Frage von Camille007, 64

Wie unterscheiden sich die Meinungen der katholischen und evangelischen Religion zum Thema Schwangerschaftsabbruch?

Antwort
von Giustolisi, 47

Beide predigen moralischen Absolutismus. Für sie ist ein stecknadelkopfgroßer Zellhaufen schon schützenswert, dabei ist der in Ermangelung eines Nervensystems noch nicht einmal leidensfähig.
So ist es eben beim moralischen Absolutismus, da gibt es nur schwarz und weiß, keine Grautöne.

Antwort
von ArnoldBentheim, 48

Grundsätzlich gibt es keine Unterschiede in der Haltung beider Kirchen zur Abtreibung: beide lehnen sie ab und sind für den Schutz auch des ungeborenen Lebens.

MfG

Arnold

Antwort
von carn112004, 22

Offizielle Auffassung der katholischen Kirche:

http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P86.HTM

unter "Abtreibung" 2270 bis 2275; davon besonders relevant:

"Als Folge der Achtung und des Schutzes, die man dem Ungeborenen vom Augenblick 578 seiner Empfängnis an zusichern muß, muß das Gesetz die geeigneten Strafmaßnahmen für jede gewollte Verletzung seiner Rechte vorsehen"

"2272 Die formelle Mitwirkung an einer Abtreibung ist ein schweres Vergehen. Die Kirche ahndet dieses Vergehen gegen das menschliche Leben mit der Kirchenstrafe der Exkommunikation."

In Folge ist allen Gliedern der Kirche die Mitwirkung am Beratungssystem in D mit Ausstellung von strafbefreiend wirkenden Beratungsscheinen untersagt (wobei sich nicht alle Katholiken daran halten, aber wenn nach "Religion" gefragt wird, denke ich ist eher die "offizielle" Position gemeint).

Was einer offiziellen Position der evanglischen Kirche in D am nächsten käme, ist wohl das hier:

https://www.ekd.de/bevollmaechtigter/stellungnahmen/52400.html

unter "4. Abtreibung", da vor allem:

"Die EKD ist jedoch im Gegensatz zu der römisch-katholischen Kirche der
Auffassung, dass in der Schwangerschaft unvorhersehbar eintretende
Konfliktsituationen auftreten können. Die Frauen können dann in eine
derart ausweglose Situation geraten, dass sie für sich keinen anderen
Weg sehen, als die Schwangerschaft abzubrechen."

"Ein "Recht auf Schwangerschaftsabbruch" kann es aber auch nach evangelischer Auffassung nicht geben."

" Die Beratung ist für die EKD Ausdruck christlicher Verantwortung und
gleichzeitig eine bleibende Chance, Frauen in einer schweren
Konfliktlage einfühlsam beizustehen und ihren Mut zur Annahme des
ungeborenen Lebens zu wecken."

Im Grundsatz ist die evangelische Kirche offiziell auch gegen Abtreibungen, sieht jedoch im Gegensatz zur katholischen Kirche die aktuelle Abtreibungsregelung als ethisch zulässig an, da durch die strafbefreiende Beratung eine bessere Chance zur Reduktion von Abtreibung gegeben ist. Die RKK hat mit dieser strafbefreienden Beratung einerseits das Problem, dass die BeraterIn durch Ausstellung des Scheins quasi-formal an der Abtreibung mitwirkt bzw. eine für die Abtreibung notwendige "Leistung" erbringt, und andererseits das Problem, dass eine pauschale und immer im Voraus zu erreichende Straffreiheit nicht unbedingt dem von der RKK geforderten "geeigneten Strafmaßnahmen" entspricht.

Individuell findet man unter Katholiken und Evangelischen natürlich nahezu jede der denkbaren Positionen von solchen, die Abtreibung als Mord geahndet sehen wollen, bis solchen, die ethisch überhaupt nichts unproblematisches sehen in der Tötung eines ungeborenen unschuldigen und wehrlosen Menschen, da dieser noch gar kein Mensch sei. Von der Tendenz her sind die Katholiken aber eher stärker gegen Abtreibung eingestellt als die Evangelischen, wobei die besonders "radikalen Abtreibungsgegner" (also die mit Abtreibung wie Mord bestrafen)  wiederum eher bei den Evangelischen in Form der Evangelikalen vorkommen, aber so oder so nicht sehr zahlreich sind.

Antwort
von annemarie37, 33

Die Antworten, die du bisher erhalten hast, stimmen so nicht.

