Frage von eviherz, 18

Wie überwinde ich die Angst vor vielen Leuten aufzutreten?

ich singe sehr gerne, habe auch schon auf der Hochzeit meines Dads gesungen, doch da waren es nur 30-50 Leute. Meine Musiklehrerin wünscht sich, dass ich am weihnachtsball, vor der ganzen Schule singe. doch ich habe Angst vor fast 150 Menschen zu singen. ich würde es gerne tun, aber habe panik. wei kann ich die überwinden??

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von MissMarplesGown, 18

Eine Frage - die Dich nicht noch mehr ängstigen soll: Aber bist Du sicher, dass "die ganze Schule" nur 150 Menschen beinhaltet?

Ich verrate Dir etwas aus vielfacher Erfahrung: Es ist wesentlich schwieriger, vor 5 Leuten zu singen als vor 2.000. Das ist die Wahrheit. Weil Du bei jedem der 5 genau bemerkst, wie sie Dich beobachten, Dir ins Gesicht sehen und auf buchstäblich alles achten, was von Dir kommt, was Du tust und was Du vielleicht nicht so gut machst. Du kannst an ihren Gesichtern lesen, was sie über Dich und das, was Du gerade tust, denken. Sie denken nichts Schlechtes, aber: Sie DENKEN und sie BEOBACHTEN. Sie wollen buchstäblich nichts verpassen und erwarten etwas Gutes zu erleben - und das baut enorm Leistungsdruck auf. Und mit dem Leistungsdruck kommt die Angst, gefühlte, gedachte, selbstgestellte Limits nicht zu erreichen.

Genau hinsehen und hinhören: das tun die 2.000 auch - so gut sie es von Weitem können, wenn sie weiter hinten sitzen. Aber der wesentliche Unterschied ist: Du nimmst sie als Einheit, als Masse wahr - nicht als Individuen. Weil Du hochkonzentriert bist auf das, was Du tun musst. Und Du siehst nicht, wo genau sie hinsehen und was sie wohl gerade denken, Du bekommst ihre Mimik, aus der Du lesen könntest, nicht mit.

Sich vor vielen Leuten Leuten hinzustellen und zu singen ist 50% Wahnsinn und 50% Einstellungssache - zu sich selbst, zur eigenen Person, und dann auch zum Leben, zur Welt. Den Wahnsinn für solche Aktionen muss man in der eigenen Natur haben ;-), an der Einstellung muss man arbeiten.

Eine hilfreiche Einstellung wäre:

Ich singe hier jetzt, YES!!! - Und NIEMAND in diesem Saal würde sich ernsthaft trauen, was ich hier versuche. Aber: Dies sind meine Schüler, meine Lehrer. Und jeder von ihnen weiß, das das hier verdammt viel Mut kostet und wirklich schwierig ist, sie wissen, was ich riskiere. Und sie sind auf meiner Seite, sie werden bereit sein, meinen Auftritt besser zu bewerten, als er war und meine Fehler nicht wirklich zu erinnern, wenn ich fertig bin. Es wird in ihrer Erinnerung an mein Singen nur einen Gesamteindruck geben, keine Details, und diesen Gesamteindruck insgesamt positiv zu gestalten, das werde ich schaffen!

Die Welt hat viele Abenteuer, @eviherz, große und kleine. Man kann hier und da welche mitnehmen und daran über sich selbst und das Leben lernen und daran wachsen, oder man lebt auf Sparflamme und ohne Abenteuer und Herausforderung, dafür in ständiger Sicherheit und wagt nichts und verpasst aber das Leben.

Es gibt wesentlich größere Abenteuer als dieses hier, dies hier gehört zu den kleinen. Es kostet Dich nur den Moment, den man auch bräuchte, wenn man mit einem Fallschirm aus dem Hubschrauber springt. Man sollte wissen, dass man das geübt hat, man sollte wissen, wie man landet, man sollte wissen, wie der Weg von oben nach unten aussieht, welche Schwierigkeiten zu meistern sind, worauf es dabei ankommt.

Mit anderen Worten: Übe mehr als Du für nötig hältst, lerne Deinen Text sicherer auswendig, als Du meinst, dass es nötig ist - auch dann, wenn Du ihn auf der Bühne dabei haben darfst. Man findet den Einstieg in die zweite Strophe nicht vor Aufregung, man verrutscht in der Zeile... Sowas kann passieren. Wenn Du den Text auswendig kannst, kannst Du Dich jederzeit schnell wieder fangen und kannst daher mehr Focus auf Stimme und Töne legen, als wenn Du gedanklich beim Singen auch noch nach dem Text fischen musst. Du musst fit sein, ausgeschlafen, konzentiert, gesund, keine Erkältung, damit die Stimme voll da ist.

Ganz wichtig; Bei Aufführungen kommt ein Effekt hinzu, mit dem man als Laie nicht rechnet: Das Singen unter Aufregung und Druck nimmt enorm Sauerstoff weg. Wenn dieser Effekt eintritt, kannst Du vielleicht bereits nach zwei Zeilen plötzlich in Atemnot kommen und verstehst dann überhaupt nicht, warum Du stimmlich so "schwächelst" und Dir dann auch noch die Stimme wegbleibt.

Du musst wissen, dass Du unter Aufregung besonders auf Deine Atmung achten musst (auch VOR dem Singen schon!), zu viel ist genauso problematisch wie zu wenig, denn wenn Du mit dem Sauerstoff aus dem Lot kommst, verlierst Du unmittelbar auch die Atemstütze und damit die Möglichkeit, die Töne sauber anzusteuern und zu halten - und wenn Du Dich selbst unsauber singen hörst, beginnt ein Teufelskreis der Unsicherheit. Erfahrung im Singen ist hier hilfreich, Routine.

Du kannst das! Es sind nur die Leute, die Dich verunsichern. Ich konnte im Jugendalter bereits sehr gut singen und erhielt daher über meine Schauspielausbildung, die ich begann, ersten professionellen Gesangsunterricht. Bei einer Prüfung hat man mir die Augen verbunden, weil ich sonst gestorben wäre ;-). Seitdem weiß ich, wie gut ich singen kann und war seitdem vorher nie wieder so aufgeregt, dass ich nicht wild darauf war, auf die Bühne zu kommen. Schalte das Denken aus und singe, als wärst Du allein für Dich. Betrachte Dies nicht als Prüfung durch Andere, sondern als etwas, was DIR gehört, Dein Abenteuer.

Antwort
von Michel888, 18

Versuche dir vorzustellen, es sind wie immer nur 30 Leute. Sofern du auf einer Bühne singst, was ich bei 150 Leuten vermute, bist du durch die Scheinwerfer sowieso geblendet, dass du maximal die vorderen Reihen sehen kannst.

Kommentar von MissMarplesGown ,

In der Schule ist man beinahe niemals "durch Scheinwerfer so geblendet, dass man nur die ersten Reihen sehen kann". Schulen haben in der Regel keine professionelle Bühnenbeleuchtung, die mit der eines Theaters vergleichbar wäre.

Es ist auch nicht gesagt, dass das Licht vollständig aus sein wird.

Antwort
von Virginia47, 16

So groß ist der Unterschied gar nicht, ob du vor 50 oder vor 150 Leuten singst. Rede dir diese Angst gar nicht erst ein. Wenn du dich getraut hast, vor 50 Leuten zu singen, kommt es auf die paar mehr auch nicht mehr an. 

Antwort
von Valkyrie2000, 18

Wenn du es vor 50 geschafft hast, macht das keinen Unterschied mehr.

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