Frage von somi1407, 17

Wie übe ich mit meinem Pferd an der Hand vorwärts zu gehen?

Hallo! Ich hab ein kleines Problem mit meiner Reitbeteiligung (KWPN Wallach, 10 Jahre alt). Er lässt sich einfach nicht gescheit führen. Ich muss ihn quasi hinter mir her ziehen. Das ist natürlich nicht tragisch, aber lästig. Ob ich ihn zur Weide hin oder zurück führe, zum Reitplatz, in den Stall oder wohin auch immer - er läuft entsetzlich langsam. Leichter wird das Führen nur, wenn ich ihn mit einem Leckerli locke oder jemand von hinten antreibt. Teilweise nehme ich schon eine Gerte mit, wenn ich ihn von der Weide hole. Aber korrektes Führen ist das dann ja auch nicht, weil ich dann ja eher hinter ihm laufen muss um ihn anzutreiben.

Eigentlich hat er einen guten Schritt, vorrausgesetzt er wird angetrieben. Sprich wenn ich oben drauf sitze ist das ganze kein Problem. Da ich jetzt Urlaub habe wollte ich das Problem endlich mal angehen und mehr Bodenarbeit mit ihm machen. Aber wie trainiere ich das mit ihm? Könnt ihr mir Tipps geben?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 10

Gerte ist eine gute Idee.

Die muss allerdings lang genug sein, und 

- du läufst damit nicht hinter dem Pferd her, sondern genau da, wo du laufen willst - ich nehmen mal an, neben dem Hals des Pferdes. 

-Du nimmst den Führstrick oder Zügel locker in die rechte Hand, 

-die Gerte in die Linke, und 

-gibst das Kommando zum los laufen ( Hand vorschieben oder schnalzen, oder ein bestimmtes Wort wie komm, auf geht's, vorwärts - was auch immer du möchtest) und machst den ersten Schritt. 

- Wenn das Pferd nicht SOFORT  zeitgleich losmarschiert  klopfst du, ohne dich umzudrehen,  mit der Gerte hinten an den Unterschenkel des Pferdes. Sollte es darauf nicht sofort reagieren, dann darf es ruhig kräftiger sein. So leicht wie möglich, aber so fest wie nötig, dass du in Zukunft kein zweites Mal klopfen brauchst. Sag nie etwas 2x! Das Pferd muss reagieren! Sofort! Und wenn das Pferd zu langsam schreitet, widerholst du das ganze. Immer wieder. Bis es so fleißig schreitet wie beim reiten. Und wenn du auch am Anfang bei jedem 3. Schritt erneut Tempo einforderst! Du verläßt deinen Platz an seinem Hals nicht, sondern das Pferd geht da, wo du es haben willst, neben dir, und zwar zügig! Und wenn nicht , klopfst du. Du darfst am Anfang nicht einen einzigen Bummelschritt dulden!

Du kannst dabei fröhlich plaudernd motivieren, oder ein Liedchen summen in dem Takt, in dem das Pferd gehen soll. Das erleichtert die Sache oft sehr, denn Pferde sind recht musikalisch.

Normalerweise dauert es keine 10 Minuten, bis ein Pferd das kapiert. Bei Euch ist da natürlich ein " Gewohnheitsrecht" des Pferdes zu durchbrechen, daher würde ich einige Tage oder gar Wochen keinen Schritt mit diesem  Pferd gehen, ohne die Gerte  dabei zu haben, damit du absolut konsequent sein kannst. Bis das Pferd ganz selbstverständlich so läuft, wie du dir das vorstellst.

Wenn das Pferd dann irgendwann weiß " wann es gilt", brauchst du keine Gerte mehr,  und dann  kann man auch mal wieder zwischendurch miteinander einfach nur bummeln...


Kommentar von Urlewas ,

Freut mich sehr, wenn dir helfen kann. Danke für den Stern ✨ , und viel Erfolg  beim Umsetzen der Anregungen!

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 10

Was mich erstaunt und jetzt nicht gegen Dich böse gemeint ist, sondern mich nur anregt, über die Lehre hierzulande nachzudenken, ist, warum man Menschen so weit ausbildet, dass man ihnen Reitbeteiligungen zutraut ohne sie ein Pferd führen zu lehren. Wir mussten seinerzeit sowas lösen können, sonst hätten wir unsere erste Reitstunde noch nicht bekommen und weiter am Boden üben müssen. Das war eine reine Sicherheitsfrage.

Wenn Du mit einer Gerte unterwegs bist, reicht oft ein aufforderndes "Winken" damit. Wichtig ist aber, dass Du Dich eben nicht drehst oder zurückfallen lässt, denn dann DARF er gar nicht gehen. Alternativ zur Gerte geht es auch mit dem freien Ende des Führseils (die meisten Stricke, die heute so im Handel sind, sind keine Führseile, ein Führseil hat mindestens 2,50, eher 3 m Länge). Du bleibst mit Blick nach vorne und schwingst Dein "Winkgerät" mit der vom Pferd abgewandten Hand nach hinten. Keinesfalls ziehst Du am Führseil. Wer zieht, hat verloren. Das Seil hängt durch, es ist lediglich ein Sicherungsseil.