In der kath. Kirche gibt es die Meinung des offiziellen Lehramtes, d.h. das in Rom verkündete Dogma. Das ist sehr strikt. Längst nicht alle KatholikInnen stimmen damit überein. Mehr dazu findest du auf der Website svss-uspda.ch unter "Ethische Fragen".

Bei der evangelischen Kirche, den Protestanten, gibt es kein offizielles Lehramt. Es gibt bloss Stellungnahmen einzelner Landeskirchen. Z. B. hat sich der Schweizerische Evangelische Kirchenbund für die Fristenregelung ausgesprochen. Die deutsche evangelische Kirche ist jedenfalls einiges differenzierter als die katholische. Es gibt natürlich auch evangelikale Freikirchen und Sekten, die sind genau so strikt wie die katholische Hierarchie. Sie sind aber kleine Minderheiten. Bei den Protestanten wird dem persönlichen Gewissen grosses Gewicht beigemessen (wie bei progressiven KatholikInnen auch)..

Kommentar von carn112004 ,

Ich finde den Verweis auf die Meinung einzelner Anhänger einer Religion, vor allem wenn es anerkannte Lehrautoritäten innerhalb einer Religion gibt, immer problematisch.

Denn bei jeder rein durch eigene Bekundung bzw. durch einfachen Vorgang definierten großen Gruppe, wird man immer nahezu zu allen möglichen Fragen alle möglichen Meinungen finden.  Womit die Frage, was die Gruppe zu einer Frage meint, gerade nicht durch individuelle Meinungen wirklich beantwortbar ist.

Ums konkreter zu machen, wenn man wissen will, welche Meinung der Partei die Linke zum Schwangerschaftsabbruch haben, macht es wenig Sinn die Meinungen der selbsterklärten Anhänger der Partei die Linke abzufragen und dann zu sagen, die Meinung der Linken sei vielfältig, nur weil halt ein paar sagen, die seien Linksparteiwähler und gleichzeitig für Beibehaltung des aktuellen Abtreibungsrecht.

Ausschlaggebend ist vielmehr, dass es eben Entscheidungsprozesse bei der Linken gibt, an derem Ende halt ein Ergebnis steht und nur das kann man meiner Ansicht nach als Meinung der Partei die Linke auffassen. Da die für eine Abschaffung von § 218ff. StGB ist, soweit nicht Abtreibung gegen den Willen der Frau geschieht, ist es für die Frage nach der Meinung der Partei ziemlich wurscht, was nun einzelne Mitglieder/Wähler dazu sagen.

Dito für die CSU, auch wenn die Mitglieder/Wähler haben mag, die für eine Abschaffung § 218 wären, würde das nichts an der Meinung der CSU ändern, dass § 218ff. bleiben soll und auf jeden Fall nicht weiter liberalisiert werden sollte.

Und genauso ist es meiner Ansicht für die Frage nach der Meinung der evangelischen oder katholischen Religion egal, was einzelne Mitglieder/Anhänger meinen, da es eben bei beiden ebenfalls Entscheidungsprozesse gibt, die zu einer offiziellen Position führen, bei der RKK eben die Entscheidung/Lehraussagen des Papstes bzw. der von ihm für zuständig erklärten Gremien und bei der EKD eben die der Synode der EKD (die zwar nur in wenigen Punkten Vorgaben trifft, nämlich in grundsätzlichen Glaubensfragen, aber z.b. ob ungeborene Menschen Menschen sind, wäre prinzipiell eine solche denkbare grundsätzliche Glaubensfrage).

Wenn die Gremien sagen, irgendetwas sei in der evangelischen bzw. katholischen Religion so und so, dann ist für eine gegenteilige Ansicht einzelner Mitglieder für die Frage nach der Meinung der jeweiligen "Religion" eigentlich weniger wichtig, denn irgendwer von den Millionen Mitgliedern wird schon anderer Meinung sein.

Kommentar von annemarie37 ,

Das Problem der katholischen Kirche: ihre Stellungnahmen sind Stellungnahmen einzelner Würdenträger, nicht demokratisch legitimiert.

Die Catholics for free choice hingegen sind eine Basisbewegung (nicht einzelne Katholikinnen). Wenn es unter den KatholikInnen eine Abstimmung gäbe, wäre das Resultat wohl sehr viel anders als die Verlautbarungen aus Rom.

