Wie verfährt das Jugendamt bei Kindesmissbrauch, auch auf die Zukunft betrachtet (Frage wegen einer Buchidee)?

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3 Antworten

Vater und Mutter haben beide gemeinsam das Erziehungsrecht (und auch die Pflicht) an einem Kind. Sie haften aber auch untereinander. Lässt der Vater einen Kindesmissbrauch durch die Mutter zu, so macht er sich einer  [(grob) fahrlässigen] Unterlassung strafbar. Das nennt sich mittelbar straftätig sein, zur Unterscheidung von Mittäterschaft.

Das Kind wird auf jeden Fall sofort aus der Familie genommen und die gesamte Sorge für das Kind einem Vormund und dem Jugendamt per sofortigen Gerichtsbeschluss übertragen. Der Vormund nimmt die Rechte des Kindes wahr und das Jugendamt trägt die "dinglichen Erfordernisse".

Selbst wenn ein ganz unschuldiger Vater vorhanden sein sollte, oder nächste Familienangehörige, bekommen diese Personen das Kind nicht bevor der Fall vor Gericht mit einem Urtei abgeschlossen ist.

Im Sinne des Kindeswohls, wobei das Alter und die "Verfassung" des Kindes berückstitigt wird, kommt das Kind je nach vorhandenen Möglichkeiten in ein Heim, wird sofort in eine Pflegefamilie gegeben oder kommt in betreutes Jugendwohnen. Weil es Opfer sexueller Übergriffe war, wird man auch eine psychologische Betreuung erwägen.

Außerdem muss das Kind altersgerecht zu der Angelegenheit als Zeuge befragt werden. Das machen speziell geschulte Leute, Kinderpsychologen usw. Außerdem wird eine Pressesperre verhängt, das Kind abgeschirmt, und nicht bekannt gegeben, wo es sich aufhält.

Das Umfeld des Kindes, Kindergarten und/oder Schule werden vom Jugendamt informiert und zu Stillschweigen zum Aufenthalt des Kindes verpflichtet. Möglicherweise kommt das Kind auch in eine andere Schule etc. Das hängt aber davon ab, was für das Kind das beste wäre.

Niemand würde einen Schulwechsel anstreben im Vorbereitungsjahr für das Abi oder wenn es sich gerade endlich in der neuen Kita-Gruppe eingelebt hat. Man versucht da einen Schaden, der durch den Aufruhr für das Kind entstehen könnte, so gering wie möglich zu halten.

Parallel dazu wird ein Ermittlungsverfahren gegen die Mutter eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft wird mit Hilfe von Polizei und anderen Behörden alle Tatsachen im Zusammenhang mit der angezeigten Straftat ermittelt.

Die Mutter kann bis zur Anklage in Untersuchungshaft kommen, wenn der Verdacht der Verdunklungsgefahr oder Flucht besteht. Heißt: wenn sie versuchen könnte, Zeugen zu beeinflussen, Beweise zu vernichten... abzutauchen oder ins Ausland zu gehen...

Wenn das Kind unbedingt zu seiner Mutter will, dann kann es sie in Begleitung von geeignetem Personal des Jugendamtes auch in der Untersuchungshaft und später in der Haftanstalt besuchen. Mutter und Kind werden aber auf keinen Fall zusammen alleingelassen. Es wird immer jemand dabei sein (Manipulation, Zeugenbeeinflussung, erneuter Übergriff)

Für das Strafverfahren gilt die Strafprozessordnung, für das Strafmaß das Strafgesetzbuch.

Wenn alle Beweise zusammengetragen sind, wird die Staatsanwalt eine Anklageschrift aufsetzen. Es kommt dann zum ersten Verhandlungstermin, in dem die Anklage verlesen wird, und die Beweise vorgelegt werden. Dann haben Staatsanwaltschaft und Angeklagter Zeit, ihre Gegenargumente vorzubereiten.

Zur zweiten Verhandlung müssen alle angeführten Beweise beider Parteien dem Gericht vorliegen und alle angefürten Zeugen sind geladen. Es werden alle Beweise aufgenommen und Zeugen verhört. Danach ist die Beweisaufnahme abgeschlossen. 

Wird die Mutter schuldig gesprochen, kann über den Verbleib des Kindes vom Familiengericht abschließend neu entschieden werden. Bei der Entscheidung, ob und zu welchen Verwandten es geht, wird neben seinem Vormund und seien Betreuern immer auch das Kind selbst angehört.  Auch hierbei soll für den Familienrichter das Kindeswohl im Vordergrund stehen.

Kurz vor Abi von München nach Hamburg zur Oma ziehen, oder bis dahin 6 Monate betreuten Jugendwohnen bleiben? Mit 6 von Hintertupfingen (wo jeder jeden kennt) zur Lieblingstante nach München und dort eingeschult werden? Da müssen Vormund und Jugendamt und Richter gut abwägen.

Beim Strafverfahren würde es sich so gut wie immer herausstellen, dass der Vater seine Fürsorgepflicht als Erziehungsberechtigter gröblich oder fahrlässig vernachlässigt hat, so dass es überhaupt erst zu der Straftat kommen konnte. Dann bekommt er auch nach ihrer Verurteilung nicht das Sorgerecht.

Wenn die Mutter die Strafe abgebüßt hat, wieder heiratet, ein weiteres Kind bekommt, dann ja mit einem anderen Mann, ist die frühere Sache abgeschlossen. Die spielt in dem neuen Verhältnis dann keine Rolle, auch wenn sie nun vorbestraft ist. Erst bei einem neuen Verdacht gäbe es ein neues Verfahren.

Will sie ihr früheres Kind dann in die neue Familie aufnehmen, müsste sie sich an das Familiengericht wenden, und die Vormundschaft zurückfordern. Das ist aber reichlich unwahrscheinlich. Sie ist vorbestraft das Kind war Opfer ihrer Straftat.

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Das Kind wird sofort, wenn es rauskommt in Obhut genommen. Eventuell kann es beim Vater leben, wenn der nicht selbst auch Täter ist oder bei Verwandten. Sonst kommt das Kind in eine Pflegefamilie.

Zur Adoption wird es nicht freigegeben.

Die Mutter hat unter Umständen ein gewisses Umgangsrecht, aber nur im Sinne von begleitetem Umgang.

Je nach Art des Missbrauchs kommt sie ins Gefängnis. Wie lange? Kommt auf die Straftat an.

Wenn sie nach der Strafverbüßung wieder heiratet und ein zweites Kind bekommt, beginnt ein neues Kapitel. Die Strafe hat sie ja verbüßt.
 Die Mutter mit dem Kind wird  zumindest engmaschig und gründlich vom Jugendamt beobachtet.. Fällt etwas auf, besteht Verdacht, kann das Kind auch sofort weg sein.

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§173 StGB Absatz 1: Höchststrafe 3 Jahre

§176 StGB: Höchststrafe 5 Jahre

§225 StGB: Höchststrafe 10 Jahre

Insgesamt ist die Höchststrafe 18 Jahre.

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