Was ich immer spannend finde, ist, dass vielerorts gelehrt wird, man gehe auf Schulterhöhe des Pferdes. Dann nämlich sind die Pferde nach nur einem einzigen Satz nach vorne weg, weil einem gar nicht die Möglichkeit bleibt, den Pferdekopf zu sich zu holen, sodass man das Pferd um sich kreisen lassen kann, bis sich etwaige Aufregung wieder legt. Natürlich darf man auch nicht vor dem Pferdekopf sein, denn dann setzt man sich der Gefahr aus, dass einen das Pferd im Schreckmoment von hinten anspringt. Aber am sichersten und mit der meisten Einwirkung geht man neben dem Pferdekopf bis hin zum 4. Halswirbel. Dieser Spielraum ist auch gut, um dem Pferd einen Reaktionsweg zu lassen und nicht zu schnell mit einer Hilfe nachzusetzen.

Generell gilt, von der sanften zur unsanften Hilfe steigern, sodass das Pferd immer die Chance bekommt, auf die leichteste Hilfe zu reagieren, aber auch merkt, wenn es nicht reagiert, wird es ungemütlich. Einige raten heute dazu, immer dieselben Abstufungen zu machen, was ich so nicht unterschreiben kann. Es gibt so individuelle "Gemütlichkeitsschwellen" bei den Pferden. Da hat jedes seine Schwelle, wo es sagt "die Hilfe juckt mich ja noch überhaupt nicht" und wenn es weiß, dass nach Stufe 1 immer noch 2 und 3 kommt, bevor die für es ungemütliche Stufe 4 kommt, kann es sein, dass es immer erst bei Stufe 3 reagiert nach dem Motto "jetzt muss ich, sonst kommt Stufe 4". Daher die leichteste immer machen, wir wollen unser Pferd ja auf feinsten Fingerzeig lenken können, dann aber mit unterschiedlicher Intensität nachsetzen, sodass es lieber auf 1 schon reagiert, bevor es plötzlich mit 4 konfrontiert wird.

Kommentar von WesternCalimero ,

Das ist eine Antwort, die ich kommentarlos unterschreibe ..... DDH.

Antwort
von FelixFoxx, 11

Nimm eine Fahrpeitsche mit kurzem Schlag, die lang genug ist, um ihn zu treiben von der normalen Führposition aus.

Antwort
von lisawessel, 10

Nimm dir eine gerte und nimm ihn mit in die halle. (benutze die gerte auch) lasse ihn erst mal alleine laufen nur mit halfter. wenn er etwas gelaufen ist, nimm dir ein paar pferdekekse und er soll dir hinterher laufen. wenn er das tut (mach das mal 1-2 h lang and 3 tagen und dann kanns weiter gehen) num den strick mit und mach ihn fest. benutze die gerte um ihn vorwerts zu treiben. nach 5m immer einen keks. mach das auch ein paar tage lang und es wird immer besser 

lg lisa

Antwort
von BarbaraAndree, 9

Hier ein Link, der dir vielleicht helfen könnte ("Arbeiten an der Hand"):

http://www.pferdewissen.ch/loesetechnik.php

Antwort
von fyssio, 6

Toll das du das üben willst und es lohnt sich! Aber es geht langsam, sei drauf vorbereitet...
Erst auf m Sandplatz üben: immer drehen zum Pferde hintern wenn er nicht in der Richtung geht wo du willst. Immer links rum, dann wird er wach und ist anstrengender als gerade hinter dir her zu laufen. Loben wenn er mit dir dreht ohne Leckeri. Stimme, klopfen egal. Aber essen geben ist unterwürfig. Man muss wie Pferd denken: warum soll ich sie folgen? Wie ist deine Haltung, deine Stimme wenn es los gehen soll... Denke wie ein tolles "Pferd" du bist, das du ihn zeigst das es etwas tolles ist zur Weide zu laufen zB. Und jedes Mal begeistert sein...
Ich hoffe es funktioniert.
Und wenn er langsam läuft ist er noch etwas steif? Oder traut sich den Weg nicht? Lass ihn gucken, dann fordere wieder auf zu kommen oder drehe 180• nach links und wieder und wieder. Bis er merkt er soll dir folgen.

Kommentar von somi1407 ,

Er läuft mir hinterher, das ist nicht das Problem. Im Grunde folgt er mir wie ein Hündchen, auch ohne Strick und Halfter.  Nur das Tempo ist das Problem.

Kommentar von fyssio ,

Das Tempo sagt bei mir das er dich vertraut und er keinen Grund sieht schnell zu laufen. Nur beim Fluchtverhalten läuft ein Pferd schnell. Genieße sein Tempo. Das Leben ist schon schnell genug...

Kommentar von funkelfee203 ,

Das Tempo sagt eher "Mach du mal, ich mach mein Ding". Nix vertrauen. Eher im Gegenteil. Das Pferd "treibt" den Menschen, bewegt ihn. Das darf es nicht. Der Mensch bewegt das Pferd. Immer. 

Kommentar von fyssio ,

In der Hippotherapie bewegt das Pferd den Mensch. Und heilt/lindert den Mensch von Schmerzen, Verspannungen und Muskelschwund. Du kannst das anders behaupten, aber dann musst du immer treiben, schlagen, schreien usw. Frage dich selbst ab warum du ein Pferd hast? Was fehlt dir im Leben? Kaufe dann lieber ein Motorrad und du kannst das Tempo immer selber bestimmen....

Kommentar von Urlewas ,

Das Therapiepferd jedoch wird wiederum von jemand anderem bewegt. Sonst würde der Patient oben drauf lediglich in den zweifelhafzen Genuss kommen, auf einem grasenden Pferd weitgehend still zu sitzen. Da wäre dann auch nichts mit bewegt werden. 

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