Frage von JohannesE, 66

Wie verhält es sich Ihrer Meinung nach mit der "Schwierigkeit" des Komponierens im Vergleich zur Malerei und Bildhauerei?

Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren!

Es freut mich jedes mal aufs Neue, diese wundervolle Plattform benutzen zu dürfen. Sie mögen es mir bitte verzeihen, wenn sich das Sujet meiner aktuellen Frage als ein wenig ausschweifender als sonst entpuppen sollte. Gesetz dieses Falles im Besonderen möchte ich mich schon jetzt für meinen Frevel entschuldigen, aber bitte gewähren Sie mir dennoch die Möglichkeit, meine Frage stellen zu dürfen.

Womöglich ist es Ihnen auch schon des Öfteren passiert, dass Sie einmal über ein bestimmtes Thema stundenlang philosophiert und diskutiert haben, obgleich jenes Thema gewiss nicht als weltbewegend oder dergleichen bezeichnet werden kann. Genau so erging es meiner über alles geschätzten Gemahlin und meiner Wenigkeit, als wir am gestrigen Tagen Stunden damit verbracht haben, darstellende Kunst (Bildhauer und Malerei) mit der Musik (genauer dem Komponieren) zu vergleichen. Im Besonderen beleuchteten wir in unserem Gespräch den Aspekt der „Schwierigkeit“ jener schöpferischen Tätigkeit.

Keinesfalls möchte ich der Musik auch nur ansatzweise etwas von ihrer Wertigkeit absprechen, aber von einer bestimmten Warte aus gesehen erachte ich die darstellende Kunst für „schwieriger“ als das Komponieren. Erlauben Sie mir bitte, dies ein wenig genauer zu begründen. Meiner bescheidenen Meinung nach haben sowohl die Malerei, als auch die Bildhauerei einen besonderen Anspruch, der sich unmittelbar aus den Charakteristika ihres Trägermediums, dem Licht, ergibt. Der Künstler muss sich, vorausgesetzt er möchte auf dem Gebiet die Früchte seiner Arbeit ernten können, intensiv mit jenem Trägermedium beschäftigen und muss es gleichsam verstehen, sein eigenes Werk optimal darin einzubetten. Sowohl ein Gemälde als auch eine Skulptur interagieren mit dem Licht in einer Art und Weise, die für den Transport in das menschliche Auge und letztendlich für den Gesamteindruck des Werkes entscheidend ist. Simpler gesagt will ich damit sagen, dass diese Formen der Kunst nicht in Abwesenheit ihres Trägermediums, des Lichtes, betrachtet werden können. Schall als Trägermedium des Musikstückes hingegen transportiert das Werk, aber er interagiert nicht in besagter Art und Weise mit dem solchen. Vielmehr ist es, im Gegensatz zu vorher, so, dass hier das Musikstück selbst den Schall erzeugt und es ist möglich und sogar von Vorteil, das Musikstück bei Stille zu genießen.

Meine werte Gemahlin hingegen ist der Meinung, dass ich das so nicht sehen dürfe. Aus diesem Grunde erkundige ich mich nach Ihrer geschätzten Meinung zu der Thematik, sodass wir diese Thematik alsbald beiseite legen können.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Eduard Eisenhammer

Antwort
von berkersheim, 24

Verehrter Herr Johannes Eduard Eisenhammer,

zunächst einmal muss ich beklagen, dass Sie Kunstbereiche wie Lyrik oder Romanliteratur ganz außer Acht gelassen haben. Theater und Film sind in der Betrachtung auch nicht aufgetaucht. Und wozu zählen die Philosophen, die in Gedanken tanzen und wozu die Tänzer, Choreografen? Wie dem auch sei: Ich werde Ihnen beiden Recht geben.

Denn bis auf wenige Ausnahmen suchen sich die unterschiedlichen Kunstschaffenden das Medium, in dem sie sich am besten ausdrücken können, in dem sie denken und fühlen und das nur so aus ihnen herausbricht. Immer wieder liest man, dass ein Literat den Drang hat, zu schreiben, dass ein Musiker in Tönen denkt und sich so mitteilen will und ein Maler denkt in Licht- und Farbnuancen wie in Formen und Konstrasten, ebenso ein Bildhauer. Ein Theaterautor denkt in Szenen, ein Lyriker in rhythmischer Sprache und ein Filmemacher in Szenenfolgen und Schnitten, in Musik und Dramaturgie.

