Frage von zuckerfreier, 27

Wie verhält man sich "richtig" in einem repressiven, Verbrechen ausübenden Staat?

Hallo,

wir stellen uns folgende Situation vor: man ist normaler, unbescholtener Bürger eines Staates. Man selber weiß, dass dieser Staat viel Unrecht verübt hat wie z.B. Diskriminierung, Korruptionsaffairen, Folter, Tod...Und es ist allgemein bekannt, dass man inhaftiert/gefoltert/getötet wird, wenn man am Staat Kritik ausübt. Was sollte man dann machen? Zu schauen und warten, bis die Köpfe des Staates sterben, aber dafür mehr Unrecht geschehen lassen? Oder protestieren, sodass das übliche Folter-/Mordspiel beginnt?

MfG

zuckerfreier

Antwort
von Dxmklvw, 13

Ethisch sinnvoll ist, sich einem solchen Staat nicht zu beugen, um den Preis, daß man dann auch die bitteren Konsequenzen tragen muß, es sei denn, man ist findig genug, um solchen Konsequenzen zu entgehen (Chancen dazu sicher minimal).

Wer nicht die Kraft dazu aufbringt, und das sind sicher die meisten Menschen, hat nach dem Verschwinden eines solchen Staatssystem das Problem, für das verantwortlich gemacht zu werden, was vordem geschah.

Was weltweit häufig geschieht, ist bewaffneter Widerstand gegen ein unmenschliches Regime.

Das Konfliktpotential an dieser Sache ist, daß sich Gewalt nicht durch andere Gewalt beseitigen läßt, ohne daß unter dem Strich beides Gewalt ist, die wiederum zu Gegengewalt provoziert, wogegen Friedfertigkeit ein Willkürregime zu noch mehr Willkür animieren kann.

Es gibt also tatsächlich Dinge, die irgendwie nicht lösbar zu sein scheinen, und durch die Religion insofern ihre Rechtfertigung findet, daß man dann hilfsweise an eine übergeordnete Macht glaubt und darauf hofft oder ggf. auch auf eine Naturkatastrophe hofft, die den Spuk beendet - doch meistens ein vergebliches Hoffen.

Kommentar von zuckerfreier ,

Wenn sich aber nur wenige opfern und sterben, hätte es kaum einen Nutzen gebracht. Bei solchen Fällen vertuscht der Staat den Protest oder stellt das Opfer als widerwärtigen Staatsgefähder da und nimmt die Angehörigen ins Visier.

Ja, Gewalt ist fast nie die Lösung. Bei einem Krieg muss man immer jemanden töten, ein Blutbad kann doch keine Grundlage für einen gerechten Staat dienen. Zudem weiß man auch nicht wie lange das dauert. Wenn der Krieg Jahrzehnte innehält, wünschen sich die meisten doch eher die "ruhigen" Staat, in dem man konform mitgehen muss. Die oft eintretende Intervention anderer Staaten könnte vielleicht den Krieg wenden, oder diesen auch unnötig verlängern.

Die Idee des Wartens dagegen akzeptiert die aktuellen Zustände, aber meistens/hoffentlich entsteht  in den darauffolgenden, eher nach neuen Werten suchenden Generationen der Wunsch nach einer Modernisierung. Problem ist hierbei, dass ein solcher Staat derartigen Protest theoretisch mit absoluter Härte beseitigen kann. Dazu braucht es nur genügend Macht und Überwachung.

Kommentar von Dxmklvw ,

Eben das alles ist es - und anders bezeichnet ist es das schlimme Problem mit den nicht lösbaren Problemen, weil sich die Lösbarkeit lediglich in Form von paradoxen Entscheidungen anbietet.

Selbst ein Abwarten dauert einfach zu lange (warten, bis sich das System selbst zerstört aufgrund seines Wesens), um wirklich das zu retten, was Sinn macht.

Kommentar von zuckerfreier ,

Glücklicherweise sind Staaten meistens auf Menschen basierend, menschliche Fehler sind beinahe unvermeidbar. Es endet meistens mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch, einem verlorenen Krieg gegen andere Staaten aufgrund der Machtgier...man kann so vieles aufzählen. Darauf aber zu hoffen, ist wirklich ungeeignet, da man allein auf fehlerhaftes Verhalten vertraut. Der andere Fall, ein fehlerloses Verhalten, wäre somit nur durch Eingriff anderer Staaten lösbar. Und bei solchen "selbstlosen" Einsätze anderer Staaten darf man bei Erfolg kein Paradies erwarten. So selbstlos sind diese auch nicht, es verstecken sich dahinter sowieso egoistische Interessen.

Antwort
von ySKb2, 16

Ich würde vielleicht ein Exil in Betracht ziehen. Wenn innerhalb des Staates jede kritische Stimme mundtot gemacht wird, ist eine offene Opposition innerhalb des Staates nur sehr schwer zu realisieren.

Jedoch kann für den "einfachen" Bürger, der einigermaßen konform lebt der Status Quo auch auf lange Sicht eine Perspektive sein. 

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