Frage von Schladde, 113

Wie viel ist ein Menschenleben vor Gericht wert?

Hallo Leute,

vor knapp einem Jahr hatte mein Vater einen tödlichen Motorradunfall. Ein 19 Jähriges Mädchen hat ihn schlicht und ergreifend beim linksabbiegen auf der Landstraße (Tempo 100 erlaubt) "übersehen" und frontal erwischt. Jetzt findet in 6 Wochen die Gerichtsverhandlung statt, bei der ich , in Vertretung meiner Mutter, als Nebenkläger auftreten muss. Unser Anwalt sprach von einem Strafmaß für die Unfallverursacherin von 120 Tagessätzen zu 10-15€ ... Ist ein Menschenleben denn wirklich nur 1200€ Wert ?

Sie hat laut Unfallbericht nicht großb fahrlässig gehandelt (Handy am Ohr, Schminken im Auto etc.) und legt wohl vor Gericht ein umfassendes Geständnis ab.

Ich möchte mich an dem Mädchen nicht "rächen" .. ich denke sie hat es schwer genug mit 19 damit klarzukommen, einem 55-Jährigen Familienvater das Leben genommen zu haben. Aber mich würde es tatsächlich interessieren.

Zu der Geldstrafe kommt wohl noch ein 3 jähriges Fahrverbot.

Lohnt es sich wirklich hier als Nebenkläger aufzutreten? Welche Vor-/NAchteile ergeben sich für mich, und für die Unfallverursacherin?

Freue mich auf eure Antworten.

Antwort
von Interesierter, 17

Die Art, wie du die Frage stellst, wird dem eigentlichen Thema nicht gerecht.

Es geht hier nicht darum, was ein Menschenleben wert ist.

Vielmehr geht es darum, eine der Tat und der Schuld angemessene Strafe zu finden.

Du schreibst ja selbst, das Mädchen hätte deinen Vater wohl übersehen und ihm aus Unachtsamkeit die Vorfahrt genommen.

Sei mal ganz ehrlich, hast du dich beim Fahren noch nie vertan und jemandem die Vorfahrt genommen? Ich denke, das passiert jedem Autofahrer irgendwann einmal. In den meisten Fällen geht es gut. Entweder passt der Gegenüber auf und bügelt den Fehler aus oder man hat einfach Glück.

In diesem Fall lief es unglücklich und es kam zum Zusammenstoß. Ich fahre selbst Motorrad und weiss, wie schnell man übersehen wird. Als Biker muss man da wirklich sehr auf der Hut sein, denn der einfache Fehler eines Anderen kann für einen selbst schnell tödlich ausgehen. Da muss man für die Anderen mitdenken.

Ob es nun sinnvoll ist, in einer solchen Sache als Nebenkläger aufzutreten, kann man sicherlich kontrovers diskutieren. Auf der einen Seite stelle ich mir die Frage, was es bringen soll, auf der anderen Seite weiss ich, dass dies die einzige Möglichkeit für euch ist, auf die Verhandlung Einfluss zu nehmen.

Antwort
von AnReRa, 52

Das Strafmaß hat ja nichts mit Schadenersatz zu tun.
Es geht hier augenscheinlich nur um den Verkehrsunfall und für den gibt es einen Katalog innerhalb dessen sich das Strafmaß regelmäßig bewegt.
(Körperverletzung mit Todesfolge ?)

Für den reinen Schadenersatz ist die Kfz-Haftpflicht der Fahrerin zuständig (da ja nicht grob fahrlässig) . Das kann (und wird vermutlich) Teil eines Verfahrens gegen die Haftpflicht werden, weil die versuchen wird möglichst 'billig' aus der Sache rauszukommen.

