Frage von VerbundenMitGF, 139

Wie Versichere ich ein Haus richtig?

Aufgrund der Wetterereignisse der letzten Tage, beschäftige ich mich mit der Frage wie man ein Haus richtig versichert.

Auf was sollte man im Versicherungsvertrag achten? Welche Punkt dürfen nicht fehlen? Ist es cleverer eine Neuwertsumme oder den 1914 Goldmark Wert zu nehmen? Und was ist überhaupt der Unterschied? Wie darf man den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verstehen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Loroth, 81

Hallo,

die gute Nachricht: Im "Groben" erfindet bei den Versicherern keiner mehr das Rad neu. Soll heißen: Die Standardgefahren "Feuer", "Leitungswasser" und "Sturm/Hagel" sind bei den meisten Versicherern gleich oder zumindest sehr ähnlich abgesichert.

Die schlechte Nachricht: Der Teufel liegt - wie so häufig - im Detail. Denn man sollte schon genau hinschauen, ob im Rahmen der mitversicherten Leistungen auch die eigene, individuelle Risikosituation entsprechend abgesichert wird.

Bsp.: Sofern man für Zu- und/oder Ableitungsrohre auf dem, aber auch außerhalb des Versicherungsgrundstücks das Risiko trägt, kann es durchaus angeraten sein, einen Versicherer zu wählen, der hierfür auch Versicherungsschutz bietet.

Oder: Elementarschutzpakete können unterschiedliche Gefahren absichern. Da kann es für den "Flachlandtiroler" wenig tröstlich sein, wenn er zwar Lawinen in seinem Versicherungsumfang mit drinne hat, er bei eindringendem Starkregen aber in die Röhre schaut.

Was ich persönlich u.a. für zunehmend wichtiger werdend halte: Dass Aufräumungs-, Bewegungs-, Schutz- und Entsorgungskosten möglichst ohne Summenbegrenzung mitversichert sind. In Zeiten immer strengerer Umweltauflagen kann nämlich ansonsten noch vor dem Wiederaufbau eines Gebäudes bereits Schluss sein, weil der Eigentümer die Entsorgungskosten nicht aus eigener Tasche stemmen kann.

Ist es cleverer eine Neuwertsumme oder den 1914 Goldmark Wert zu nehmen?

Dem Grunde nach ist es nicht maßgeblich, welche Form man hier wählt. Entscheidend ist die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen dem Kunden der Unterversicherungsverzicht gewährt wird. Anders als in der Hausratversicherung handelt es sich hierbei nämlich um einen möglicherweise entscheidenden Aspekt, da bei den Gebäudeversicherungen in so einem Fall ggf. auch über die eigentliche Versicherungssumme hinaus reguliert wird. 

(Übrigens gehen immer mehr Versicherer hin und verzichten ganz auf die Benennung einer Versicherungssumme - egal ob in RM oder in €: es wird nur noch das zu versichernde Gebäude beschrieben und fertig. Die Obergrenze der Regulierung orientiert sich dann nur noch an der Vergleichbarkeit des versicherten zu dem wieder zu errichtenden Gebäude.)

Wie darf man den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit verstehen?

Laut Versicherungsvertragsgesetz kann der Versicherer seine Leistung anteilig kürzen, wenn der Schadenfall vom Versicherungsnehmer grob fahrlässig herbei geführt wurde. Verzichtet der Versicherer auf "die Einrede der groben Fahrlässigkeit" wird auf dieses Kürzungsrecht verzichtet, sprich: der Versicherte bekommt die volle Leistung.

Viele Grüße

Loroth

Kommentar von Buerger41 ,

Es ist sehr wohl maßgeblich, welche Form man wählt Es kommt meines Erachtens immer darauf an, dass der Kunde im Schadenfall nicht im Regen steht.

Also sind die Klauselbögen wichtig. Beim Wert 14 wird der Schadenbetrag anders angesetzt als bei der Höchstbetragssumme. Das gehört zum Grundwissen eines Vermittlers für Gebäudeabsicherungen.

Kommentar von Loroth ,

Hebt denn der Unterversicherungsverzicht gerade in der Wohngebäudeversicherung diesen Unterschied nicht auf?

Antwort
von Buerger41, 43

Der Unterschied einer Gebäudeversicherung nach Wert 14 und einer Höchstbetragssumme zum Neuwert zeigt sich vorallem im Schadenfall.

Bei einer Höchstbetragssumme wird der Schaden ersetzt, der am Schadentag entstanden ist. Beim Wert 1914 wird der Schaden am Tag der Beendigung der Reparaturarbeiten ersetzt. Der Unterschied kann erheblich sein.

Die Einrede der groben Fahrlässigkeit kommt auf, wenn man Sorgfaltspflichten außer acht lässt, also z.B. bei längerer Abwesenheit oder gar Urlaub die Dachfenster offen lässt, sodaß bei Sturm die Dachfläche aufgerissen werden kann.

