Frage von MissyL, 202

Wie vererbt man ein Grundstück samt Haus, wenn ein Geschwisterteil nur den Pflichtteil bekommen soll?

Hallo,

um kurz die Situation zu schildern: Mein Bruder lebt in einer kaputten Ehe und hat sich von dieser Frau (einem typischen Wirtschaftsflüchtling) völlig abhängig gemacht, sodass er mittlerweile leider genauso unberechenbar wie diese Frau geworden ist. Diese Frau hat regelrecht unser gesundes Familienleben kaputt gemacht. Er lässt sich mit dem eigenen Kind unter Druck setzen und macht quasi alles zur Zufriedenheit seiner Frau. Wenn es um Finanzen geht, wird diese immer hellhörig. Und genau davor wollen mich meine Eltern bewahren, also dass ich mich dann später nach ihrem Tod mit Anwälten rumschlagen muss, wobei das ja leider nicht ausgeschlossen werden kann. Also die Situation ist leider sehr zerfahren.

Nun zu meiner Frage: Ist es dann einfach nur sinnvoll, meinen Bruder zu enterben und auf seinen Pflichtteil zu setzen und mich als Alleinerbe zu bestimmen? Bsp. ist ein Grundstück mit Haus vorhanden und meine Eltern wollen nicht, dass diese Frau bzw. mein Bruder nachher das Haus und Inventar bekommen sollen. Muss man das dann explizit in einem Testament erwähnen oder langt das, wenn man ein Kind als Alleinerbe benennt? Und allgemein, wie kann man sich denn in so einer Situation am sinnvollsten absichern bzw. durch die Eltern im Testament absichern lassen?

Vielen Dank für die Hilfe!

Antwort
von Kekschen1987, 77

Wie schon viele geschrieben haben, solltet ihr euch an einen Notar wenden. das Ganze sollte dann testamentarisch festgehalten werden. Dort ist es möglich zu regeln, dass dein Bruder nur einen Pflichtanteil bekommt bzw. auch bei Tod eines Elternteils der Hinterbliebene an ihn nur einen geringen Pflichtanteil auszahlen muss und dann alles abgegolten ist, sodass nach dem Tod des zweiten Elternteils seitens deines Bruder keine Ansprüche mehr gestellt werden können.
Im Übrigen smuss sowas immer notariell festgehalten werden, da es sich um ein Grundstück handelt. Nicht notarielle Regelungen sind rechtlich hinterher nicht anerkannt!

Ihr könnt zwar auch, wie bereits geschrieben wurde, das Haus auf dich überschreiben lassen bzw. du kannst es deinen Eltern zu einem kleinen Teil abkaufen, aber soweit ich weiß kann es passieren, dass, sollten eure Eltern innerhalb von 10 Jahren nach dem Kauf sterben, du deinen Bruder trotzdem für das Haus auszahlen musst.

Kommentar von MissyL ,

Vielen Dank für die Antwort. Was mir noch eingefallen ist: Kannst du das mit dem Pflichtteil nach dem Tod des Erstversterbenden festlegen? Also nicht dass das Kind in der Hoffnung auf "mehr" Erbe sagt: "Nein, ich will das jetzt nicht, ich warte bis Beide gestorben sind...".

Antwort
von Owntown, 92

Um soetwas zum teil zu umgehen ist es möglich das dir deine Eltern zu lebzeiten das Haus und Grundstück überschreiben sozusagen als Geschenk oder du kaufst es Ihnen für eine Freundschaftssumme ab.

Um wirklich alle eventualitäten abzusichern würde ich in dem Vertrag noch festhalten das deine Eltern lebenslanges Wohnrecht haben.

Am besten Sprichst du mal mit einem Anwalt der auf Erbrecht spezialisiert ist.

Antwort
von LiselotteHerz, 84

Man kann nicht so ohne weiteres den eigenen Sohn aufs Pflichtteil setzen. Da müsste er schon selbst nachweislich unangemessene Schulden machen, die Eltern bedrohen o.ä. Dass er mit einer etwas schwierigen Person verheiratet ist, ist kein Grund.

