Frage von urmelcon, 33

Wie steht ihr zu Psychotherapie und Klinik?

Hiho, nur an Leute, die damit Erfahrungen gemacht haben: Wie steht ihr dazu? Hat es euch geholfen gegen eure psychischen Probleme z.B. Depressionen, selbstzerstörendes Vermeidungs- bzw. Zwangsverhalten hinwegzukommen? Ich persönlich habe auch schon Erfahrungen mit Psychotherapie gemacht, allerdings sah ich den Sinn bzw. Erfolg nie und bin nach anfänglich geringer Skepsis nun auch der fast vollständig der Meinung, dass es vollkommener Humbug ist... Ein Mensch kann in seinem jahrelangen Grundfesten, die er durch jahrzehnte langes Erleben und Erfahren erlernt hat kaum umprogrammiert werden. Ein Psychologe ist auch nur ein Mensch, der dir Ansichten mitteilt, die durchaus lobenswert, aber nicht neu sind. Entgegen der Meinung meines Arztes, welcher behauptete, dass solche Therapien Menschen IMMER helfen konnten, die auch bereit waren sich helfen zu lassen. Ich fand diese Aussage schon fast hämisch, da es nach einer 100%igen Erfolgsgarantie klang... Mal angenommen der Mensch ist unter "schwierigeren" Bedingungen aufgewachsen, welche ihn innerlich immer mehr das Selbstwertgefühl, die Selbstachtung und das Selbstvertrauen nahmen und generell zu einem katastrophalen Menschenbild geführt haben, das inzwischen zu fast irreparablen Schäden in der Psyche und im Sozialverhalten geführt und sein komplettes Leben an den Rand der Selbstzerstörung gebracht haben? Welcher Mensch will dich jetzt noch überzeugen neuen Lebensmut zu finden, wenn er doch bereits 10 Jahre in sozialer Isolation gelebt hat, dem Alter näher kommt und das Gefühl von der Liebe zum Leben und zu anderen Menschen nicht wirklich kennt? Ein Psychologe kann da genauso von grünen Schweinen und blauen Bäumen erzählen... Wie seht ihr das?

Antwort
von Kitharea, 5

Ein Therapeut ist nicht da um dir seine Meinung mitzuteilen. Ein Therapeut ist dazu da dir das zu sagen was du vielleicht brauchen könntest um selbst draufzukommen - eben weil es nichts bringt dir vorzubeten was FÜR DICH richtig oder falsch ist.
Ich hatte einige Erlebnisse - wo es schwere Probleme gab und ich von einen Tag auf den Anderen dann so ein Aha-Erlebnis hatte was das Problem von einen Tag auf den Anderen auch wirklich beseitigt hat. Komplett. Ohne mit der Wimper zu zucken oder mich anzustrengen.
Es gibt keine Erfolgsgarantie - 1. weil das ein jahrelanger Prozess ist den viele nicht durchstehen wollen/können/müssen und 2. weil man selbst mitarbeiten muss (psychisch). Es gibt keine Garantie für Erfolg, weil der Patient zum Beispiel diese Erlebnisse nicht hat - die Aussagen des Therapeuten nicht wahrnimmt/überdenkt was auch immer. Ich kann mich an einige Aussagen des Therapeuten erinnern die sich im nachhinein als falsch herausstellten. ABER sie zeigten zumindest eine Richtung die nicht falsch war. Das ist kein Hellseher. Er soll nur einen Menschen dazu bringen sich selbst zu finden. Mit Allem was dazu gehört. Wenn man sich nicht finden lassen will - kann dich keiner zwingen. Wenn man sich selbst, das was man fühlt und tut nicht ernst nimmt - wird das auch nichts bringen. Wenn man dem Therapeuten bei dem man sich gut aufgehoben fühlt unterstellt er sagt einem das Falsche - kann man mal versuchen umzudenken.
Kurz und gut - Therapeuten sind Hilfe zur Selbsthilfe und keine Wahrsager.
Und ich muss dir auch widersprechen bei ganz krassen Fällen. Ich bin SICHER dass es jedem helfen KANN. Aber da gehören nunmal 2 dazu. Auch der Patient muss völlig mitspielen. Das ist kein Arzt, wo man hingeht - sich paar Tabletten reinpfeift und dann wieder gesund ist. Mag sein, dass man es irgendwann als unnötig empfindet da weiter hin zu gehen. Auch das ist individuell. Mag sein, dass es einige Dinge im Leben auch mehr zerstört als notwendig. Aber die Verantwortung für dein Leben gibst du an der Tür zum Psychologen nicht ab. Du teilst nur die Gedanken dazu.

Antwort
von Polepolepolska, 7

Hi,
ich bin zwar nicht betroffen, trotzdem würde ich gerne etwas dazu schreiben:
"Ein Psychologe ist auch nur ein Mensch", so wie du bereits erwähnt hast. Nun ist das bei uns Menschen so, dass man zu manchen direkt einen guten Draht hat bzw. direkt ein gute Gefühl hat. Und sich dadurch ein gutes Vertrauensverhältnis aufbauen kann. Das ist eine Grundlage für eine Therapie.

