mir empfehlen, wenn ich Gameplay Programmer werden will? Aktuell bin ich am Ende meiner Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwenudngentwicklung.

Kommentar von DanielDewald ,

Ohne Studium hast du leider vor allem als Programmierer keine großen Chancen. Solltest du es tatsächlich rein schaffen hättest du es sehr schwer Karrieretechnisch weiter zu kommen. Und du würdest noch weniger verdienen als man in der Branche ohnehin schon tut. Ein Studium ist also die richtige Wahl.

Ich habe nach meiner mittleren Reife die Fachoberschule und dann eine Fachhochschule besucht um zu studieren (Informatik). Nach dem Studium habe ich 6 Monate Praktikum absolviert (Leider immer noch der beste Einstieg). Sobald du mal Erfahrung hast in der Branche wird es einfacher dort etwas zu bekommen. 

ABER: Die spieleindustrie ist sehr klein in Deutschland. Du musst bereit sein öfter mal umzuziehen und bereite dich darauf vor Gehalts-, Arbeitszeit- und Arbeitsumgebungstechnisch einiges an abstrichen hinnehmen zu müssen. Wenn du das nicht kannst bzw. möchtest, ist das nicht die richtige Branche für dich. 

Hubs sind im Moment Hamburg, Berlin, Frankfurt und ein wenig München. Dazwischen sind einige wenige über Deutschland verteilt. I'm Ausland sind die Chancen besser. Besonders USA und Kanada.

Kommentar von nintendoluk ,

Okay, danke für die Info!

Informatik studiert hätte ich wahrscheinlich eines Tages sowieso. Ich wäre auch bereit umzuziehen (auch ins Ausland, aber eher nur Europaweit).
Das hört sich auf jeden Fall erstmal nach einem Plan an ^^ Auch wenn ich immer noch überlege, ob ich nicht ganz normal als Informatiker arbeiten soll, und die Spiele in meiner Freizeit entwickeln werde.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Wenn man die Gehaltssituation und die Arbeitsbedingungen anschaut, sind die angesagten Jobs gar nicht sooo attraktiv. Das Gehalt, die Aufstiegs-Chancen und die Tarifleistungen sind in der traditionellen Industrie, bsp: Automobilzulieferer, Sondermaschinenbau etc. deutlich besser.

Lies mal dies:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/goodgame-betriebsrat-wird-vom-manag...

Kommentar von DanielDewald ,

Die Spielebranche ist definitiv etwas für Idealisten. Mit den Wörtern Gehalt oder Arbeitszeit oder Gott Bewahre Tarifvertrag braucht man hier gar nicht erst anfangen. All das ist in den meisten anderen Branchen besser und vor allem auch geregelter. Besonders in Deutschland wird die Spielebranche auch leider immer noch nicht ernst genommen.

Kommentar von GedankenGruetze ,

Ahh okay... Danke für die coole Info.

Antwort
von Bounty1979, 50

Die reine Programmierarbeit wird häufig nach Fernost ausgelagert. Indien ist da ein ganz großer Markt.

Bei modernen 3D-Spielen ist aber der Grafik-Part der aufwändigste. Um diese zu erstellen wird eine 3D-Engine genutzt.

Eine Engine kann für eine ganze Reihe von Spielen genutzt werden, bis sie eben veraltet ist.

So eine Engine zu erschaffen, dass ist die eigentliche große Kunst.

Aktuell ist die Unreal 4 Engine eine der Top-Engines:

https://www.unrealengine.com/what-is-unreal-engine-4

Kommentar von kesux ,

Der erste Satz ist etwas missverständlich formuliert. Sicherlich wird viel "Tipparbeit" outgesourcet, aber trotzdem hat jeder gute Entwicklungsbetrieb noch immer Vollzeitprogrammierer, die sich um Wartung, Konzipierung und Weiterentwicklung kümmern.

Auch 3D Engines werden noch heutzutage selbst geschrieben, das beste Beispiel ist Deck13, die für Lords Of The Fallen von Grund auf eine neue entwickelt haben.

Antwort
von mojo47, 41

das siehst du in den making ofs, weil das andere niemand sehen will. zumindest nicht der standart endverbraucher.

Antwort
von Consti112, 49

Sau viel die aktuellen spiele haben glaube ich um die 100 Mio Programmzeilen.

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