Deine Eltern sollten zu einem Notar gehen und sich beraten lassen, wie man das Testament am besten aufsetzt, damit Dir das Haus zufällt und er ausgezahlt wird. Das muss dann evtl. Du nach dem Ableben Deiner Eltern, oder wenn Du das Erbe vorzeitig antrittst, übernehmen. Geh am besten mit zu diesem Beratungsgespräch. lg Lilo

Kommentar von tanzegern ,

Was du meinst, ist die vollständige Enterbung mit der Folge, dass es gar nichts mehr gibt. Pflichtteil geht immer, das ist eine Folge der Testierfreiheit.

Antwort
von sergius, 73

Der Rat, einen Notar zu befragen, ist richtig.  Vielleicht bestätigt er Ihnen meine Meinung, dass die Eltern (die wohl zu je 1/2 Miteigentümer des Hauses sind), Ihnen das Haus lebzeitig übertragen sollten gegen Vorbehalt eines lebenslänglichen Nießbrauchsrechtes. Das sichert einerseits, dass das Haus nicht an den Bruder bzw. dessen Frau gelangt, und sichert andererseits Ihre Eltern, die das Haus vermutlich bis zu ihrem Lebensende bewohnen wollen. Gegen diese Übertragung kann Ihr Bruder nichts einwenden; denn die Eltern sind frei verfügungsberechtigt über ihr Eigentum. Und wenn die Eltern die Übertragung 10 Jahre überleben, könnte Ihr Bruder auch nicht verlangen, dass der Wert des Hauses fiktiv dem elterlichen Nachlass zugerechnet und sein Pflichtteil aus dem so erhöhten Nachlasswert berechnet wird.  Sie müssen nämlich wissen, dass diese fiktive Zurechnung zum Nachlass nur im ersten Jahr nach der Übertragung zu 100% erfolgt, danach jährlich um 10% abschmilzt, so dass z.B. nach 9 Jahren nur noch 10% hinzugerechnet werden und eben nach 10 Jahren gar nichts mehr (d.i. die sogen. "Pflichtteilsergänzung). Wenn Sie also damit rechnen können, dass die Eltern diese 10 Jahre überleben, können Sie auch damit rechnen, dass Sie an Ihren Bruder im Zusammenhang mit der Hausübertragung nichts zahlen müssen. Ihre Eltern sollten die Übertragung mit einem Testament flankieren, in dem sie sich zu gegenseitigen Alleinerben einsetzen und bestimmen, dass Sie den letztversterbenden Elternteil allein beerben sollen. Ihr Bruder könnte dann beim Tode jedes Elternteils den Pflichtteil fordern, in den aber nach den genannten 10 Jahren dwe Wert des Hauses nicht mehr zugerechnet wird. Sein Pflichtteil wäre beim Tod des ersten Elternteils  1/8 des Werts des Nachlasses dieses Elternteils (weil sein gesetzlicher Erbteil dann 1/4 wäre), beim Tod des zweiten Elternteils 1/4 (weil sein gesetzlicher Erbteil dann 1/2 wäre), wie gesagt ohne Zurechnung des Hauswertes, soweit die Erbfälle erst 10 Jahren oder mehr danach erfolgen bzw. nur des noch nicht abgeschmolzenen Teiles, wenn die Erbfälle während der 10-Jahresfrist eintreten.  Der Notar wird Ihnen das im Einzelnen erläutern und sicher bestätigen.

Kommentar von MissyL ,

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Eine Frage ist mir noch in den Sinn gekommen. Meine Eltern hatten neulich eine Reportage gesehen, in der einem Sohn das Haus von seinen Eltern überschrieben wurde und sie hatten ein Wohnrecht darin. Dieser Sohn verkaufte aber aufgrund des schlechten Einflusses seiner Ehefrau das Haus irgendwann und die Eltern saßen praktisch auf der Straße... Deshalb war und ist mein Vater nun skeptisch, was eine Überschreibung angeht. Gibt es eine Möglichkeit, dass nur in konkreter Absprache mit den Eltern ein Verkauf möglich ist oder könnte man da irgendwie eine Klausel einbauen? Also zur Sicherheit der eigenen Eltern.

