Wie verhalte ich mich, wenn ein anderer Mensch in meiner Anwesenheit einen Epilepsieanfall erleidet? Kann ich für die Person etwas tun, außer den Notarzt zu rufen? Ich möchte das wissen, weil einem Freund das passiert ist und der gar nicht bescheid wusste! Kann mich jemand aufklären, wie man da helfen kann?

Jetz möchte ich auch noch meinen Senf geben: während eines Grand mal Anfalls, d.h. ein Anfall mit Bewußtseinsverlust und allgemeiner Verkrampfung, sieht alles dramatisch aus, insbesondere gibt es einen Schaum vor dem Mund und die Kiefer sind massiv verspannt, muß manm im allgemeinen dafür sorgen, daß keine weiteren Verletzungen auftreten, gegen das Beißen auf die Zunge kann man nichts machen und soll man nichts machen. Die ganzen Beißkeile, die noch in irgendwelchen Uralt-Notfallkoffern sich befinden, haben heute keine Berechtigung mehr. Nicht in dem Mund eines krampfenden herumstochern! Bringt ausser weiterem Würgen nichts. Nach dem Anfall kann man erbrochenes aussäubern und die Seitenlage anwenden.

Dafür sorgen, daß er sich nichts verletzen kann: Kissen unter den Kopf, seitlich lagern, damit er nicht erstickt, festhalten und wenn möglich -notfalls mit einem Kochlöffel- verhindern, daß er sich auf die Zunge beißt! Habe leider einen Fall erlebt, daß jemand sich während des Anfalls so heftig gestoßen hatte, daß er bewußtlos war und nicht merkte, daß er durch Nasenbluten verblutete.
mia68 am 18. Februar 2008 21:37 ...einfach nur DH!
Diana Fuchs am 18. Februar 2008 21:40 Wir haben gelernt nicht festhalten sondern nur alles wegräumen....
raubkatze am 18. Februar 2008 21:47 Kann man leider, wenn man allein ist und auch noch schwere Teile herumstehen, nicht immer! Jeder Anfall ist anders, nie den Kranken aus den Augen lassen!
Miguelgonzerres Paolopestossolos am 18. Februar 2008 21:51 Liebe Raubkatze ... Die Grundrichtung sei ok... Da hätte ich als Retter dann doch noch ein paar Makel... Zunächst... Ist eine Bewusstlosigkeit weiter BESTEHEND ??? Dann kann ein im Zuge des Krampfens entstandener Zungenbiss bei Anschwellen der Zunge zum SICHERNEN TODE FÜHREN !!!!!! Daher... Im Falle der Bewusstseinstrübung oder gar Verlust... Seitenlage... Stabile Seitenlage im Rahmen neuerer Richtlinien der Ersten-Hilfe überholt ... Und den vielleicht nach Iktus wieder ansprechbaren Patienten kannste eigentlich... Lagern, wie Du möchtest... So, wie er mitspielt... Die Stoß und Schlagprophylaxe ist ok... Aber grundsätzlich, bevor mir die Finger glühen... Zumindest alle 2 Jahrte mal wieder zu einem Erste - Hilfe Trainee !!! Die Kochlöffelnummer oder Feuerzeugnummer IST ÜBERHOLT !!!
raubkatze am 18. Februar 2008 22:05 Von stabiler Seitenlage habe ich bewußt auch nichts geschrieben. Wenn es eine Möglichkeit gibt, um den Biss auf die Zunge zu vermeiden, ziehe ich jede Lösung vor, damit das Ersticken daran nicht erst möglich wird. Meine "Patienten" haben mir für mein beherztes Eingreifen jedenfalls sehr gedankt.
Miguelgonzerres Paolopestossolos am 18. Februar 2008 22:07 Ja, soweit ok... Es gibt ja ziemlich viele fachkundige Helfer... Aber habe ich auch schon mit ner Magillzange Feuerzeuge und andere Teile WIEDER HERAUS PULEN müssen... Daher mein Einwand... Für Dich persönlich ein Sorry !
neurodoc am 18. Februar 2008 23:54 Bis auf den Kochlöffel: richtig.
raubkatze am 19. Februar 2008 00:07 Mal ganz ehrlich! Ich nehme lieber -wenn möglich-einen Kochlöffel, den ich nachher auch fast unbeschadet wieder herausbekomme, als meine Finger. Stecken bleibt der nicht! Dafür ist er zu lang, und er kann problemlos herausgezogen werden. :)
claude5 am 21. Februar 2008 14:57 Gar nichts in den Mund schieben ist richtig, also keinen Kochlöffel und auch keinen Finger!!!
Kann nur raubkatze aus eigenen Erfahrungen im Bekanntenkreis und nach Ausasgen der Ärzte bestätigen: Das erste Mal wurde unsere Bekannte mit Blaulicht ins Krankenhaus gebracht. Wurden vom KH-Arzt aufgeklärt: Im Krankenhaus wird auch nicht mehr gemacht. Also auf den Betreffenden aufpassen, nachher fällt er in einen tiefen Schlaf und erholt sich so von dem Anfall.
Luise am 19. Februar 2008 07:09 DH
Zunächst kannst Du gar nicht viel machen. Den Notarzt rufen und alles, was in der näheren Umgebung steht wegräumen, damit der Patient sich nicht verletzt. Vorsicht, wenn Du mit den Fingern in den Mund "mußt" der Patient krampft, nehm einen Loffel oder sonstiges zur Hilfe, da er Dir sonst auf die Finger beißt. L.G.
neurodoc am 18. Februar 2008 23:18 Nichts dergleichen machen bitte! Den Krampf des Mundes kann man und braucht man nicht zu lösen!Einfach schauen, daß sich der Betreffende nirgends verletzen kann.
Wenn Sie sich übergeben und Erstickung droht, sollte man doch den Löffel nehmen und dafür sorgen, das Sie den Notarzt noch erleben. L.G.
neurodoc am 18. Februar 2008 23:53 Nein, im Anfall nicht in den Mund herumfuhrwerken, nach dem Anfall Seitenlage oder den Mund ausräumen, falls erbrochen wurde!