Man sollte die erweiterte Elementarschadenklausel vereinbaren UND die " nicht genannten Gefahren" mit einschließen. Das ist je nach Wohnort recht teuer, aber bei Unwettern ist man auf der sicheren Seite.


Antwort
von Apolon, 23

 Ist es cleverer eine Neuwertsumme oder den 1914 Goldmark Wert zu nehmen?

Sinnvoller ist es doch das Ein- oder Zweifamilienhaus nach Neuwert und je Versicherungsfall bis max. 2.5 Mio. € zu versichern.

Und dazu genügt es die richtige Wohnfläche des Gebäudes anzugeben. 

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 81

Mit dem Wert 1914 wird erreicht dass durch jährliche Indexanpassungen der ursprüngliche Wert immer aktuell bleibt. Natürlich müssen Um- und Anbauten dann nachgedeckt werden.

Feuer, Leitungswasser, Sturm und zusätzlich Elementarschäden.

Kommentar von VerbundenMitGF ,

Und warum nicht zum Neuwert?  Gibt es besondere Einschlüsse die von Bedeutung sind ? 

Antwort
von schleudermaxe, 53

Hat das nicht Finanztest letzten Monat groß und breit veröffentlich?

Auch wurden die Firmen bewertet, höre ich.

Kommentar von MoechteAWissen ,

Den Test kann man mal wieder komplett in die Tonne treten!

Den Kunden wurde mal wieder an keine Stelle gezeigt, wie man sich richtig versichert.

Aus Maklersicht gibt es nur eine Variante es richtig zu machen und das ist die allgefahren-Deckung!

Dumm ist, dass 97% der Anbieter diesen Schutz nicht anbieten. Deshalb ist es enorm wichtig, dass die Kunden Kontakt zu einem spezialisierten Makler aufnehmen...  

Kommentar von Loroth ,

Aus Maklersicht gibt es nur eine Variante es richtig zu machen und das ist die allgefahren-Deckung!

Ich hätte i.d.T. in meiner ersten Antwort das Allgefahren-Konzept erwähnen sollen, habe es aber unberücksichtigt gelassen, weil tatsächlich nur die wenigsten Anbieter einen solchen Schutz anbieten.

Vom reinen Versicherungsschutz her ist die Allgefahrendeckung aber natürlich die umfassenste Absicherung, die auch weit über den klassischen "F-LW-St/H"-Schutz hinausgeht.

Das Wichtigste in diesem Zusammenhang scheint mir aber die Umkehr der Beweislast zu sein: Nicht der Kunde muss der Versicherung beweisen, dass der Schaden xy eingetreten ist, sondern der Versicherer muss nachweisen, dass ein bestimmtes Schadenereignis nicht versichert ist.

Zwar liegen die Beiträge in aller Regel ein Stück über einer vergleichbaren "klassischen" Versicherung, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist aber i.d.T. zumeist richtig, richtig gut!

Kommentar von Fjolnir ,

Gibt es denn überhaupt eine All-Gefahren-Deckung? Oder haben die nicht auch wieder Ausschlüsse ?

Kommentar von MoechteAWissen ,

Es gibt schon Ausschlüsse. Doch diese sind überschaubar.

Grundsätzlich wird folgendes Ausgeschlossen:   

Kriegsereignisse, mangelhafte Beschaffenheit, Vorsatz, nicht bezugsfertige Gebäude

Kommentar von MoechteAWissen ,
Antwort
von kenibora, 53

Lass eine Versicherung das Haus Begutachten und Dir ein Angebot geben. Weitere Angebote anderer Versicherungen sinnvolll- und ratsam! (Auf alle Fälle eine Versicherung gegen Elementarschäden!)


Kommentar von VerbundenMitGF ,

Ich arbeite selbst seit kurzem für eine Versicherung. Ich bin ganz am Anfang meiner Ausbildung. Mir ist verschiedenes aufgefallen. Deshalb frage ich mich, welche Einschlüsse sind wirklich wichtig ? 

Kommentar von jsch1964 ,

Die Antwort von Loroth ist schon sehr gut und ausführlich. Ich selber verkaufe nur noch All-Risk-Tarife (Allgefahrendeckung), incl. unbenannte Gefahren.

Den Ärger, den ich haben könnte, wenn irgendetwas nicht versichert sein sollte, will ich gar nicht erst riskieren.

Antwort
von ersterFcKathas, 70

vor allem solltest du auf eine elementarschaden versicherung nicht verzichten... denn die unwetter nehmen zu  und da ist alles drin was im normalen versicherungsfall nicht abgedeckt ist

Kommentar von VerbundenMitGF ,

In welchem Umfang soll die Elementarschadendeckung eingeschlossen werden? 

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