Kommentar von sergius ,

Das Wohnrecht  bzw. das weiter gehende Nießbrauchsrecht der Eltern an dem Hausgrundstück wird im Grundbuch eingetragen und würde auch bei einem "böswilligen" Verkauf des Hauses nach Übertragung auf Sie bestehen bleiben, so dass die Eltern keines-falls "auf die Straße gesetzt" werden könnten.  Es ist im Grunde genommen nur ein Fall denkbar, der den Eltern das Wohnrecht nehmen könnte:  Wenn das Wohnrecht im GB im Rang nach einer Belastung (z.B. Grundschuld) eingetragen wäre und die Grund-schuldgläubigerin (Bank) das Grundstück zwangsversteigern lassen müsste (wegen Zahlungsrückständen), könnte das rangschlechtere Wohnrecht ausfallen und gelöscht werden. Aber diesen Fall werden Sie ja nicht einbeziehen müssen ?  Der Notar wird Ihnen wohl auch empfehlen, ein Rückübertragungsrecht für die Eltern für den Fall der Zwangsversteigerung zu vereinbaren und durch eine Vormerkung im GB sichern zu lassen. Also nochmals: Mit dem Notar sprechen ! 

Kommentar von MissyL ,

Vielen Dank für die Antwort. Meine Eltern hatten vor einer Weile schon mit einem Notar gesprochen, der zu einem Erbvertrag geraten hatte. Da waren allerdings einige Sachen dabei, die nicht sehr überzeugend waren. Deshalb sind meine Eltern nun etwas skeptisch, aber sie werden nicht darum herumkommen, nochmal einen anderen Notar aufzusuchen. Eine Frage, die noch wichtig wäre. Würden Sie in diesem Fall zu einer Schenkung oder zu einer Übertragung raten? Was wäre denn da am sinnvollsten, auch finanziell gesehen? Vielen Dank nochmal für Ihre Mühe!

Kommentar von Ontario ,

Wenn ein Nießbrauchrecht für die Eltern notariell festgelegt wurde, können diese nicht auf die Strasse gesetzt werden. Die haben solange sie leben ein Recht darauf, in dem Haus zu bleiben. Ausnahme wäre die, wenn das Haus zur Zwangsversteigerung anstünde und die Bank das Haus zur Deckung der Hypothek anbietet.Da gäbe es dann immer noch die Möglichkeit durch den Notar ein sog. Rückübertragungsrecht einräumen zu lassen. Dann geht das Haus wieder an die Eltern zurück. Testamentarisch können dich deine Eltern als Alleinerbin nach deren Tod einsetzen. Wenn das Haus dir übertragen wird, die Eltern danach 1o Jahre überleben, hat dein Bruder keinen Anspruch auf irgendwelche Pflichtteile.Unser Erbrecht ist dermassen konpliziert, dass man nur mit einem guten Notar die Sache testamentarisch festlegen sollte.

Antwort
von Kitharea, 91

Ich würde gleich zu einem Notar gehen. Die wissen genau Bescheid und kennen solche Fälle - wo es um so viel Geld geht sollte man die Zeit und die Anstrengung investieren um sicher sein zu können.

Antwort
von Ronox, 58

Wenn du zum Alleinerben eingesetzt bist, schließt das natürlich auch das Hausgrundstück ein. Sollten beide Eltern Miteigentümer des Hauses sein, ist es üblich, dass sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und der Letztversterbende die Kinder oder eben in diesem Fall ein Kind. Denkbar wäre theoretisch auch, bzgl. eines etwaigen Erbteils (sollte keine Enterbung vorgenommen werden) des Bruders Nacherbfolge anzuordnen, so dass im Falle seines Todes nichts seiner Frau zufällt. Bei einer Enterbung können die jeweiligen Pflichtteilsansprüche (Geldansprüche) aber nicht verhindert, allenfalls durch kluge Vorsorgemaßnahmen vermindert werden. Generell gibt es viele rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten in diesem Fall. Wenn ihr das Optimale herausholen wollt, solltet ihr euch z.B. von einem Notar beraten lassen.