In einer Partei werden die offiziellen Stellungnahmen der Partei auf demokratischem Weg per Mehrheitsentscheid gefasst. Was einzelne Mitglieder nicht hindert, als Parteiangehörige andere Meinungen zu äussern.

Ausserdem: "Religion" ist nicht identisch mit dem Begriff "Kirche".

Kommentar von carn112004 ,

Ich weiß, das klingt jetzt vielleicht fies, aber:

"nicht demokratisch legitimiert."

Demokratie ist in der katholischen Religion vollkommen egal.

Denn gemäß dieser Religion ist Gott quasi ein König, dessen Wort festgelegt hat (bzw. festlegt), was richtig und was falsch ist.

Da Gott selbst aber selten klar und direkt zu kommunizieren scheint, wird dies in der katholischen Religion so gelöst, dass die Stelle:

http://www.die-bibel.de/online-bibeln/einheitsuebersetzung/bibeltext/bibel/text/...

"18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen
wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein."

so interpretiert wird, dass entsprechende Papstworte als Ersatz dienen, wenn klare Ansagen seitens Gott scheinbar fehlen.

Die katholische Religion sieht also eindeutig vor, dass die Entscheidungsbefugnis bezüglich Glaubensfragen am Ende nur in den Händen eines einzelnen liegt, theologisch Gott, praktisch-säkulär der Papst, womit es gerade nicht demokratisch ist.

Ferner würde ich, wenn es weltweit eine Abstimmung unter Katholiken hinsichtlich eines Abtreibungsgesetzes gäbe, die sich tatsächlich gelegentlich noch Sonntags in die Kirche "verirren", ganz stark davon ausgehen, dass das sowas würde wie das aktuelle polnische Recht oder ggf. sowas wie das momentan von einigen geplante polnische Recht.

Selbst auf eine Mehrheit für ein Ja zur Verhütungsmitteln würde ich nicht wetten (und zwar obwohl viele Katholikinnen die Pille nehmen; Sonntags in der Kirche kriegen KatholikInnen nämlich öfters zu hören, das blos weil sie selbst etwas tun, dass noch lange nicht richtig ist).

Kommentar von annemarie37 ,

Demokratie ist in der katholischen KIRCHE vollkommen egal.

So ist es. Ein Glück, dass die meisten Katholiken sich nicht an die Lehrmeinung halten (punkto Verhütung). Und Katholikinnen treiben eher häufiger ab als Andersgläubige. Erstaunlich, dass nicht viel mehr die Konsequenzen ziehen und austreten.

Kommentar von carn112004 ,

Ach bitte, doch keine Zitate verändern.

Und für die Religion lässt es sich sehr wohl belegen, z.b. soll der gläubige Christ nach Anweisung von Christus beten: "Dein Wille geschehe".

"Dein Wille geschehe" impliziert, dass der eigene Wille nun mal egal ist, womit das ganze keine demokratische Veranstaltung ist, der Wille dessen an der Spitze der Hirarchie, also Gott, zählt als einziges, der Wille der darunter stehenden soll sich dem beugen, folglich ist das keine Demokratie.

Der einzige Spielraum für Pluralität und Demokratie im Christentum kann darin liegen, wenn der Wille Gottes "ermittelt" wird. Insofern aber irgendwas eindeutig der Wille Gottes ist, ist es völlig wurscht was die Mehrheit derer, die sich Christen nennen, dazu sagt.

Z.b. ist es eindeutig der Wille Gottes im Christentum, dass Rumgepoppe außerhalb der Ehe nahezu auf oder gar exakt auf Null zu reduzieren ist, siehe Aussage von Christus über Ehebruch und Scheidung; wenn nun trotzdem alle Christen wie blöd fremdgehen und sagen, dass das doch in Ordnung sei, ist das für die Frage, ob es vom Christentum in Ordnung ist, völlig egal, da im Christentum eben eindeutig "fremdgehen wie blöde" eigentlich zu unterbleiben hätte; es handelt sich dann einfach um Christen, die sich wenigstens in dem Punkt nicht an ihre Religion halten.

Antwort
von Farbton2, 37

Beide Richtungen lehnen die Abtreibung ab. Sie sehen es als "Mord", da es ja schon mehr oder weniger ein Lebewesen ist. Manche sehen es so, andere so.

Antwort
von fricktorel, 17

Die Meinung Gottes (und auf diese sollte es ankommen) ist:

NEIN (2.Mose 20,13; Lk.18,20) !! 

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