Ich denke nicht, dass sich für Euch oder die Unfallverursacherin viel ändert wenn Du als Nebenklägerin auftauchst. Aber der Anwalt hat seine Strategie und der solltest Du folgen. Die Kosten trägt in jedem Fall die Unfallverursacherin)

Kommentar von Schladde ,

Danke für deine Antwort. Die genaue Anklage ist allerdings (laut Schreiben des Gerichts) Fahrlässige Tötung. Falls das irgendetwas ändert !? Ich kenne mich zu wenig aus um den Unterschied zwischen "fahrlässige Tötung" und "Körperverletzung mit Todesfolge" zu kennen ..

Kommentar von AnReRa ,

Mein Fehler, 'Körperverletzung' setzt die Absicht des Beklagte voraus dem Opfer eine Verletzung zuzufügen. Liegt hier ja nicht vor.
Das Strafmaß wäre wohl ungleich höher.

Antwort
von wfwbinder, 29

Für fahrlässige Tötung eine Geldstrafe ist zwar nach § 222 möglich, aber relativ selten.

Ich denke Der Anwalt schätzt etwas gering. Und 10-15 Euro Tagessatz sind nur ein Einkommen in der GRöße 450,- Euro Job.

Bei dem Strafmaß kommt es auf den Grad der Schuld an (also wie fahrlässig war das verhalten udn auf ein eventuelles Fehlverhalten des Geschädigten.

Ich kann mir eine so geringe Geldstrafe nur vorstellen, wenn Ein Vater entweder zu schnell war, oder kein Licht anhatte. Sonst würde ich eher auf 9-15 Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung tippen.

3 Jahre wären übrigens kein Fahrverbot, sondern Entzug der Fahrerlaubnis mit Sperrfrist von 3 Jahren.

Kommentar von Schladde ,

Hallo wfwbinder, das mädchen befindet sich nach meinen Informationen noch in Ausbildung, dewegen ist ein monatliches Einkommen von 400-500 € garnicht so abwegig.

Zum zweiten war mein Vater (laut polizeil. Gutachten) weder zu schnell noch fuhr er ohne Licht.

Bist du Jurist ? oder sind das nur Erfahrungsberichte !? Ich persönlich finde eine Freiheitsstrafe (auch zur Bewährung) heftig.

Kommentar von wfwbinder ,

Ich habe Jura studiert. Aus den Dingen, die ich in Strafrecht zu sehen bekommen habe sind Geldstrafen bei fahrlässiger Tötung schon seltener. Kommt aber auf das Gericht an.

Antwort
von DerHans, 34

Es klingt zwar profan, aber es geht auch um den Schadensersatzanspruch.

Der hängt direkt mit einem Schuldspruch der Unfallfahrerin zusammen.

Antwort
von LockheedGalaxy, 51

Es geht hier nicht darum wie viel ein mensch wert ist sondern um eine gerechte strafe und über die strafe an sich kann nur der richter entscheiden ich persönlich finde die strafe gerechtfertigt

Antwort
von frischling15, 47

Mein herzliches Beileid !

Antwort
von Mignon3, 38

Die Strafe ist "nur" die strafrechtliche Aufarbeitung des Unfalls. Die 19-Jährige hat den Unfall nicht vorsätzlich verursacht und ist geständig. Das Strafmaß (120 Tagessätze zu je € 10 bis 15) bemißt sich an den Einkünften der Unfallverursacherin.

Besprich mit deinem Anwalt, ob ihr Schmerzensgeld beanspruchen könnt. Das wäre dann ein zivilrechtliches Verfahren. In diesem Prozess wird der Verlust des Menschenlebens für die Hinterbliebenen bewertet und ist unabhängig von den finanziellen Verhältnissen der Unfallverursacherin, da deren Versicherung eintreten muß.

Alles Gute für dich und deine Mutter!

Antwort
von nope23, 41

die 1200 sind doch nicht dafür da um dir deinen Vater zurück zu zahlen sonder um sie zu bestrafen und ich denke mit 19 sind 1200€ echt viel

Antwort
von MAXLmustermann, 45

ich kann dir deine Frage ncht beantworten

aber es tut mir echt leid um deinen Vater!

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