Kommentar von MissyL ,

Vielen Dank für die Antwort. Eine Frage ist mir noch in den Sinn gekommen. Meine Eltern hatten neulich eine Reportage gesehen, in der einem Sohn das Haus von seinen Eltern überschrieben wurde und sie hatten ein Wohnrecht darin. Dieser Sohn verkaufte aber aufgrund des schlechten Einflusses seiner Ehefrau das Haus irgendwann und die Eltern saßen praktisch auf der Straße... Deshalb war und ist mein Vater nun skeptisch, was eine Überschreibung angeht. Gibt es eine Möglichkeit, dass nur in konkreter Absprache mit den Eltern ein Verkauf möglich ist
oder könnte man da irgendwie eine Klausel einbauen? Also zur Sicherheit der eigenen Eltern.

Kommentar von Ronox ,

Wenn die Eltern ein dingliches (im Grundbuch eingetragenenes) Wohnrecht haben, können sie nicht einfach auf die Straße gesetzt werden. Ich kenne aber den Einzelfall dieser Reportage nicht. Wenn die Eltern nicht wollen, dass das Grundstück weiter verkauft wird, wird in der Praxis oft eine Rückerwerbsvormerkung in das Grundbuch eingetragen. Diese kommt dann zum Tragen, wenn von vorneherein festgelegte Ereignisse eintreten. Z.B. der Verkauf ohne Zustimmung oder die Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Kindes. In solch einem Fall bestünde dann ein gesicherter Anspruch auf Rückübertragung des Grundstücks.

Kommentar von MissyL ,

Vielen Dank für die Antwort. Eine Frage, die noch wichtig wäre. Würdest du in diesem Fall zu einer Schenkung oder zu einer Übertragung raten? Was wäre denn da am sinnvollsten, auch finanziell gesehen? Vielen Dank nochmal für die Mühe!

Kommentar von Ronox ,

Eine Übertragung bezeichnet einfach nur den Übergang des Eigentuns. Das ist natürlich auch bei einer Schenkung der Fall, deswegen kann man nicht zum einen oder zum anderen raten. Generell kann ich hier keine Empfehlungen abgeben, ohne die genauen Hintergründe zu kennen. Dafür gibt es die rechtsberatenden Berufe.

Kommentar von MissyL ,

Meine Eltern hatten vor einer Weile schon mit einem Notar gesprochen, der zu einem Erbvertrag geraten hatte. Da waren allerdings einige Sachen dabei, die nicht sehr überzeugend waren. Deshalb sind meine Eltern nun etwas skeptisch, aber sie werden nicht darum herumkommen, nochmal einen anderen Notar aufzusuchen. Mit den Notaren ist es wahrscheinlich ähnlich wie heute einen guten Arzt zu finden... Wir haben auch einiges an Literatur gekauft, aber so richtig schlau wird man daraus auch nicht. Also meine Eltern sind Beide Anfang und Ende 70. Was würdest du denn persönlich in diesem Fall machen, wenn du das Haus nur einem Kind übertragen/schenken willst? Es ist immer ganz gut, mal allgemein eine Meinung zu hören, weil du auch Ahnung auf dem Gebiet hast.

Antwort
von Hexe121967, 77

diese fragen solltet ihr einen notar stellen. der kann euch bestens beraten. das geld ist gut investiert.

Antwort
von ErsterSchnee, 65

Ab zum Notar und beraten lassen! Das ist gut investiertes Geld!

Antwort
von hauseltr, 47

Es kommt auch darauf an, wie alt die Eltern sind!

Dann könnte man auch über eine sofortige Schenkung mit Wohnrecht für die Eltern nachdenken. Darüber sollte man sich aber mit einem Anwalt o.ä. beraten.

Der Sohn hat Anrecht auf seinen 25 % Pflichtteil, wenn es testamentarisch festgelegt ist.

Antwort
von tanzegern, 65

Wer nur den Pflichtteil bekommt, hat nur einen Anspruch auf Geldzahlung, er wird nicht Erbe. Er wird daher auch nicht Miteigentümer am Nachlass.

Antwort
von Marshall7, 29

In deinen Fall würde ich auch sagen ,das du das mit deinen Eltern noch zu Lebzeiten regelst,am besten eine Schenkung.Deinen Bruder steht allerdings auch wenn er emterbt ist ,sein Pflichtteil zu.

Antwort
von Alex30141, 64

Ich würde das Haus nicht deinem Bruder und seiner Frau erben ,du solltest Alleinerbe sein.

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