Schau mal bei Wikipedia nach!
http://de.wikipedia.org/wiki/Epileptischer_Anfall#Akutbehandlung
Was Du bisher an Antworten bekommen hast, enthält teilweise nur Halbwahrheiten und nicht nur Brauchbares.
Bei den meisten epileptischen Anfällen muss man nur aufpassen, dass sich der "Patient" nicht selbst verletzt. Das heißt aber nur, dafür sorgen, dass ein Sturz nicht zu Verletzungen führt.
Jemanden ein Lineal oder einen Holzkochlöffeln in den Hals zu rammen, ist im Allgemeinen nicht die richtige Lösung.
Die meisten Anfälle dauern nur sehr kurze Zeit, sind recht ungefährlich und nur sehr anstrengend, weshalb danach Müdigkeit einsetzt. Wenn Du nicht weißt, was los ist, ruf einen Krankenwagen. Ist jemand dabei, der den "Patienten" kennt und Dir sagt, das das nicht nötig ist (z.B. weil es in deren zu Hause passiert und er sich danach hinlegen kann), dann ist auch gar kein Arzt sofort nötig.
Kommt noch hinzu, dass epileptische Anfälle unterschiedlich aussehen können, manche erinnern eher an eine einfache Ohnmacht, Epilepsie ist nicht immer "das große Zittern".

Geh hin und frag, wie du helfen kannst. Ich habe das mal im Ausland erlebt, in einem Selbstbedienungscafe, da haben alle weg geguckt und so getan, als sähen sie nichts. Der Epileptiker lag am Boden, und seine Begleitung ebenfalls, sie kümmerte sich um ihn. Ich hielt mich nicht für besonders kompetent, weil ich keine Ahnung hatte, was zu tun ist und auch die Landessprache nicht konnte, habe aber trotzdem meine Hilfe angeboten. Bitte kaufen Sie uns eine Cola, hieß es, ich kann hier nicht weg, aber wenn Sie uns die herbringen könnten, das hilft ihm, und dann kann er damit auch seine Medizin nehmen. Und außerdem fühlten beide sich nicht mehr so ignoriert und alleingelassen.
Irgendwas kann man immer tun. Nur nicht wegschauen.
DANKE FÜR ALL DIE ANTWORTEN!!!

Wurde ja schon ausführlich beschrieben. Da sich bei einem Krampfanfall auch die Kiefermuskulatur verkrampft (weshalb der Anfall ja auch Krampfanfall heißt), macht es keinen Sinn, noch mit Köchlöffeln, Beißkeilen, Feuerzeugen oder was auch immer zu hantieren. Wenn die Person Dir nicht bekannt ist oder der Anfall länger als 3 min dauert, Notarzt rufen. Es gibt auch Menschen, die öfter krampfen und dann recht schnell wieder "normal" sind. Auf jeden Fall die Person nach dem Anfall nicht alleine lassen. Es gibt auch Personen, die dann völlig unzurechnungsfähig herumlaufen und sich selber gefährden. Weitere Tips, auch zu vielen anderen medizinischen Notfällen erhältst Du im Erste Hilfe Kurs (Nicht zu verwechseln mit den Lebensrettenden Sofortmaßnahmen! Da gehts überwiegend nur um Unfälle im Straßenverkehr!)
Kenntnisreiche Antwort! Wenn doch nur alle so vernünftig wären...