Frage von kay2013, 53

Wie stehen die Chancen als unabhängiger Suchtberater?

Ich bin seit 10 Jahren Trocken, habe vorher 2 Jahre Therapie absolviert und insgesamt 20 Jahren Suchterfahrung. Nun würde ich mit meinem Wissen gerne (aber nicht umsonst) anderen helfen und zum Thema Sucht beraten. Wie seht Ihr das ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von derhandkuss, 26

Ein ehemaliger (da bereits verstorbener) Bekannter von mir hat das gemacht. Er ist zweimal in die Klinik eingeliefert worden. Bei der zweiten Einlieferung gaben ihm die Ärzte 4 Tage, so viel Promille hatte er im Blut. Nach der zweiten Entziehungskur ist er trocken geblieben.

Er hat sich als ehrenamtlicher Suchthelfer weiter bilden lassen (war selbst beim Blauen Kreuz). Anschließend hat er (als Rentner) bei Bedarf für die Kommunal-verwaltung gearbeitet, falls die Ordnungsbehörden Personen aufgegriffen haben, wo sie nicht mehr wussten, was sie mit denen machen sollten.

Antwort
von MrBurner107, 15

Ich fürchte, dass dieser Teil des Arbeitsmarktes ziemlich hart umkämpft ist, denn du bist nicht der einzige trockene Alkoholiker, der sich in der Suchthilfe engagieren möchte. Da wird es noch reichlich andere ehemalige Saufbrüder geben, die heiß darauf sind.

Kommentar von kay2013 ,

Ob es in unserer Stadt eine Art Konkurrenz gibt ? Ich glaube nicht. Die meisten gehen, so schätze ich einer normalen Tätigkeit nach. Ich hingegen möchte nicht einer normalen Tätigkeit nachgehen, sondern mit der Beratung dass tun, was ich gerne mache und nicht einfach des Geldes wegen muss. 

Kommentar von MrBurner107 ,

Ist mir schon klar. :)

Antwort
von Schnuppi3000, 7

Versuchen kannst du es natürlich. Die Frage ist wohl, ob sich Menschen durch eine Person ohne therapeutische Qualifikation beraten lassen.

Antwort
von Ille1811, 7

Der beste Schutz vor einem Rückfall deinerseits ist, dein Wissen kostenlos an Alkoholiker, die noch leiden, weiterzugeben.

Fast alle, die meinten, ihr Wissen gegen Bezahlung weitergeben zu können, sind rückfällig geworden!

Du stehst mit deinen Vorstellungen nicht allein! So verückte Gedanken hatten schon viele vor dir.

Und wenn du Eltern oder Unternehmen beraten willst, da gehen mir die Schnürselkel auf! Du hast Ahnung vom Saufen, aber nicht davon, wie es Eltern oder anderen Angehörigen von Alkoholikern geht und was sie tun sollten, damit es ihnen gut geht!

Kommentar von kay2013 ,

Danke für deine Antwort. Woher möchtest Du Wissen, dass ich nicht weiß, was Familien, Freunde und Bekannte von Alkoholikern durchmachen oder durchgemacht haben ? Ich weiß zum Beispiel, dass es eine Hilfe durch Nicht-Hilfe gibt. Wer sind "fast alle" ??? 

Kommentar von Ille1811 ,

Fast alle hab ich geschrieben, weil es ja einzelne geben könnte, die nicht rückfällig geworden sind, wenn sie das gemacht haben. Ich kenne keinen Alkoholiker, der mit seinem Wissen über Sucht 'freiberuflich' oder ähnlich Geld verdienen wollte, der trocken geblieben ist.

Trauriges bekanntes Beispiel ist Harald Juhnke, der meinte, die Rolle des Trinkers am besten spielen zu können, da er Alkoholiker (damals trocken) war. Er war danach so stolz auf seine Leistung, dass er wieder soff.

Da ich selbst Angehörige von Alkoholikern bin und mich im Rahmen der Selbsthilfe sehr stark auf das Thema einlasse, weiß ich, wie schlimm die RatSCHLÄGE sind, die Alkoholiker und und Fachleute den Angehörigen geben.

'Hilfe durch Nichthilfe' braucht Begleitung durch Menschen, die das schon gelernt haben, weil sie selbst Angehörige von Alkoholikern sind und sich aus den Verstrickungen in den Alkoholismus eines nahestehenden Menschen gelöst haben. Aber nicht gegen Cash sondern umsonst!

Ich weiß, dass ich nie einem Alkoholiker werde helfen können, denn in sein Denken kann ich mich nicht reinversetzen. Genauso ist es für einen Alkoholiker unmöglich, das Fühlen der Angehörigen zu verstehen.

Antwort
von Schuby221, 21

Wenn das alle Deine Voraussetzungen sind, bleibt nur ein Ehrenamt. Ansonsten fehlt Dir noch eine Ausbildung b.z.w. Qualifikation, ohne die läuft in Deutschland nichts. 