Außerdem wissen wir noch relativ wenig, wie unser Gehirn funktioniert und wie die Wechselwirkung zwischen Menschen und Umwelt "funktioniert". Somit wissen wir noch "relativ" wenig über die Erkrankungen. Deshalb gibt es verschiedene Ansätze von Therapien, welche sich stetig weiterentwickeln (Wie auch allgemein in der Medizin).

Fazit:
Die Methodik der Therapie, so wie die Person, welche die Therapie durchführt, muss stimmig sein. Zwei wesentliche Faktoren...
Es ist also auszuschließen, dass ein Therapeut eine 100%ige Heilung prognostizieren könnte....

Als Erkrankter muss man sich leider auf den Weg machen, und verschiedenstes ausprobieren, wenn eine Therapieform nicht funktionert. Das kann sehr frustrierend sein  -.-
-> Wahrscheinlich gehen die Meinungen zu Kliniken auch deshalb so weit auseinander... Es ist bei psychischen Erkrankungen einfach nicht so einfach, die richtige Therapie zu finden...

Wünsche euch allen noch einen schönen Abend ;-)

LG :-)

PS: Mich würde mal interessieren, was ihr zu meinen Aussagen zu meint? Stimmt mir da so zu? Möchte meinen Horizont gerne erweitern :-)

Antwort
von AlexLiebtPferde, 13

Guten Abend. 

Ich war selber eine lange Zeit in einer Klinik und ich finde eben, dass es sich absolut nicht verallgemeinern lässt. 

Es kommt immer auf die Klinik und den Willen an. Ich bin komplett "geheilt" worden. Allerdings war ich mir auch zu 100% sicher, dass es mir helfen wird und hatte diesbezüglich eine positive Einstellung. Mit ein Grund dafür das es mir geholfen hat wird aber auch die Länge meiner Therapie gewesen sein. Ich war 1 Jahre dort und hatte gute Psychologen etc an meiner Seite! 

Und wie du schon sagst, es kommt auch absolut auf das erlebte an, aber grundsätzlich hälte ich es für möglich das einem geholfen werden kann. Aber eine Klinik oder auch nur Psychologen können wenn sie das Problem nicht analysieren oder verstehen können oder kaum/ schlechte Fachkompetenz haben sehr viel zusätzlichen Schaden anrichten 

Kommentar von urmelcon ,

1 Jahr ist wirklich lang. Zumal du von der Hilfe einer solchen Betreuung überzeugt warst und scheinbar keine Zweifel hattest. Ein Pluspunkt. Hilfe nimmt der Mensch leider nur an, wenn noch Hoffnung in ihm steckt bzw. sich seine katastrophalen Überzeugungen von ihm selbst noch hinterfragen lassen...

Kommentar von AlexLiebtPferde ,

Ich habe immer geglaubt, dass jeder Mensch, wenn er sein "Problem" eingesehen hat, dazu bereit ist, sich voll und ganz auf eine Therapie zu konzentrieren und dran zu glauben. War echt interessant deine Sichtweise soweit mal zu erfahren. 

Kommentar von Kitharea ,

Denke auch das Vertrauen in die Sache an sich einer der wichtigsten Punkte ist. Ansonsten kann man sich gar nicht so weit öffnen wie es notwendig ist.

Antwort
von Sauperle, 5

Wie seht ihr das?

Etwas abstrakter sehe ich das schon.

Die Psychotherapie kann, muss aber nicht helfen. Helfen im Sinne von dem Platz zu finden.

Grundvoraussetzung ist das sich drauf einlassen können.

Es geht nicht um das Umprogrammieren, sondern um die Strukturen kapieren.

Dass solche Therapien immer helfen ist klar, manche kommen dann ohne nicht mehr klar. Liegt einfach daran, dass das Leben zu kurz ist, um mit dem erlernten noch einmal richtig Erfolgreich zu werden. Wenn aber das Erfolgreich werden außer Acht gelassen werden kann, kann es für die Gelassenheit dienlich sein und das ist doch auch etwas, wenn diese fehlen sollte.

Das größte aller Probleme ist aber das Umfeld, denn das bleibt wie es ist und für den Therapierten ist das Mist. Das sind dann auch die Gründe für die Dauertherapie, manche Therapierten begreifen das nie.

Antwort
von Furzer, 19

Bei schweren psychischen Leiden muss eine Psychatrie helfen.

Aber nicht jede Anstalt ist gut. Wie das bei Heimen und Kliniken nun mal so ist.

An und für sich sind die heute allgemein menschlicher als früher.

Ich bin gegen die Elektrokrampftherapie.

Zwar heute alles mit Narkose, aber trotzdem, das Hirn wird elektrisch verändert und das kann lange Nachwirkungen zeigen.

Kommentar von urmelcon ,

Und was genau soll das bringen? Ein Mensch bei kaputter Psyche ist trotzdem in der Lage rational zu denken und zuhandeln ~nur eben auf seine Weise... Ein Mensch lernt und ein Mensch handelt dementsprechend. Wer nimmt sich das Recht heraus zu entscheiden was irrational und rational ist, wenn er die Hintergründe nicht kennt... ich finde solche Ansätze wirklich mehr als fragwürdig...


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