Wie stehen Nazis zum Kapitalismus?

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6 Antworten

Der Antisemitismus der Nazis war im Grunde ein regressiver Antikapitalismus, der seine "Kapitalismuskritik" auf die Verschwörungstheorie vom "internationalen Finanzjudentum" reduzierte. Logischerweise sieht man heute noch nicht nur in rechtsextremen Kreisen immer wieder überall "jüdische  Lobbies" (heute würde man eher von zionistischen Lobbies reden) oder die alte Bankiersfamilie "die Rothschilds" am Werke, sondern auch manche Linke greifen hin und wieder dieses Klischee auf.

In der Vorstellung der Nazis galt ihnen nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise der jüdische Geldverleiher als Ausbeuter, faul, verschlagen und hinterhältig, der die Notlagen anderer zu seinem Vorteil ausnutzt um sich zu bereichern. Die Nazis stellten diesem den deutschen Arbeiter als Gegentyp entgegen, der anständig und ehrlich sein soll und alle Tugenden und positiven Eigenschaften verkörpert, die dem Juden angeblich fehlen würden. Die Zwangsarbeit in den Konzentrationslagern von den Nazis in dieser Logik offiziell als eine Form der "Umerziehung" zu "ehrlicher und anständiger Arbeit" angesehen.

Den Nazis damals wie heute sind die Mechanismen der internationalen Finanzmärkte schlicht und einfach viel zu abstrakt, weswegen sie sich selbst eine "Werte schaffende Arbeit" verlegten, wie die Arbeit in den Fabriken, auf dem Bau, dem Handwerk oder der Landwirtschaft.

August Bebel wird das Zitat zugeschrieben "der Antisemitismus ist der Antikapitalismus der dummen Kerle." Auch wenn dieses Zitat nicht belegt ist, trifft es doch auf die Nazis zu. Wem "das Kapital" von Karl Marx zu kompliziert ist, der hält es eben mit dem Antisemitismus, denn der ist für die dummen.

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Kommentar von Daspasstschon
03.06.2016, 20:05

Meine Freunde Marx und Engels haben mir gerade ein Fax geschickt, indem sie deinen Kommentar sehr loben! Ich schließe mich mal den großen Denkern an!

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Kommentar von DreiGegengifts
03.06.2016, 20:12

Der Antisemitismus hatte aber (praktisch) keine Auswirkungen auf das wirtschaftliche System. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Bekämpfung der "jüdischen Hochfinanz" waren reine Propagandamaßnahmen.

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Kommentar von Exisaur
03.06.2016, 22:36

Hut ab, Mylord. Perfekte Antwort!

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Buchempfehlung zum Thema: „Entmachtung der Hochfinanz“ von Reiner Bischoff.

Das Buch gibt zwar keine konkrete und direkte Antwort darauf, wie „Nazis zum Kapitalismus“ stehen, aber man weiß es hinterher. Sehr interessant für jeden, der sich für das Thema Kapitalismus interessiert.

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Bei denen finden sich haufenweise gescheiterte Existenzen.

Für diese Leute ist es natürlich verlockend, ihre gesamten Probleme ins kapitalistische System, insbesondere das Bankensystem, zu projizieren.

Das war in der Weimarer Republik auch schon so.

Da war das Feindbild der jüdische Banker.

Dieser kapitalismusfeindliche Flügel (insbesondere SA) wurde dann im Röhmputsch beseitigt.

Träger dieser Bewegung waren auch hier Gescheiterte.

Bedenklich finde ich, dass damals wie heute Rechte und Linke teilweise gleiche Feindbilder und Vorurteile haben und den gleichen Verschwörungstheorien anhängen.

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Kommentar von DreiGegengifts
03.06.2016, 20:09

Dieser kapitalismusfeindliche Flügel (insbesondere SA) wurde dann im Röhmputsch beseitigt.

Nein, die Propaganda gegen die Juden und die damit verbundene "Entmachtung der Hochfinanz" ging vor allem von Hitler und Goebbels aus (wobei Goebbels selbst über diese Propagandamaßnahmen spöttelte (man müsse schlichten Geistes sein, um darauf hereinzufallen)). Die beiden standen in offener Konfrontation zum sozialistischen Flügel der NSDAP. Der sozialistische Flügel war wiederum durchzogen mit einer antimarxistischen Denkweise. War also selbst schon eine sehr eigene Adaption des klassischen Sozialismus.

Bedenklich finde ich, dass damals wie heute Rechte und Linke teilweise gleiche Feindbilder und Vorurteile haben und den gleichen
Verschwörungstheorien anhängen. 

Sie eint fast gar nichts. Überschneidungen gibt es eigentlich nur bei den ideologischen, autoritären Linken. Sie verbindet mit den Rechten das autoritäre Gesellschaftsbild und eine Tendenz zum Totalitarismus.

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Dir wird hier wohl kaum ein (Neo)nazi antworten... Einfach aus dem Grund, weil dann die ganzen Moralapostel die Kommentare stürmen ;) Und man kann wohl schlecht die Meinung jemand anderes vertreten.

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Die Wirtschaft der Nationalsozialisten kann keiner bestimmten Richtung zugeordnet werden. Sie war nicht sozialistisch. Sie war auch nicht antikapitalistisch oder kapitalistisch. Sie einte eher verschiedene Aspekte. Und die Wirtschaft wandelte sich auch während der Nazi-Herrschaft und mit Beginn des Krieges.

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Die Nazis sind stramme Befürworter des Kapitalismus, daran ändert auch ihr Geschwätz mit gewissen anitkapitalistischen ZUntertönen nichts daran. Dieser antikapitalistische Anstrich dient nur dazu, den Leuten Sand in die Augen zu streuen.

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