Kommentar von kay2013 ,

Wozu benötige ich Ausbildung oder Qualifikation ? Warum soll das zwingend notwendig sein. Bitte um genaue Begründung.

Antwort
von user6363, 20

> (aber nicht umsonst)

Werd' Sozialarbeiter und werde dort behandelt wie scheíße, war ich auch mal, ist der Zeckenjob Nummer 1.

Kommentar von kay2013 ,

Es geht hier nicht darum Sozialarbeiter werden zu wollen, schade dass es bei Dir nicht zu geklappt hat. Für mich waren Sozialarbeiter meist eine gute Stütze aber wirklich, wirklich gut waren nur die auch ausgebildeten und studierten Therapeuten oder Menschen mit Beraterfunktion, die ähnliches erlebt haben.  

Antwort
von Schuby221, 13

Man muss seine Erfahrung auch vermitteln können. Außerdem braucht man Wissen über Stellen und Organisationen die Betroffenen helfen. Ahnung von Kostenträgern. Nur sagen ich habe gesoffen und ich bin nun trocken langt leider nicht aus.

Kommentar von kay2013 ,

Hier gehts für mich nicht darum, Leute in Krankenhäuser; Entgiftungen oder Fachkliniken zu vermitteln. Das Kostenanträge vorher gestellt werden müssen ist mir schon klar. Dass ich nur sagen würde, ich hätte gesoffen und bin nun trocken ist eine Unterstellung. Es geht doch dann um die mich aufsuchende Person und nicht um meine Vergangenheit. Ich glaube schon zu wissen, welche Stelle oder Organisation ich empfehlen müsste. 

Kommentar von Schuby221 ,

Ich unterstelle Dir Garnichts, soviel schon mal vorab. Was soll die dann von Dich erwarten?

Kommentar von kay2013 ,

Sorry für die Unterstellung zur Unterstellung - habe ich falsch aufgefasst. Aus eigener Erfahrung (und genau dass ist ja das, was die meisten Berater nicht haben) kann ich denjenigen oft größte Hürde (die Angst vor Ablehnung wenn man sich Hilfe sucht) nehmen. Angst haben zu müssen vor Berater, die sich eben nicht in die Lage hinein versetzen können - weil diese den Grossteil der Situationen nicht selbst erlebt haben. Ich kann mich sehr gut in andere Situationen versetzen und verstehen, was akut bennötigt wird. Die Menschen kann man so (ohne dass auch nur ein fester Schritt getan wurde) vorbereiten und Sie haben immernoch die Wahl alles selbst zu entscheiden. Der eine benötigt womöglich ganz, ganz dringend eine stationäre Behandlung - der andere nur klärendes Gespräch zu seiner verkapselten Situation und wieder durchatmen zu können. Nicht jeder kennt den Unterschied zwischen suchtgefährdet und süchtig sein. Mir haben schon viele gesagt, dass ich das machen soll - weil ich schon vielen damit helfen konnte. Ich kenne Möglichkeiten  - vom Pastor als kleine Hilfe für einen Menschen der seinem Obdachlossein weiter fröhnen möchte bis zum Junkie - den man nur noch empfehlen kann sich schnellstens vom Arzt eine Überweisung zur Entgiftung geben zu lassen und das waren nicht alle. Auch würde ich mir nicht zumuten alles und jeden als Klientel zu beraten - wenn ich merke dass ein Psychologe erforderlich ist, würde ich auch an einen verweisen. Denn mit einer falschen Beratung ist der Person bestimmt nicht geholfen. Ich möchte auch nicht den Hobbytherapeuten raushängen lassen, sondern möchte würde stets folgende Schritte wählen: Situation klären, mögliche Wege aufzeigen und (wie schon erkannt genau für die möglichen Probleme aufgestellten Stellen und Organisationen empfehlen), Tipps mitgeben.  

Kommentar von Schuby221 ,

Das hört sich ja ganz nett an, aber wer soll das bezahlen? Leute die Geld haben gehen sicherlich ganz andere Wege. Nur mal so nebenbei, ich kenne mich in der Materie auch aus.

Kommentar von kay2013 ,

Ich würde als Klientel zählen: Eltern - für eine Beratung zu Ihren evtl. suchtgefährdeten Kindern/Jugendlichen, Firmeninhaber - für Ihre Angestellten als eine Art Vorsorge. Eltern würde ich primär sagen.

Kommentar von Schuby221 ,

Na, dann mal viel Glück gegen die etablierten Organisationen und ehrenamtlichen Stellen. Da muss man ordentlich Werbung machen um die zu erreichen. 

Kommentar von kay2013 ,

Ich bedanke mich bei Dir für die nette Unterhaltung. Bis dann :)

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