Die Schwierigkeit aller großen Künstler ist nicht, die Medien ihrer Kunst zu beherrschen, sondern ihren Idealen und Ansprüchen an das Werk gerecht zu werden, das sie sich im Geiste vorstellen.

Mit erbietigen Grüßen an die Frau Gemahlin

Berkersheim

Antwort
von Pudelwohl3, 50

Lieber Herr Eisenhammer,

eine interessante Frage auf eine ganz besondere Art haben Sie da gestellt, da musste ich doch sehr schmunzeln.

Um aber direkt und ohne Umschweife auf Ihre Frage einzugehen:

Ich neige stark dazu, Ihrer verehrten Frau Gemahlin zuzustimmen. Mögen Ihre Erwägungen bezüglich des Lichts und des Trägermaterials auch zutreffend sein, so scheint mir doch - einzig auf Grund dieses Aspektes behauptet - die These, dies würde nun begründen, warum bildende Künste schwieriger seien als die Musik, sehr mutig zu sein.

Ich maße mir nicht an, eine irgendwie tragfähige Gewichtung vornehmen zu können. Das ist alles auf eine ganz spezielle Art schwierig - vor allem, wenn man es zu Meisterwerken bringen möchte.

Antwort
von Steffile, 48

In Musik hast du zusaetzlich die Dimension der Zeit, was Komponieren um ein vielfaches schwieriger macht als Bild und Skulptur.

Kommentar von JohannesE ,

Sehr geehrte/r Frau/Herr Steffile!

Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich Ihnen bin. Wie konnte ich diesen Aspekt nur vergessen.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Eduard Eisenhammer

Antwort
von RobertMcGee, 31

Sehr geehrter Herr Eisenhammer,

Ihrer Argumentation hinsichtlich des Trägermediums "Schallwelle" muss ich aufs heftigste widersprechen. Mit Ihrer werten Frau Gemahlin gehe ich insoweit konform, "daß Sie das so nicht sehen dürfent".

Meines Erachtens nach ist ausschlaggebend für den Genuss eines Musikstückes die Wahl des "richtigen" Instrumentes und die Berücksichtigung der mannigfaltigen Variationen derselben.

Wie vorherrschende Lichtverhältnisse, so beeinflusst auch das Instrument die Wahrnehmung des Publikums maßgeblich.

mit nachdenklichen Grüßen, Ihr

Robert McGee

Antwort
von ollesgemuese, 27

Ein Musikstück  kann auch nicht in Abwesenheit eines Trägermediums gehört werden. Es geht auch nicht wenn das Übertragungsmedium fehlt (die gewöhnliche Luft zB). In beiden Künsten muss die Übertragung einbezogen werden, nicht umsonst ist eine Oper anders aufgebaut als eine Bühne für Rockkonzerte, als einfach Bsp. Musikstücke können extrem an Ausdruck verlieren wenn sie auf der tollen HiFi-Anlagen mit falschen Einstellungen abgespielt werden oder gar als MP3 komprimiert werden (analog müsste man ein Bild unter ungünstigen Lichtverhältnissen kopiert betrachten). Insofern sehe ich nicht, wie man daraus einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad für den Künstler ableiten will.


Antwort
von Dthfan00, 29

Hi,

Also erstmal kommt es drauf an in welcher Musikrichtung du zugange bist.

Im Punk, in dem ich mich bewege, is das Komponieren recht einfach ;))

Komplexer wirds bei Metal, oder ganz anderen Musikrichtungen wie Orchesterarrangements.

Ich kann mich Steffile nur anschließen, die Zeit spielt auch noch eine Rolle

Cheers

Antwort
von LiloB, 1

Hinreissend, sehr geehrter Herr Eisenhammer, Ihre sicherlich auch durch die verehrte Frau Gemahlin beeinflusste Frage. Dennoch möchte ich - im Gegensatz zu den wohlformulierten Antworten meiner Mitleser,- sehr prosaisch fragen; warum vergleichen Sie Äpfel mit Birnen, fügen dem noch die Frage nach Trauben oder Südfrüchten hinzu? Freuen wir uns an der Vielzahl des /(hier symbolisch gewählten )Obstes und der Kunst, in allen Variationen,- ohne auf ein leider allzu üblich gewordenes Mehr- besser-schöner- größer usw. zurückgreifen zu wollen. Ihre LiloB

Antwort
von scatha, 3

Ich mußte da gleich an folgendes Lied denken:

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